Digitaler Unterricht

Konfirmations- und Kommunionsunterricht per Videokonferenz zur Coronazeit

Pastorin Annette Lapp sitzt in einem Büro vorm Laptop
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Pastorin Annette Lapp beim Konfirmandenunterricht per Videokonferenz im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Münden.

Nachdem bereits 2020 viele Konfirmationen und Erstkommunionen im Altkreis Mnden coronabedingt verschoben werden mussten, stehen die Termine für die Kirchenfeste auch in diesem Jahr auf der Kippe. Steigende Infektions- und Inzidenzzahlen lassen keine zuverlässige Planung zu, sodass Termine nur unter Vorbehalt gesetzt werden können.

Wie Marion Jeitner, Kirchenvorsteherin der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hedemünden-Oberode, mitteilt, sollen die Feiern, die im vergangenen Jahr nicht stattfinden konnten, zwischen April und September nachgeholt werden. Aufgrund der Corona-Maßnahmen werden nicht alle Jugendlichen der Gemeinden Hedemünden-Oberode und Wiershausen-Lippoldshausen auf einmal durch Pastorin Gunda Hansen konfirmiert, sondern auf acht Termine à maximal sieben Konfirmanden aufgeteilt.

Auch neun Konfirmanden aus dem vergangenen Jahr sind dabei. Den Unterricht erteilt Pastorin Gunda Hansen per Videokonferenz oder Telefon. Auch der traditionelle Vorstellungsgottesdienst, bei dem sich die Konfirmanden der Gemeinde vorstellen, findet digital statt: mit der Kamera einzeln aufgenommen und zu einem Film zusammengeschnitten.

Die Evangelisch-lutherische Trinitatisgemeinde Jühnde-Barlissen-Meensen und die Gemeinde Scheden-Dankelshausen-Mielenhausen hatten den Termin für die 2020 verschobenen Konfirmationen ursprünglich für Mai dieses Jahres angesetzt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Pandemie wurde aber auch dieser Termin und damit auch der des diesjährigen Jahrgangs, verschoben – voraussichtlich in den Juli, wie Pastorin Annette Lapp mitteilt.

Die katholische Gemeinde St. Elisabeth in Münden plant ihre Kommunion für Juni – aber unter Vorbehalt, sagt Diakon Matthias Winkelmann. Die Vorbereitung findet in zwei Gruppen unter Einhaltung des Mindestabstands und mit Mund-Nasen-Schutz im Pfarrheim statt. Solange die Schulen geöffnet blieben, solle es auch Kommunionunterricht geben, so Winkelmann.

Konfirmationsunterricht in der evangelisch-lutherischen Kirche

„Die Kinder erleben zur Zeit ein ständiges: später, später, später“, sagt Pastorin Annette Lapp. Auch der Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden wird in diesem Jahr auf den Sommer verschoben. Wie so viele ihrer Kollegen geht die Pastorin der evangelisch-lutherischen Gemeinden Scheden-Dankelshausen-Mielenhausen sowie Jühnde-Barlissen-Meensen neue Wege, um den Konfirmandenunterricht anbieten zu können.

Obwohl mit einem Hygienekonzept der Präsenzunterricht gesetzlich erlaubt wäre, hat sich der Kirchenvorstand dazu entschieden, das Konzept der Onlineschulung in Coronazeiten zu wählen. „Es würde keinen Sinn ergeben, dass die Kinder in streng getrennten Gruppen zur Schule gehen, wir sie dann aber im Konfirmandenunterricht aus unterschiedlichen Schulen und Einzugsgebieten in einer Gruppe versammeln“, sagt Lapp. Und so treffen sich seit dem 27. Januar die derzeit 23 Konfirmanden wöchentlich online zu einer Videokonferenz mit der Pastorin.

Corona-Alltag wird in digitalen Konfirmanden-Unterricht einbezogen

„Manchmal ist es die vierte Konferenz für die Homeschooling-Schüler an dem Tag und da ist schon eine Ermüdungserscheinung zu spüren“, so Lapp. Und doch sind schon feste Rituale für die Konferenzen entstanden. So zündet jeder Konfirmand zu Beginn eine Kerze an, loggt sich in die Konferenz ein und beginnt mit dem Satz: „Mir geht es...“. Es folgt eine kurze Andacht von Pastorin Lapp, die hierfür Dinge des Alltags von ihren „Konfis“ vor den Bildschirm holen lässt. Diese werden in die Andacht eingeflochten. Nach dem Gebet erarbeitet die Gruppe mit der Bibel in der Hand Themen, wie sie es auch im Präsenz-unterricht machen würde.

Zum Ende der Konferenz nehmen alle ein Seil, Kabel oder ähnliches, halten es vor die Kamera und lassen so eine optische Verbindung zwischen den Konferenzbildschirmen entstehen. Mit dieser entstandenen „Segensschnur“ schicken sie ihre Segenswünsche zum Nächsten.

Natürlich laufen diese Konferenzen DSGVO-konform über einen deutschen Server, so Lapp. Aber aufgrund der Distanz gestalten sich zum Beispiel Gruppenarbeiten schwierig. Lapps Kollegen haben ein Netzwerk und Facebookgruppen erstellt, wo Ideen zur Onlinegestaltungen ausgetauscht werden. „Ich versuche methodisch Abwechslung einzubringen“, so Lapp. „Teilweise sehen wir uns kurze Clips zu kirchlichen Themen an. Es gibt aber auch Programme, in denen man zum Beispiel ein Quiz erstellen kann, bei dem zum Ende ein Ranking der Teilnehmer erscheint und auch virtuelles Konfetti fliegt. Auch ein gemeinsames Pizzaessen vor dem Bildschirm haben wir schon veranstaltet. Das ist ganz witzig und kann auch cool sein.“ (Margitta Hild/Lea-Sophie Mollus)

Religionsmündigkeit nach Konfirmation und Firmung

Mit Konfirmation und Firmung erlangen Jugendliche und Kinder ihre Religionsmündigkeit und werden zu einem vollwertigen Mitglied der Kirchengemeinde. Sie können Pate werden, sich kirchlich trauen lassen und sind wahlberechtigt bei Kirchenvorstandswahlen. Viele gehen damit auch einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit und Erwachsenwerden, weshalb Konfirmation und Erstkommunion für evangelische und katholische Christen eine große Bedeutung haben. 

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