Ver.di-Mitglieder demonstrieren auf dem Kirchplatz

Kampf der Sozialarbeiter in Hann. Münden

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„Soziale Arbeit gibt es nicht für ’nen Appel und ’nen Ei“: Sozialarbeiter aus dem Landkreis Göttingen machten in Hann. Münden auf ihre Arbeitssituation aufmerksam.

Hann. Münden. „Soziale Arbeit gibt es nicht für ’nen Appel und ’nen Ei“ - unter diesem Motto machten Sozialarbeiter in Hann. Münden auf ihre Arbeitssituation aufmerksam.

Wenn Kindertagesstätten nicht öffnen, weil die Mitarbeiter streiken, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewiss. Doch von den Tarifverhandlungngen im Sozial- und Erziehungsdienst betroffen sind auch alle, die in der Sozialarbeit tätig sind.

So machten Mitglieder der Gewerkschaft Ver.di am Dienstag auf dem Kirchplatz in Hann. Münden auf die Arbeitssituation aufmerksam. Sie kamen aus den unterschiedlichsten sozialen Berufen des Landkreises Göttingen, vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) bis zur aufsuchenden und offenen Jugendarbeit und den Kinder- und Jugendbüros.

„Soziale Arbeit gibt es nicht für ’nen Appel und ’nen Ei“ lautete das Motto, unter dem sie Äpfel und Eier verteilten. Dabei sei die Bezahlung nur ein Aspekt, um den es ihnen gehe, macht eine ASD-Mitarbeiterin deutlich: In ihrem Arbeitsbereich gebe es eine hohe Arbeitsbelastung und viele Burnout-Fälle.

Mehr Wertschätzung durch den Arbeitgeber und die Öffentlichkeit würde sie sich wünschen. Und: eine Fallbegrenzung im ASD sowie Änderungen in der Rufbereitschaft. Bisher wechsele die Rufbereitschaft wöchentlich. Dann habe ein Kollege oder eine Kollegin jeweils von 16 Uhr bis 8.30 Uhr Bereitschaft für den gesamten Landkreis in Sachen Kindeswohlgefährdung. „Wir müssen dann rausfahren zu den Familien und wissen nicht, was uns erwartet. Manchmal ist die Polizei noch da, manchmal aber auch nicht.“ Überall sonst, wenn es um derart brenzlige Situationen geht, gehen sicherheitshalber zwei Personen raus. Außerdem müssten die ASD-Mitarbeiter ihre privaten Pkw benutzen, „darüber sind wir identifizierbar“.

Und auch dort, wo die soziale Arbeit im Vorfeld verhindern soll, dass eine intensive Betreuung überhaupt notwendig wird, gäbe es einiges zu verbessern. Eine Kollegin vom Pflegekinderdienst berichtet, dass sie mit einer Vollzeitstelle 30 bis 40 Familien zu betreuen hat - zu viele, denn die Kinder kämen oft schon mit großen Problemen in die Familien. Die Familien müssten gut begleitet werden, schon jetzt sei es ohnehin zunehmend schwierig, Pflegefamilien zu finden.

Für die Vormundschaften gebe es die gesetzliche Fallhöchstgrenze von 50, die aber nicht eingehalten werde. Betreut werden auch unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, die traumatisiert hier ankämen, beschreiben es die Frauen weiter. Ihre Aufgaben seien Kräfte zehrend und verantwortungsvoll, dabei psychisch sehr belastend, da man es oft mit emotionalen Ausnahmesituationen zu tun habe. Der Arbeitstag sei nicht planbar, weil die Notfälle keine Rücksicht auf Arbeitszeiten nehmen. All das, so die Forderung der Streikenden, müsse sich in der Bezahlung, den Arbeitsbedingungen und der Wertschätzung niederschlagen.

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