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Kinderpornografie verbreitet: Haft auf Bewährung für Mündener

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Von: Ekkehard Maass

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Kampf gegen Kinderpornografie: Eine Kriminaloberkommissarin wertet Daten am Polizeicomputer aus. Zuletzt waren die Fallzahlen im Bereich von Kinder- und Jugendpornografie gestiegen. ARCHIV
Kampf gegen Kinderpornografie: Eine Kriminaloberkommissarin wertet Daten am Polizeicomputer aus. Zuletzt waren die Fallzahlen im Bereich von Kinder- und Jugendpornografie gestiegen. ARCHIV © Archiv-Foto: Arne Dedert/dpa

Weil er kinderpornografische Bilder besessen und verbreitet hat, musste sich ein 47-Jähriger nun vor dem Mündener Amtsgericht verantworten

Hann. Münden – Das Amtsgericht Hann. Münden hat gegen einen 47-jährigen Familienvater aus Hann. Münden einen Strafbefehl wegen Verbreitens und Besitzes kinder- beziehungsweise jugendpornografischer Schriften erlassen. Darin wird für die Verbreitung von kinderpornografischen Dateien in zwei Fällen, es handelt sich um insgesamt fünf Bilder, und den Besitz von rund 200 kinderpornografischen und rund 900 jugendpornografischen Bilddateien eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung festgelegt.

Die Bewährungszeit, in denen der Angeklagte keine Straftat begehen darf, beträgt drei Jahre. Zudem muss der Mann 2400 Euro in monatlichen Raten von 100 Euro an den Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ in Hann. Münden bezahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Angeklagte hatte über seinen Anwalt zuvor auf die Rückgabe seiner Handys und Computer verzichtet, die bei der polizeilichen Durchsuchung sichergestellt oder beschlagnahmt worden waren. Der 47-Jährige, der inzwischen erfolgreich eine Therapie absolviert hat, war zuvor strafrechtlich noch nie in Erscheinung getreten. Ermittlungen über das Internet haben auf die Spur des Mannes geführt. Staatsanwaltschaft und Gericht hatten sich auf die Form des Strafbefehls geeinigt, nachdem der Angeklagte zur festgesetzten Hauptverhandlung nicht erschienen war und sich nur durch seinen Rechtsanwalt vertreten ließ. Da er die Taten, deretwegen der Strafbefehl erlassen wurde, im Jahr 2019 begangen hat, richtet sich das Strafmaß nach der damals gültigen Rechtslage, wonach die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft wurde. Im Juli 2021 hat der Gesetzgeber den Paragraphen 184 b geändert. Nun kann das Gericht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren verhängen. Nach dem Strafgesetzbuch handelt es sich um Kinderpornografie, wenn die Bilder oder Videos (Schriften) sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter vierzehn Jahren, die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung oder die sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder des unbekleideten Gesäßes eines Kindes zum Gegenstand haben. Schon der Besitz ist strafbar.

Die Fallzahlen im Bereich von Kinder- und Jugendpornografie steigen. Im Jahr 2021 haben sie sich nahezu verdoppelt. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Göttingen für das Jahr 2021 hervor, für 2022 gibt es bisher noch keine veröffentlichten Zahlen.

Ein Großteil der Taten (81 Prozent) sei unter Nutzung des Internets begangen worden. „Und es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen noch weiter steigen werden.“ Die Polizei sehe die Bekämpfung dieser Kriminalitätsform deshalb ganz klar als einen Schwerpunkt an, heißt es im Bericht zur Kriminalstatistik. Ursachen für den Anstieg sieht die Göttinger Polizei in einer deutlich verstärkten Anzeigebereitschaft und einer weltweit optimierten Internetauswertung.

„Eine Vielzahl der Hinweise auf Kinderpornografie kommen vom US-amerikanischen National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Diese Hinweise mit Deutschlandbezügen übermittelt das NCMEC dem Bundeskriminalamt“, so der Bericht weiter. Von dort erfolge die schnellstmögliche Weiterleitung der Hinweise über das LKA an die zuständigen Dienststellen in den jeweiligen Bundesländern, wie zum Beispiel die Polizeiinspektion Göttingen.

2021 seien 160 Fälle im Bereich von Kinderpornografie gezählt worden, 2020 seien 108 Fälle statistisch erfasst worden. „Kinderpornografie ist eine schwere Straftat mit lebenslangen physischen und seelischen Folgen für die Opfer. Wir als Polizei Göttingen tun deshalb alles, um einen möglicherweise andauernden Missbrauch frühzeitig zu erkennen und zu verhindern“, wird Oliver Tschirner, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, zitiert. (Ekkehard Maass)

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