Keine Unterstützung mehr vom Landkreis

Jugendwerkstatt in Ex-Kaserne schließt: Ende Juni ist Schluss

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Die Jugendwerkstatt schließt: Die jungen Männer und Frauen sind ebenso enttäuscht wie das Team vom IB. Unser Foto zeigt Leone Vinci, Christiane Meyer, Kevin Tschinke, Jennifer Schmeißer, Nadine Wotapek, Susanne Smetan und Joachim Block.

Hann. Münden. Die Jugendwerkstatt in Neumünden macht zum Monatsende dicht.

Der Landkreis unterstützte das Projekt, das vom Internationalen Bund (IB) ausgeführt wird, jährlich mit circa 300.000 Euro.

Nun zieht sich der Kreis an dieser Stelle zurück, damit ist auch die zusätzliche finanzielle Beteiligung der NBank, der Förderbank für Niedersachsen, hinfällig.

Der IB ist mit neun Mitarbeitern in dem Gebäude auf dem Gelände der früheren Kurhessenkaserne vertreten. Die Jugendwerkstatt kümmert sich seit Ende der 90er-Jahre um junge Menschen mit schwierigen Lebensverhältnissen, die vom Jobcenter und Jugendamt des Landkreises zugewiesen werden.

Enttäuschung

Teamleiterin Christiane Meyer vom IB zeigt sich ebenso wie ihre Kollegen und die jungen Männer und Frauen enttäuscht von der Entwicklung und dem Aus zum Monatsende. Wie und wo es jetzt für die Mitarbeiter weitergehe, wisse sie nicht. Der Landkreis Göttingen teilt auf Anfrage der HNA mit, dass es sich nicht um eine Sparmaßnahme handele. Das Geld bleibe in Hann.Münden und komme weiterhin der Jugendarbeit zugute, erläutert Landkreissprecher Ulrich Lottmann.

„Veränderter Bedarf“

Grund für das Aus der Jugendwerkstatt sei ein „veränderter Bedarf bei der Unterstützung von Jugendlichen“, so Lottmann: „Dies gilt sowohl in quantitativer wie auch qualitativer Hinsicht.“ Zielgruppe seien junge Menschen mit vielfältigen und schwerwiegenden Hemmnissen, die Ausbildung und Berufseinstieg erschwerten. Es zeige sich, dass diese „Jugendlichen zunehmend einer intensiven sozialpädagogischen Unterstützung bedürfen, um sie für eine berufliche Qualifizierung zu motivieren und schrittweise an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen“.

Ein weiterer Grund liege in der Zusammenarbeit von Landkreis und Träger. Dies sei direkt mit dem Träger besprochen worden und „es ist selbstverständlich, dass Fragen der Zusammenarbeit nur zwischen den Beteiligten und nicht in der Öffentlichkeit erörtert werden“. Eine Stellungnahme der zuständigen IB West gGmbH für Bildung und Soziale Dienste in Köln war am Freitag nicht zu bekommen.

In einer ersten Stellungnahme äußerten sich der Landtagsabgeordnete Ronald Schminke (SPD) und der Fraktionsvorsitzende der Mündener Grünen, Martin Bretzler, enttäuscht von diesem Schritt. „Was ich skandalös finde: Es wird eine bestehende Struktur zerschlagen“, so Bretzler, der ebenso wie Schminke im Kreistag vertreten ist. „Ich kann die Einstellung durch den Landkreis nicht nachvollziehen“, sagt Schminke, „ich finde es unmöglich, dass dieses Projekt eingestellt wird.

Die Kreistagsabgeordneten des Sozialausschusses wurden durch die Kreisverwaltung in nicht-öffentlicher Sitzung informiert. 

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