„Vorgehen der DAK ist skandalös“

Krankenkasse unter Beschuss: DAK übernimmt Leistungen nicht

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Claudia Matthes

Hann. Münden. Die Kritik an der Krankenkasse DAK reißt nicht ab. Die HNA berichtete kürzlich, dass bei häuslicher Pflege die DAK nicht alle Leistungen ihrer Versicherten übernimmt.

Der Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste in Hannover, Jens Krüger, sagt auf Anfrage: „So etwas habe ich mein Lebtag noch nicht erlebt. Das Vorgehen der DAK ist skandalös. Es sei flächendeckend im Land zu beobachten. Aber auch aus anderen Bundesländern gibt es Meldungen über das neue DAK-Gebaren. Etwa in Stuttgart, wo die DAK in etlichen Fällen häusliche Pflegeleistungen nicht übernehmen will.

Betroffen seien vornehmlich Versicherte, die auch Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, sagt Jens Krüger. Der Pflegedienst Gruß und Beltz aus Hann.Münden hatte kürzlich das Verhalten der DAK angeprangert. Erste private Rechnungen seien nun, weil die Kasse verordnete Leistungen nicht in Gänze übernehme, an die Patienten verschickt worden, sagt Mitarbeiterin Jutta Niemeyer-Rabel: „Wir müssen ja unser Geld bekommen.“

Neben der massiven Kritik an der DAK, dass medizinisch verordnete Leistungen nicht mehr komplett übernommen werden, geht es um einen anderen heiklen Punkt. Als unerträglich bezeichnen Alexander Pauer, Leiter der Betreuung und Hauswirtschaft bei Gruß und Beltz, sowie Pflegedienstleiterin Claudia Matthes, dass die Krankenkasse an ihre Versicherten Fragebögen verschickt. Ein Großteil der Betroffenen sei dement, da „landen viele Fragebögen schnell im Müll“, sagt Matthes.

In dem Fragebogen der Kasse wird unter anderem gefragt: „Welche Personen leben in Ihrem persönlichen Umfeld (dazu gehören neben den Angehörigen auch Freunde und Nachbarn)?

Weiter wird gefragt: „Können weder Sie selbst, noch eine Person aus Ihrem Umfeld, die notwenigen Maßnahmen unmittelbar sicher und auf Dauer durchführen, ist eine Anleitung durch medizinische Fachpersonal möglich. Wer soll diese Anleitung in Anspruch nehmen?“

Die Mitarbeiter des Pflegedienstes sind empört über dieses Vorgehen, „die alten Menschen bleiben da schnell auf der Strecke“, sagt Claudia Matthes. Der Datenschutz werde mit Füßen getreten. „Es kann doch nicht sein, dass das Krankenbild in die Nachbarschaft getragen werden muss“, so Matthes.

Mittlerweile ist der Datenschutz auf den Plan gerufen. Das bestätigt der Sprecher der DAK in Hamburg, Helge Dickau: „Wir werden den Fragebogen überarbeiten.“ Ein entsprechendes Ansinnen sei von der Bundesbauftragten für Datenschutz an die Kasse herangetragen worden. Dickau: „Wir nehmen die Kritik sehr ernst.“

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