"Was bekommst du, Schatzi?"

Hann. Mündener Markt: Flotte Sprüche gehören bei Imbiss Reutel dazu

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Karl und Petra Reutel in der Imbissstation auf dem Hann. Mündener Marktplatz. 

Karl und Petra Reutel verkaufen beim Hann. Mündener Wochenmarkt seit 35 Jahren Currywurst und Pommes. Beide berichten über viele kuriose Erlebnisse. 

Mittwoch ist Markttag. Und was gehört für viele Mündener dazu? Richtig. Die Currywurst. Grob. Mit Pommes und Mayo. Die Grillstation von Karl und Petra Reutel auf dem Mündener Markt ist eine Institution. Ob Handwerker, Mitarbeiter der Verwaltung oder Reporter – alle geben sich bei der Bude ein Stelldichein und das schon seit 35 Jahren.

„Was bekommst du Schatzi?“ oder „Komm zu Papa“: Flotte Sprüche gehören zur Verkaufsstrategie von Karl Reutel – und die funktioniert. „Wenn du hinter der Theke ein grimmiges Gesicht machst, ist doch klar, dass so etwas die Kunden vertreibt“, sagt er.

Reutels Frau Petra kann die gelegentlichen Frotzeleien ihres Mannes gut ab: „Wenn das den Umsatz ankurbelt, bin ich damit einverstanden. Trotzdem hört man gern auch mal ein Lob“, sagt sie und schmunzelt. Reutels sind seit 33 Jahren verheiratet – ein eingespieltes Team.

Reutel trat in Hann. Münden auch schon ins Fettnäpfchen

Auf dem Markt haben beide schon viel Kurioses erlebt. Da waren zum Beispiel ein Mann und eine Frau, die regelmäßig mittwochs und samstags etwas an der Bude aßen. Irgendwann erschien der Mann in Begleitung einer anderen Frau.

Reutel: „Ich habe ihn gefragt, wo seine Frau geblieben sei. Daraufhin erhielt der Mann eine Ohrfeige. Wir haben sie nie wieder gesehen.“ Das sei sein größtes Fettnäpfchen gewesen, gesteht der 56-Jährige. Pro Woche bringen die Reutels über 250 Kilogramm Pommes unter die Leute. 70 Prozent der Gäste sind Stammkunden.

Wie viele Bratwürste genau pro Markttag durchgehen, wollen sie nicht verraten. Betriebsgeheimnis. Genau wie die Würzung der Wurst, die Metzgermeister Karl Reutel in Bad Sooden-Allendorf selbst produziert. Ein Geselle hilft ihm dabei.

Der Tag von Karl und Petra beginnt morgens um fünf. Dann beladen die Reutels ihren Verkaufswagen. Die Vorbereitungen für den Markttag starten jedoch bereits einen Tag vorher. Um halb sieben stehen sie dann auf dem Mündener Markt. „Die ersten Kunden kommen bereits zum Frühstück“, erzählt Petra Reutel. Mittwochs seien das vor allem Mitarbeiter von Firmen oder Handwerker.

Die Ruhe vor dem Sturm auf dem Markt in Hann. Münden

Zwischen halb 10 und halb 12 sei es etwas ruhiger. „Aber ab halb 12 ist hier die Hölle los“, sagt Petra Reutel. Neben dem Mündener Markt am Mittwoch und Samstag stehen sie am Donnerstag in Allendorf und am Freitag in Hessisch-Lichtenau. Früher habe der Wurstverkauf zwei Drittel des Geschäfts ausgemacht.

Mittlerweile überwiegt der Imbiss. Zusätzlich zum Marktgeschäft fahren sie auch zu größeren Feierlichkeiten. Dank Dachluke seien die Temperaturen in der Grillstation erträglich, im alten Verkaufswagen seien Temperaturen im Sommer von über 70 Grad an der Fritteuse nichts Ungewöhnliches gewesen.

An Markttagen darf es in Hann. Münden nicht regnen

Die Temperaturen seien aber nicht entscheidend: „Markttage müssen trocken sein“, betont Petra Reutel. Dann seien die Kunden besser gelaunt und stellten sich eher in die Schlange als bei Nieselregen.

Nach vielen Jahren im Geschäft sehen sich Karl und Petra Reutel nach einem Nachfolger um. Aber wie in vielen anderen Branchen finden sich keine jungen Menschen, die den Job machen möchten. Generell sei es schwieriger geworden, gute und verlässliche Leute zu finden.

Viele Jahre lang haben beide kaum Urlaub gemacht, seit drei Jahren holen sie das nach. Einen großen Lebensraum möchte sich Karl Reutel in jedem Fall erfüllen: Er will ein Tiny House bauen. So nennt man Minihäuser mit einer Grundfläche von 15 bis 45 Quadratmeter, die oft aus Holz gebaut und mobil sind.

Der Hann. Mündener Markt ist immer mal in der Diskussion. Vor Jahren ging es beispielsweise um den Standort des Marktes. 

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