Großbrände

Münden will Brandschutz in der Altstadt verstärken

Die Brandstelle in Hann. Münden. Hier befand sich das Blumengeschäft Postscheune. Ein Großbrand verwüstete Ende Januar 2021 mehrere Häuser in der Altstadt. Das Gebäude ist mit Planen abgedeckt, um das Innenleben vor der Witterung zu schützen.
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Die Reste eines stattlichen Fachwerk-Ensembles: Inzwischen sind die Postscheunen-Gebäude mit Planen abgedeckt, um sie vor Regen und Schnee zu schützen.

Immer wieder kommt es in der historischen Altstadt von Hann. Münden zu Großbränden. Jetzt sollen Schutzmaßnahmen verstärkt werden.

Hann. Münden – Nach den verheerenden Bränden in den vergangenen Monaten soll ein neues Brandschutzkonzept für die historische Altstadt von Hann. Münden erstellt werden. Das sehen zwei Anträge für den Rat der Stadt vor, die die Gruppe Die Grünen/Münden aktiv und die Ratsfraktion der SPD einbringen wollen.

Güne und Münden aktiv (Müna) kommen in ihrer Analyse der Brände, bei denen die Flammen auch Nachbarhäuser beschädigt und zerstört haben, zu dem Ergebnis, dass es offenbar keine funktionierenden Maßnahmen gebe, „die ein Übergreifen des Brandes auf die Nachbarhäuser verhindern. Auch die Frage nach einem Brandschutzkonzept für die besondere Situation in einer Fachwerk-Altstadt, in der die Häuser historisch bedingt dicht an dicht stehen, ist negativ zu beantworten“, heißt es in der Mitteilung der Ratsgruppe.

Nach Gesprächen mit Vertretern der Feuerwehr, einem Brandschutzingenieur, dem ehemaligen Denkmalpfleger von Hann. Münden, dem Fachwerk-Fünfeck sowie Versicherungsvertretern sei eine Liste mit 30 Maßnahmen herausgekommen, „von denen man viele kurzfristig umsetzen könnte“, so Stadtratsmitglied Hartmut Teichmann (Grüne). „Um das Ganze hieb- und stichfest zu machen, möchten wir unsere Liste der Verwaltung geben, mit dem Ziel, dass diese daraus ein Brandschutz-Konzept für unsere Stadt entwickelt. Wir werden daher in der kommenden Ratssitzung einen entsprechenden Antrag stellen.“

Die Mündener SPD, die schon nach dem Brand in der Rosenstraße im November einen Ideenkatalog zum Thema Brandschutz präsentiert hatte und für das Frühjahr eine Informationsveranstaltung angekündigt hat, fordert nun über ihre Ratsfraktion zudem die Verwaltung der Stadt auf, „auf lokaler Ebene einen Arbeitskreis zu installieren, der Vorschläge zu weitergehenden Maßnahmen zur Brandprävention erarbeiten wird“.

In dem Schreiben von SPD-Ratsmitglied Nortrud Riemann heißt es weiter: „Diesem Arbeitskreis sollen Fachleute aus den Bereichen Handwerk, Versicherungswesen, Brandschutz sowie kompetente und sachkundige Personen aus Gruppen und Institutionen, die mit dem Thema Fachwerk und Brandschutz vertraut sind, angehören.“ Der Arbeitskreis solle umgehend eingerichtet werden. Die SPD-Fraktion werde einen entsprechenden Antrag in die nächste Ratssitzung einbringen.

Der SPD-Fraktion und der Gruppe Die Grünen/Münden aktiv geht es mit ihren Vorschlägen darum, den Hauseigentümern und Bewohnern konkrete Brandschutzmaßnahmen zu nennen. Im Ergebnis sollen Eigentümer von Fachwerkhäusern „Ideen und Vorschläge an die Hand bekommen, wie sie ihr Eigentum durch Vorsorgemaßnahmen schützen können. Diese können baulicher oder auch versicherungstechnischer Art sein. Ein Augenmerk muss auch auf geeignete Materialien für Bau, Restaurierung und Ausstattung gerichtet werden“, schreibt SPD-Ratsfrau Nortrud Riemann.

Dr. Hermann Dreyer von den Grünen weist im Schreiben der Ratsgruppe darauf hin, dass es problematisch sei, dass man viele Brandschutzmaßnahmen im Bestand nicht „anordnen“ könne. „Hier versagt die Niedersächsische Bauordnung NBauO. Sie ist primär auf Massivbauten ausgelegt und berücksichtigt nicht die dichte Bebauung einer historisch gewachsenen Stadt, wie wir sie nicht nur in Münden, sondern auch in Hedemünden vorfinden. Hier müssen wir erreichen, dass die NBauO zeitnah erweitert wird, denn nur so kann sich eine Verpflichtung für vorsorgenden Brandschutz im Altbaubestand ergeben“, so Dreyer.

Lena Kürschner, Fraktionsvorsitzende der Gruppe Grüne/Müna kommt zu dem Ergebnis: „Wir können momentan aufgrund der rechtlichen Situation vieles nur über Appelle an die Hausbesitzer und Mieter erreichen. Aber selbst das wäre schon ein wirksamer Schritt zu mehr Sicherheit.“ In ihrem Maßnahmenkatalog ruft die Gruppe Grüne/Müna Eigentümer unter anderem dazu auf, die Elektro-Installationen überprüfen zu lassen. Jedes Auto müsse alle zwei Jahre zum Tüv, um eine Gefährdung für die Allgemeinheit auszuschließen. Bei Häusern gebe es keine regelmäßige Überprüfung, obwohl gerade alte Elektro-Installationen eine große Gefahrenquelle darstellen können. „Ein Drittel aller Brandursachen geht von der Elektrizität aus“, heißt es in dem Maßnahmenkatalog. Oft seien die Elektroinstallationen in Altbauten „uralt“.

Die Ermittlungen der Polizei zu den jüngsten Großbränden in Hann. Münden ergaben, dass sowohl das Feuer im März 2020 in einem Haus an der Tanzwerderstraße, als auch der Brand Anfang November vermutlich durch technische Defekte ausgelöst wurden. Wie das Feuer vor anderthalb Wochen am Aegidiiplatz entstanden ist, ist noch unklar. Um eine Übersicht darüber zu bekommen, wie Brände entstehen, schlagen Grüne und Müna zudem vor, die Ursachen systematisch zu erfassen.

Schnell umsetzbar könnte der Vorschlag sein, dass die Stadtverwaltung allen interessierten Fachwerkhausbesitzern eine kostenlose oder kostengünstige Brandverhütungs-Inspektion anbietet, bei der ein Sachverständiger vor Ort konkrete Tipps gibt, wie das Haus mit einfachen Maßnahmen sicherer gemacht werden könne. Fragen zum Brandschutz beantwortet aber auch die Feuerwehr. Stadtbrandmeister Dieter Röthig weist darauf hin, dass die Feuerwehr anbiete, Gebäude auf Gefahrenstellen hin zu inspizieren.

Das gelte auch für das Anbringen von Rauchmeldern. Diese Beratung gehöre zu den Aufgaben der Feuerwehr.

(Ekkehard Maass)

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