Erste praktische Erfahrung als Arzt

Klinikum Hann. Münden ist Lehrkrankenhaus der Unimedizin Göttingen

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Verbringen ihr Praktisches Jahr im Klinikum Hann Münden: Die Göttinger Medizinstudenten Hannah Nowack und Sebastian Rosales y Molina mit ihrer Betreuerin Priv.-Doz. Dr. Silke Cameron. 

Frühbesprechung, Visite, Operation, Untersuchungen, Patientengespräche, Sprechstunde – Diesen Arbeitsalltag eines Arztes im alltäglichen Krankenhausbetrieb erfahren Hannah Nowack und Sebastian Rosales y Molina seit Anfang des Jahres im Klinikum Hann. Münden (KHM).

Sie sind Studierende an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im letzten Studienjahr. In diesem sogenannten Praktischen Jahr (PJ) verbringen sie Zeit an verschiedenen Einrichtungen, um sich auf den Berufseinstieg vorzubereiten.

Seit Oktober 2019 gibt es diese Kooperation. Das Projekt hat Silke Cameron angestoßen, die vor ihrer Tätigkeit als Chefärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie in Münden, 15 Jahre lang an der Uniklinik gearbeitet hat. Nun ist sie Betreuerin der Studierenden, die für je vier Monate nach Münden kommen, um einen Teil ihres Praktischen Jahres zu absolvieren.

Um die angehenden Mediziner anleiten zu dürfen, ist es wichtig, dass die Ärzte Lehrerfahrung haben, sowie habilitiert sind, sagt Cameron. In einer kleineren Einrichtung wie dem KHM fänden die PJ-ler andere Krankheitsbilder vor als an einer Uniklinik. „Die Patienten kommen mit einem Beschwerdekomplex zu uns“, sagt die Chefärztin, „in eine Uniklinik werden sie eher mit einer Diagnose eingewiesen“.

Der 29-jährige Sebastian Rosales y Molina kennt sich am KHM bereits bestens aus. Der Mündener hat dort vor seinem Medizinstudium eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert. Wie seine Kommilitonin hat er den Schwerpunkt im KHM auf die Chirurgie gelegt. „Mir gefällt die manuelle Arbeit, der Chirurg ist der Handwerker unter den Ärzten“, sagt Molina. Aber auch die Anästhesie interessiere ihn. Er könne sich vorstellen, am KHM zu arbeiten, wenn Facharztweiterbildungen angeboten werden.

Hannah Nowack sieht ihre Zukunft in der Allgemein- oder Inneren Medizin, weil ihr ein intensiver Patientenkontakt im Beruf wichtig sei. In der Chirurgie arbeite sie nun, weil sie bisher wenig Einblicke in den Bereich erhalten habe. Auf die praktische Arbeit nach sechs Jahren Studium habe sie sich gefreut und „es hat mich nicht abgeschreckt“. Manche Schicksale berühren die 25-Jährige auch langfristig. „Es gibt immer Patienten, an die man sich erinnert.“

„Das KHM ist groß genug, um verschiedene Fachabteilungen zu sehen und klein genug, für ein Familiengefühl unter den Kollegen“, sagt Rosales y Molina. „Das ist ein Unterschied zu einer Uniklinik, wo man der X-te PJler ist“, so Nowack. Die Medizinstudenten dürften bei den Arbeiten der Ärzte assistieren und nach einer Einweisung unter Anleitung selbst tätig werden, sagt Cameron. Sie erinnert sich an ihren Berufsanfang: „Mir haben auch die Patienten beigebracht, wie sie sich einen Arzt vorstellen.“

Das Praktische Jahr am KHM

Die Studenten am KHM erhalten eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro. Die Ausbildungspläne werden individuell abgestimmt. Die PJ-ler wählen zwischen der Inneren Medizin und der Chirurgie und durchlaufen dort alle Fachabteilungen. Einmal pro Woche nehmen sie an Fortbildungen teil. Pro Tertial sind fünf Studenten am KHM.

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