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Kartoffelwasser für den Acker: Landwirt setzt neuartige Düngemethode ein

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Von: Per Schröter

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Seine Felder rund um das Mielenhäuser Wasserhäuschen (im Hintergrund) hat Landwirt Marc Böttcher erstmals mit ökologisch völlig unbedenklichem Kartoffelfruchtwasser gedüngt.
Seine Felder rund um das Mielenhäuser Wasserhäuschen (im Hintergrund) hat Landwirt Marc Böttcher erstmals mit ökologisch völlig unbedenklichem Kartoffelfruchtwasser gedüngt. © Per Schröter

Ein Landwirt aus Hann. Münden (Kreis Göttingen) rund 155 Hektar Ackerfläche nach streng ökologischen Maßstäben. Kartoffelwasser ist der Dünger, den er vorzieht.

Mielenhausen – Weil ein Teil dieser Flächen in der Wasserschutzzone II liegt und diese damit besonders strengen Vorschriften unterliegen, greift er bei der Düngung jetzt auf eine in der Region noch weitgehend unbekannte Methode zurück.

Potato Protein Liquid (PPL) heißt das Nebenprodukt der Kartoffelstärkeherstellung, das er in diesem Jahr erstmals als Düngemittel einsetzt. „Das Kartoffelfruchtwasser entsteht, wenn die Kartoffeln bei der Stärkeherstellung ausgedrückt werden und ist damit ein reines Naturprodukt“, sagt Marc Böttcher.

Landwirt in Hann. Münden (Kreis Göttingen): Umstellung des Betriebs vor vier Jahren

Nach der Umstellung seines Betriebes von konventionellem auf ökologischen Anbau vor vier Jahren hatte der Landwirt seine rund um das Mielenhäuser Wasserhäuschen und damit in der Wasserschutzzone II gelegenen Ackerflächen (rund 35 Hektar) mit Leguminosen wie Kleegras gedüngt. „Das ist auf Dauer jedoch nicht möglich, deshalb musste ich mich nach etwas anderem umschauen“, sagt er.

Bei der Suche geholfen hat ihm Ingenieur Felix Meier-Söffker vom Ingenieurbüro Geries in Reinhausen (Gemeinde Gleichen), das seit vielen Jahren die Landwirte der Region im Bereich Gewässerschutz berät und als Vermittler zwischen den Wasserversorgern und den Landwirten agiert.

„Direkt an Trinkwasserbrunnen wie hier in Mielenhausen ist es nicht erlaubt, mit hygienisch bedenklichen Wirtschaftsdüngern wie Hühnertrockenkot oder Gärrest zu arbeiten“, sagt Meier-Söffker.

Marc Böttcher Landwirt
Marc Böttcher Landwirt © Per Schröter

Landwirt in Hann. Münden: Doppelt so hohe Kosten als Nachteil von innovativer Düngemethode

Grund dafür sei, dass Keime wie E.coli-Bakterien ins Grundwasser einsickern und so das Trinkwasser verschmutzen könnten. „Laut Trinkwasserverordnung müssen besonders im sensiblen Bereich der Wasserschutzzone II mögliche bakterielle Verunreinigungen in jedem Fall vermieden werden“, sagt der Experte.

„PPL ist ein rein organisches Düngemittel, das hygienisch unbedenklich ist und somit hier auch eingesetzt werden kann“, sagt Marc Böttcher. Das Kartoffelfruchtwasser liefere die nötigen Nährstoffe wie Stickstoff und Kalium, die seine Pflanzen zum Wachstum brauchen, enthalte aber keine Keime und andere Schadstoffe, die das Grundwasser belasten könnten.

Ein großer Nachteil sei der Preis. „PPL ist etwa doppelt so teuer wie Mineraldünger“, so Böttcher. Obwohl es im Vergleich zu anderen organischen Düngern finanziell „noch das Verträglichste“ sei, könne er es aus betriebswirtschaftlicher Sicht dennoch nur dort einsetzen, wo es unbedingt erforderlich ist.

Kartoffelwasser als Düngemittel: Wasserqualität bleibt gut

Der besondere Dank des Landwirts und seines Beraters Felix Meier-Söffker geht an den Betreiber des Mielenhäuser Trinkwasserbrunnens, die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM) und deren technischen Leiter Stefan Beer. „Die Kooperation mit den Versorgungsbetrieben klappt seit Jahren vorbildlich und wir werden von dort immer bestens unterstützt“, betont Meier-Söffker.

Dass die Wasserqualität des Mielenhäuser Brunnens dauerhaft von gleichguter Qualität bleibt (aktuell liegt der Nitratwert gerade einmal bei 9.6 Milligramm pro Liter und damit deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter), ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil von dort neben Mielenhausen auch Scheden, Hemeln und bei Bedarf noch weitere Ortschaften mit Trinkwasser versorgt werden. (Per Schröter)

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