Klaus Burhenne geht von Bord: Interview mit dem scheidenden Mündener Bürgermeister

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Verlässt in Kürze sein Dienstzimmer: Hann.Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne.

Hann. Münden. Stabwechsel in Hann.Münden. Bürgermeister Klaus Burhenne (CDU) wird am Donnerstag, 30. Oktober, verabschiedet, der neue Verwaltungschef Harald Wegener („Gemeinsam für unser Münden") übernimmt und ist ab 1. November im Amt. Axel Welch sprach mit dem scheidenden Bürgermeister.

Herr Burhenne, sind Sie froh oder traurig, dass Sie aus dem Amt scheiden? 

Klaus Burhenne: Weder noch.

Was heißt das genau? 

Burhenne: Ich blicke schon mit großer Dankbarkeit auf 13 Jahre Bürgermeister zurück, dass ich als Einheimischer die Geschicke der Stadt leiten durfte. Nach 13 Jahren braucht die Stadt ein anderes Gesicht.

Die Menschen haben sich an Ihnen gerieben. Sie hatten Widersacher, aber auch Fürsprecher. 

Burhenne: Ich bin vor 13 Jahren angetreten, um mit allen zusammenzuarbeiten. Das ist auch elf Jahre gelungen, in den letzten zwei Jahren hat es nicht mehr funktioniert. Die politische Farbenlehre sollte nun keine Rolle mehr spielen, sonst schadet das der Stadt zunehmend.

Gibt es Fehler während Ihrer Amtszeit, über die Sie sich heute noch ärgern? 

Burhenne: Ich rede nicht von Fehlern, ich sage aber: manches ist gelungen, manches nicht. Viele Dinge in meiner Amtszeit sind unter dem Finanzdiktat gescheitert.

Was konnten Sie nicht umsetzen? 

Burhenne: Ich habe versucht, mit dem Kulturring und dem Lions-Club die jungen Leute in der Stadt zu erreichen, das ist nicht gelungen. Das Geschwister-Scholl-Haus, ein Haus der Generationen, hätte ich gern früher gehabt. Die Innenstadt richtig aufzuhübschen, ist an den finanziellen Bedingungen gescheitert.

Was hat Ihre Amtszeit geprägt? 

Burhenne: Die Wirtschaftsförderung. Die wirtschaftliche Entwicklung Mündens wird immer mit meinem Namen verbunden sein. Es kommen heute ungefähr 700 Menschen mehr zur Arbeit nach Hann.Münden gefahren, als von Münden aus woanders hin zur Arbeit fahren.

Apropos Wirtschaftsförderung. Sie üben deutliche Kritik an der neuen WWS und deren Geschäftsführer Rolf Bilstein. 

Burhenne: Die Kommunikation vonseiten der WWS ist schlecht, es gibt keine Zusammenarbeit, das ist mangelhaft. Ich habe früher mit Herrn Hartung die Verträge mit Unternehmen gemacht, nehmen Sie nur den Autozulieferer Wessels + Müller. Und während die Stadt einen Einstellungsstopp hat, powert die WWS auf.

Was war Ihre größe Leistung als Bürgermeister?

Burhenne: Neben der wirtschaftlichen Entwicklung ist das Programm soziale Stadt für mich eine Erfolgsgeschichte. Dazu kommen beispielsweise noch der interkulturelle Garten und die Entwicklung von Denkmalkunst, die sich prächtig entwickelt hat. Das macht mich stolz. Überhaupt habe ich die Aktivitäten von Herrn Demandt als Macher verschiedener Projekte wie Denkmalkust immer positiv begleitet.

Auch bei den Städtepartnerschaften ziehe ich eine positive Bilanz, nehmen sie beispielsweise den Austausch mit Holon in Israel.

Würden Sie, könnten Sie das Rad zurückdrehen, heute etwas anders machen? 

Burhenne: Ich hätte mehr repräsentieren müssen, das kam in den letzten Jahren zu kurz. Das lag aber auch daran, dass Stellen in der Verwaltung nicht mehr besetzt wurden und ich da in vielen Bereichen Arbeit übernehmen musste.

Herr Burhenne, was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg? 

Burhenne: Nichts. Ich wünsche ihm aber jederzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und ein glückliches Händchen im Interesse unserer Stadt.

Von Axel Welch

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