Kita-Kinder stellen Fragen zum Tod: Warum tragen alle schwarz?

Sie hatten viele Fragen zum Thema Trauer: Einige der Kinder, hier mit Ina Kirchner (links) und Angelika Ohlemacher (rechts), mit dem Baum der Erinnerungen, einer Kerze und einem Kreuz. Foto: Siebert

Hedemünden. Die Kinder der DRK-Kita Hedemünden haben sich mit den Themen Tod und Trauer beschäftigt und dabei Fragen gestellt, die man als Erwachsener nicht unbedingt erwartet hätte.

Zum Beispiel: Warum steht auf dem Grabstein etwas drauf? Wer tot ist, kann doch gar nicht mehr lesen. Warum ist es in der Friedhofskapelle so kalt und dunkel? Wieso tragen die Leute alle schwarze Kleidung? Was ist beerdigen? Und: Warum dürfen Bagger auf den Friedhof?

„Die Kita liegt direkt neben dem Friedhof, jede Trauerfeier und jede Beerdigung schränkt die Kinder beim Spielen im Freien ein. Da sind oft Fragen aufgetaucht, so dass wir nach den Sommerferien dieses Thema aufgegriffen haben“, sagt die Kita-Leiterin Ina Kirchner. Außerdem waren einige Kinder durch Trauerfälle selbst betroffen.

Ausgeweitet wurde das Thema aber auch um generelle Abschiede oder Verluste: Mein Freund zieht weg. Meine Freundin kommt in die Schule, ich noch nicht. Meine Erzieherin wechselt die Stelle. Meine Eltern trennen sich. Mein Haustier ist gestorben.

Alle 50 Mädchen und Jungen, einschließlich der Krippenkinder, und die zehn Erzieherinnen sowie Hedemündens Pastorin Angelika Ohlemacher haben sich bis Totensonntag damit beschäftigt. Nicht jeden Tag, aber immer regelmäßig. „Es war für uns ein großes Projekt mit vielen Aktionen“, so Kirchner.

Die Erzieherinnen haben mit den Kindern Bilderbücher betrachtet, eine Gesprächsrunde mit Vertretern vom Hospizverein Alpha hat stattgefunden, ein Rundgang über den Friedhof und ein Besuch in der Friedhofskapelle standen an, dort wurden Teelichter in Form eines Kreuzes angezündet.

Und dann ging es sogar bis nach Kassel: Kinder und Erzieherinnen besuchten dort das Museum für Sepulkralkultur.

Viele der Fragen hat Angelika Ohlemacher beantwortet. Dazu erzählte sie eine Geschichte vom Erinnerungsbaum, der im Wald nach dem Tod eines Fuchses wuchs, während sich die anderen Tiere an die schönen Erlebnisse mit dem Fuchs erinnerten. Dazu brachte sie einen kleinen Baum der Erinnerung mit, der im Kita-Garten eingepflanzt wird und mit schönen Erinnerungen mit Menschen oder Tieren, die von den Kindern vermisst werden, wachsen wird.

Kinder trauern anders

Kinder trauern anders als Erwachsene. Doch Ina Kirchner ist sich sicher, dass die Kinder das Thema gut verarbeitet und verstanden haben. Oft hätten Eltern Hemmungen und ängstigen sich davor, mit ihren Kindern über Tod und Abschied zu sprechen. Auch das war ein Grund, dass sich die Erzieherinnen der Kita diesem ungewöhnlichen Thema gestellt haben. (zpy)

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