Kinder lernen Selbstschutz: Polizei und Grundschule arbeiten zusammen

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Demonstration: Die Polizeikommissare Daniel Cohrs, Kristina Stecher, und Finja Wolany übernahmen das Training in dieser Woche zusammen mit Darragh Ulbricht, der gerade Baran und Ole zeigt, wie sie sich aus dem Griff eines anderen befreien können.

Hann. Münden. „Stop!" Ein einzelnes Wort mit starker Stimme und Nachdruck gesprochen, dazu eine abwehrende Handbewegung: Diesen ersten Schritt zur Konfliktvermeidung lernen 47 Viertklässler der Grundschule am Wall während eines Projekts, das sich mit fairem Miteinander, Gewaltprävention und Selbstverteidigung beschäftigt.

Es ist eine Kooperation zwischen der Polizei und der Grundschule und läuft bereits seit Anfang des Schuljahres. Neben Mathe, Deutsch und Sachkunde lernen die Mädchen und Jungen der beiden vierten Klassen während ihres letzten Jahres an der Grundschule auch Selbstverteidigung und wie sie entstehenden Konflikten aus dem Weg gehen können.

Die Zusamenarbeit besteht insgesamt bereits seit sieben Jahren. „Das Gewaltpräventionskonzept selbst beginnt aber schon in der ersten Klasse“, berichtet Schulleiter Manfred Karges.

„Viele Schüler unterschiedlicher Kulturkreise, die verschiedene Vorstellungen davon haben, wie man miteinander umgeht, besuchen die Grundschule am Wall“, so Karges weiter. Seit es das Projekt für ein faires Miteinander gibt, sei die Zahl der Raufereien auf dem Schulhof deutlich zurück gegangen, weiß der Schulleiter.

„Wenn es doch einmal zu einer Auseinandersetzung kommt, gehen die Schüler wesentlich fairer miteinander um. Sie haben gelernt, dass Gewalt keine Lösung ist und holen sich Hilfe bei Erwachsenen“, so der Schulleiter.

Zu Beginn des Schuljahres gab es mit Beamten der Innenstadtwache Hann. Münden einen kleinen Workshop, in dem es um das Thema Körperverletzung und Beleidigung ging und darum, wie sich die Kinder verbal wehren und im besten Fall eine körperliche Auseinandersetzung vermeiden können.

„Die Kinder lernen, dass der körperliche Kontakt das letzte Mittel ist.“

Da die Schüler diese Vernunft außerhalb des Schulhofes aber nicht immer von ihrem Gegenüber erwarten können, lernen sie auch, sich körperlich zu verteidigen. Damit sie wissen, was sie im Falle eines Angriffs zu tun haben, trainieren Kommissare der Bereitschaftspolizei aus Göttingen wöchentlich mit den Schülern.

Die beiden vierten Klassen wechseln sich mit dem Training ab. „Die Kinder lernen, dass der körperliche Kontakt das letzte Mittel ist“, erklärt Polizeikommissar Darragh Ulbricht. „Zuerst gibt es die verbale Abwehr, danach den Versuch, sich Distanz zu verschaffen und erst zum Schluss die eigentliche Selbstverteidigung. Dabei gibt es keine aktiven Angriffe, sondern ausschließlich Reaktionen auf den Angreifer, um sich selbst zu schützen“, erklärt Ulbricht. Das Training stärkt das Selbstbewusstsein der Schüler und baut gleichzeitig eine Vertrauensbasis zur Polizei auf. (zwh)

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