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Mündener Kläranlagen fehlt die Chemie

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Von: Ekkehard Maass

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Kläranlage Hann. Münden: In vielen Schritten wird hier aus stark verschmutztem Wasser wieder flusstaugliches Wasser.
Kläranlage Hann. Münden: In vielen Schritten wird hier aus stark verschmutztem Wasser wieder flusstaugliches Wasser. © Siebert, Petra

Die Klärwerke in der Region kämpfen mit Lieferengpässen bei Chemikalien für die Reinigung des Abwassers.

Altkreis Münden – Weil es an sogenannten Fällmitteln mangelt, die Klärwerke zur chemischen Reinigung des Abwassers benötigen, geraten die Betreiber in der Region unter Druck.

Wegen der hohen Energiekosten wird seit Monaten weniger Salzsäure produziert. Dadurch kommt es auf dem Markt zu Lieferengpässen bei Eisen(III)-chlorid, das zur Bindung von Phosphat benötigt wird, um es dann über den Klärschlamm beseitigen zu können. Die Mündener Stadtentwässerung setzt wie die meisten Betreiber von Kläranlagen diese chemische Verbindung als Fällmittel ein, „um innerhalb des Reinigungsprozesses Phosphat aber auch bei der Schlammfaulung Schwefelwasserstoff zu binden“, so Joachim Spiegler, Leiter der Stadtentwässerung. Bisher sei es gelungen, alle gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Die Zugabe des Fällmittels sei soweit reduziert worden, dass die Grenzwerte gerade noch sicher eingehalten werden konnten.

So habe das Mittel bis Mitte November gereicht, danach sei dann ein Eisen-/Aluminiumgemisch als Ersatzfällmittel eingesetzt worden. Spiegler geht davon aus, dass ab Februar in begrenztem Umfang die Lieferung von Eisen(III)-chlorid wieder möglich sein werde. Die Stadtentwässerung habe die benötigte Menge bereits bestellt. Die Preise seien aber erheblich gestiegen. Betroffen seien in Münden neben der Zentralkläranlage in Gimte auch die Außenkläranlagen in Hedemünden, Glashütte und Bursfelde.

Sollten die Fällmittel aber weiterhin Mangelware bleiben, drohe die Situation, dass das gereinigte Wasser aus den Klärwerken mit erhöhten Phosphatwerten in die Flüsse geleitet werden müsse.

Der Wasserverband Peine, der für das Abwasser in Staufenberg und der Samtgemeinde Dransfeld zuständig ist, ist in einer ähnlichen Situation. Auf den Staufenberger Anlagen in Speele und Uschlag sowie auf der in Dransfeld-Imbsen werde statt eines eisenhaltigen Produkts ein aluminiumhaltiges Fällmittel eingesetzt. „Die vorgegeben Phosphor-Grenzwerte der Einleitung haben alle Kläranlagen verlässlich eingehalten“, teilte Unternehmenssprecherin Sandra Ramdohr mit.

Der seit Monaten andauernde Mangel an wichtigen Chemikalien für die Abwasser-Reinigung führt auch zu drastisch gestiegenen Kosten. Die Kosten für Eisen(III)-chlorid, das als sogenanntes Fällmittel eingesetzt wird, um Phosphat zu binden, habe sich fast verdreifacht, teilte Joachim Spiegler, Leiter der Stadtentwässerung mit.

Inwiefern sich das auf die Abwassergebühren auswirke sei noch nicht klar. Noch werde versucht, die höheren Kosten zu kompensieren und an anderer Stelle zu sparen.

Vom Wasserverband Peine, zuständig für die Gemeinde Staufenberg und die Samtgemeinde Dransfeld, heißt es, dass die Beschaffung von Fällmitteln seit Herbst 2022 deutlich aufwendiger geworden sei. „Die Lieferfristen sind länger, nicht immer sind angeforderte Mengen auch komplett lieferbar und die Preise haben sich für so nachgefragte, knappe Güter deutlich erhöht.“

Zudem sei der Dokumentationsaufwand für den Einsatz der Fällmittel erhöht. Es müsse gemäß Vorgabe des Umweltministeriums laufend dokumentiert werden, welche Lieferengpässe es gibt, auf welche Ersatzprodukte ausgewichen werden könne, welche Ersatzprodukte wie zum Einsatz kommen. Zudem würden die Ergebnisse der Beprobungen auf den Anlagen dokumentiert. Ziel aller Bemühungen sei es, eine Überschreitung der Grenzwerte zu vermeiden. „Eine etwaige Überschreitung muss sofort gemeldet werden, damit mit den Genehmigungsbehörden das weitere Vorgehen abgestimmt werden kann“, so die Sprecherin des Wasserverbandes, Sandra Ramdohr.

„Eine Überschreitung wäre potenziell relevant für die Abwasser-Abgabe – und damit droht deutlicher finanzieller Mehraufwand.“ Da die Abwasserabgaben-Gesetzgebung einen Sonderfall wie die Fällmittelknappheit als Störung nicht kenne, wäre bei einer Überschreitung, die durch die Fällmittelknappheit ausgelöst würde, es eine Ermessensentscheidung der Unteren Wasserbehörde, wie dieser Grenzüberschreitung weiter begegnet werden würde. Bisher, so Ramdohr, hätten alle Kläranlagen die vorgegebenen Phosphor-Grenzwerte der Einleitung verlässlich eingehalten.

Die zusätzlichen Kosten müssten letztlich von den Kunden über den Abwasserpreis bezahlt werden. (Ekkehard Maass)

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