B 80 zwischen Münden und Gimte Ende Mai wieder frei 

Staus in Hann. Münden: Ampel wird jetzt per Hand geschaltet  

+
Hat alles unter Kontrolle: Sebastian Kohlmann von der Firma B.A.S. Verkehrstechnik AG achtet darauf, dass es am Vogelsang nicht zu langen Staus kommt. Im grauen Kasten befindet sich die automatische Ampelsteuerung, die er per Fernbedienung ansteuern kann. 

Hann. Münden. Ampel-Handschaltung bringt Verbesserung der Verkehrssituation in Hann. Münden. B 80 in Münden oberhalb der Weserumschlagstelle wieder frei.

Wer eine ungünstige Phase erwischte, der stand mit dem Auto mitten in Hann. Münden schon einmal eine dreiviertel Stunde im Stau: Die Baustelle Kreisverkehrsplatz am Vogelsang und die Hangbaustelle an der B 80 oberhalb der Weserumschlagstelle haben die Mündener Innenstadt in die Zange genommen.

Sie engen den Verkehrsfluss an zwei wichtigen Stellen ein: Die Baustelle Vogelsang ist mit ihrer Ampelregelung das Nadelöhr zwischen dem Wohngebiet mit 7000 Einwohnern und der Innenstadt, die Hangbaustelle, inzwischen immerhin als Einbahnstraße offen, leitet zusätzlich Autos in den belasteten Kreuzungsbereich am Feuerteich. Polizei und Stadtverwaltung haben verschiedene Szenarien durchgespielt, um den Verkehr flüssiger zu machen. Fazit: Eine manuell gesteuerte Baustellenampel ist das einzige, was hilft.

Am frühen Morgen, in der Mittagspausenzeit und dann wieder zwischen 15 und 18 Uhr, da aber mit sehr unterschiedlicher Intensität, rollt besonders viel Verkehr durch die Mündener Innenstadt, erläuterten Jürgen Liebrecht, Bereichsleiter Sicherheit und Ordnung, und Martin Böhmer, Sachbearbeiter der städtischen Verkehrsbehörde. Zu den Stoßzeiten wird die Baustellen-Ampel jetzt von Hand geschaltet. Der Bediener kann exakt so viele Autos durchlassen, wie auf der Kasseler Straße auch weiterfahren können - ohne im nächsten Stau stecken zu bleiben. Von 7 bis 18 Uhr sei jetzt immer jemand an der Baustelle, der bei Bedarf die Handschaltung übernehmen könne. Diese erfordere viel Fingerspitzengefühl, pendele sich aber langsam ein. Auch die Polizei schaue regelmäßig an der Baustelle vorbei, bereit, im Notfall den Verkehr zu regeln.

Ampeln an drei Stellen: Der Verkehr wird per Ampelschaltung an der Kreiselbaustelle Vogelsang vorbeigeleitet. Das wird auch in der zweiten Bauphase so sein.

Erste Überprüfungen hätten ergeben, dass sich die Wartezeiten erheblich reduziert haben. Bis zur Armesündergasse staute sich der Verkehr zu Stoßzeiten auch ohne Baustelle. Vor rund acht Wochen war Baubeginn für den Kreisverkehrsplatz am Vogelsang in Hann. Münden, seitdem stöhnen Verkehrsteilnehmer über Staus: Viele meldeten sich bei der Stadtverwaltung und klagten über 30 oder 40 Minuten Wartezeiten, berichtet Liebrecht.

Liebrecht, Böhmer sowie Mike Bause, bei den Kommunalen Diensten Münden (KDM) zuständig für den Tiefbau, erläutern die Situation an der Baustelle: Der Kreisel werde in zwei Hälften gebaut, wie eine geteilte Torte. Bei einer Kreuzung hätte man jeden Einmündungsbereich einzeln bearbeiten können, beim Kreisel gehe das aber nicht. Deshalb blieb nur die Möglichkeit, den Verkehr, durch eine Ampel geregelt, einspurig an der Baustelle vorbeizuleiten. Auch die Einmündung Philosophenweg wird mit einer Ampel geregelt.

Die fest programmierte Schaltung wurde mit dem Verkehrsaufkommen nicht fertig, daher setzt die zuständige Staufenberger Firma Baustellen-Absperr-Service (B.A.S.) Verkehrstechnik AG nun Personal vor Ort ein, das die Ampel von Hand steuert.

In Stausituationen ist jeweils ein Mitarbeiter am Drücker: Per Steuergerät kann er die Ampelphasen regulieren, erklärt Sebastian Kohlmann (42). Er ist einer der der B.A.S.-Mitarbeiter vor Ort. Wie ein „kleines Ampelmännchen“, scherzt Kohlmann. Wichtig sei es, neben dem Verkehrsfluss für Pkw, die Flucht- und Rettungswege (über den Philosophenweg) und den Buslinienverkehr zu gewährleisten, so der Mann aus Reinhardshagen. Die großen Stoßzeiten erlebe er vor allem um gegen 14 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr.

Aktuell befinde sich die Ampelschaltung noch in einer Testphase, die zwei Wochen dauere, erläutert Markus Wille (46), Niederlassungsleiter von B.A.S. Staufenberg. Es seien zwei Mitarbeiter in Wechselschicht im Einsatz, ein Dritter ist Springer. Anhand der Beobachtungen in den nächsten zwei Wochen wird entschieden, ob und wie das „Programm Handsteuerung“ verändert wird, so Wille. Dabei spiele auch eine Rolle, wie sich die aktuellen Baustellen im Stadtgebiet entwickelten, unterstrich Sebastian Kohlmann vor Ort. „Wir sind auf einem guten Weg, sagt Markus Wille.

Der Mitarbeiter kann individuell so viele Fahrzeuge je Richtung durchlassen, wie auch weiterfahren können. Das funktioniert aber nur, wenn keiner noch eben schnell bei Rot durchfährt, so Böhmer.

Immer wieder beobachte er ungeduldige Fahrer, die trotz roter Ampel noch weiterfahren. Das aber sei kontraproduktiv, weil dann ein Stück weiter wieder genau wieder die Verwirrung entsteht, die den Verkehrsfluss blockiert. Und diese Rot-Fahrer seien nicht zu steuern. 

Fragen und Antworten

Drei Baustellen behindern den Verkehr, der durch Hann. Münden fließt. Fragen dazu beantworteten Jürgen Liebrecht, Bereichsleiter Sicherheit und Ordnung, Mike Bause, bei den Kommunalen Diensten Münden (KDM) zuständig für den Tiefbau, und Martin Böhmer, Sachbearbeiter der städtischen Verkehrsbehörde.

Wie lange wird an den drei großen Straßenbaustellen noch gearbeitet?

Die Zeitpläne sehen wie folgt aus - immer unter der Voraussetzung, dass es keine Überraschungen gibt:

• Die Hangsicherung an der B 80 oberhalb der Weserumschlagstelle ist abgeschlossen, die Prallschutzwand abgebaut, jetzt muss noch die Fahrbahn saniert werden. Ende Mai soll alles wieder frei sein.

• Kreiselbaustelle Vogelsang: Bauphase eins läuft bis Ende Juli, dann ist bis Ende Oktober die andere Kreiselhäfte an der Reihe.

• Die Hangsicherung an der B 80 Höhe „Letzter Heller“ soll Mitte Juni abgeschlossen sein.

Hätte man mit der Hangbaustelle zwischen Münden und Gimte nicht früher beginnen können, damit die beiden Großbaustellen nicht zum Verkehrsinfarkt führen?

Die Vorbereitungen für die Sanierung lagen bei der Straßenverkehrsbehörde in Bad Gandersheim und hatten sich in die Länge gezogen.

Wieso geht man nicht in kleineren Abschnitten an den Kreiselbau heran?

Im Gegensatz zu einer Kreuzung kann der Kreisverkehr nur in zwei Abschnitten gebaut werden. Am Standort Vogelsang kommt hinzu, dass auch der Höhenunterschied ausgeglichen werden muss, der Kreisel liegt wie ein schiefer Diskus am Hang.

Warum schaltet man nicht eine „grüne Welle“, damit der Verkehr besser abfließt?

Diese müsste sich über die Kreuzung Feuerteich und die Ampeln zu beiden Seiten der Pionierbrücke ziehen und hätte nur dann einen positiven Effekt, wenn es eine eindeutige Hauptrichtung gäbe. Mit dem Verkehr aus Richtung Bahnhof aber gibt es eine zweite vielbefahrene Straße. Diese müsste man zugunsten einer grünen Welle auf der Kasseler Straße und Fuldabrückenstraße benachteiligen - was neue Probleme schaffen würde.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.