Junge Frau moderiert bald Sendung bei Sport1

Multiple Sklerose: Kim Hansmann kämpft weiter

Immer Kontakt: Per Internet und auch persönlich ist Kim Hansmann Ansprechpartnerin für Jugendliche und Kinder, die wie sie an Multiple Sklerose leiden. Ihre Homepage heißt: kinderundjugendlichemitms.de Foto: Maaß

Benterode. Wer Multiple Sklerose hat, muss sein Leben der heimtückischen Krankheit anpassen. Kim Hansmann will aber allen zeigen, dass es dennoch schön sein kann.

Kim Hansmann kämpft den Kampf ihres Lebens - für sich, für ihre Mutter und für viele andere Kinder und Jugendliche. Der Gegner heißt MS - Multiple Sklerose. Sie war acht Jahre alt, als sich die heimtückische Krankheit bei ihr zum ersten Mal zeigte.

Als sie eines Morgens aufwachte, spürte sie ihre rechte Hand nicht mehr und konnte die Faust nicht mehr öffnen. Die Untersuchungen ergaben: Auch sie hatte wie ihre Mutter Multiple Sklerose. „Du hast das Gleiche wie Mama“, sagte damals ihr Papa zu ihr. Heute ist Kim Hansmann 18 Jahre und will allen zeigen - vor allem jungen Menschen, die ebenfalls eine MS-Diagnose erhalten haben, dass das Leben dennoch schön sein kann.

Das erste Aufflammen

Das erste Aufflammen der Krankheit blieb ohne Folgewirkung, bald konnte sie die Hand wieder bewegen. Aber es kamen weitere Schübe, wie das Auftreten von MS genannt wird. Zuletzt im vergangenen Jahr. Sie war so schwach, dass sie das Haus nicht mehr verlassen konnte, einmal wurde sie sogar ohnmächtig. Es folgte eine Reha. Dafür musste sie ihre Ausbildung zur Bürokauffrau unterbrechen.

Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu körperlichen Ausfällen wie Sehstörungen, Muskelschwäche, Lähmungen und Krämpfen führen kann. Sie können auch wieder ganz oder teilweise verschwinden.

Auch wenn man Kim Hansmann die Krankheit nicht sofort anmerkt, sie ist für sie immer gegenwärtig. Seit 2012 ist sie zu 50 Prozent schwerbehindert. „Es ist wie bei einem Boxkampf. Wenn ich meine Deckung runter nehme, kann die Krankheit voll zuschlagen.“ Sie nimmt nicht nur Medikamente - derzeit hat sie sie aber abgesetzt, sondern achtet auch darauf, dass sie Ruhepausen einlegt. Länger als eine halbe Stunde kann sie nicht stehen. Ihre Freunde wissen das und helfen ihr.

„Es ist wie bei einem Boxkampf. Wenn ich meine Deckung runter nehme, kann die Krankheit voll zuschlagen.“

Im Moment, sei sie glücklich und zufrieden, „weil ich weiß, dass MS noch anders zuschlagen kann.“ Dabei denkt sie an ihre Mutter. Die 43-Jährige leidet seit über 20 Jahre an MS. Sie sitzt im Rollstuhl, zeitweise war sie erblindet.

Sorge um ihre Mutter 

„Meine Schübe sind mit denen meiner Mutter nicht zu vergleichen“, sagt sie. „Mama ist mein Sorgenkind.“ Es kommt zwar ein Pflegedienst, ihre Mutter hat die Pflegestufe zwei, aber sie braucht bei vielen alltäglichen Dingen auch Kims Hilfe. „Ich stehe ihr bei“, sagt Kim. „Ich weiß, dass ich stark genug bin.“ Und sie will auch ihren Vater entlasten.

Der 51-Jährige arbeitet als Qualitätsmanager in Kassel und kümmert sich nach Feierabend um die Familie und kocht. Er versuche alles, damit es der Familie gut gehe. „Und das ist nicht leicht bei zwei Mal MS in der Familie“, sagt Kim. Zur Familie gehört weiter ihr Bruder Niko (15). Auch für ihn war und ist sie immer da, hilft ihm etwa bei den Hausaufgaben.

Kämpferin gegen MS ist Kim aber nicht nur in der eigenen Familie. Sie hat eine eigene Homepage für Kinder und Jugendliche mit Multiple Sklerose, auf der sie über sich erzählt, über MS aufklärt und Hilfen für das Leben mit der unberechenbaren Krankheit anbietet. Und auch über Facebook ist sie erreichbar.

Am Welt MS Tag 2014 der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft beteiligte sie sich mit einem T-Shirt mit der Aufschrift: „Mein Leben mit MS wäre leichter, wenn ich wüsste, dass alle den Mut haben, dagegen zu kämpfen.“

Zur Person

Kim Hansmann (18) lebt mit ihren Eltern und ihrem 15-jährigen Bruder in Benterode. Dort ist sie auch aufgewachsen. Nach der Grundschule besuchte sie unter anderem die Hauptschule am Botanischen Garten in Hann. Münden und bis März 2015 die Berufsbildenden Schulen Münden. Danach begann sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau, die sie aber wegen ihrer Krankheit unterbrochen hat.

Ab September moderiert sie das neue Jugendmagazin Yoin des Fernsehsenders Sport 1. Auch dort sind Kinder und Jugendliche mit Behinderungen ihr großes Thema.

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