Geschichte Hann. Münden

Chaos und Sprengungen - Die letzten Gefechte zu Kriegsende in Hann. Münden

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Blick vom Siechenberg auf den gegenüberliegenden Kattenbühl: Hier trafen die vorrückenden Amerikaner auf verzweifelten Widerstand.

Das Kriegsende 1945 war geprägt von Chaos auf deutscher Seite. In Hann. Münden wurden sämtliche Brücken gesprengt. Nur eine blieb als letzter Rückzugsweg verschont.

Hann. Münden –Das Kriegsende 1945 war auf deutscher Seite geprägt von Chaos. Das geografisch unterschiedliche Voranschreiten der alliierten Truppen machte regionale Einzelfallentscheidungen notwendig, die mitunter recht kurzfristig zu fällen waren. Der Leiter des Gaus Süd-Hannover-Braunschweig und gleichzeitige Reichsverteidigungskommissar des Gaus, Hartmann Lauterbacher, ließ Anfang April noch vermelden, die Verteidigung aufrechtzuerhalten, er plante sich mit seinem Gefolge in der „Festung Harz“ einzuigeln. Kreisleiter und Verteidigungskommissar Reinschmidt, der ein Freund des damaligen Bürgermeisters Dempewolf war, sowie der Major des in Hann. Münden stationierten 29. Panzer-Pionier-Bataillons, Henn, hatten diese „Festung“ zu leiten. Sie waren es auch, die die Sprengung sämtlicher Brücken beschlossen hatten.

Am Abend des 5. April wurde die erst 1937 fertiggestellte Autobahnbrücke über dem Werratal gesprengt, einen Tag später begann dann die Abschottung Hann. Mündens mit der Sprengung der Pionierbrücke. Es folgten die Hängebrücke, die Mühlenbrücke, die Löwenbrücke und nur kurze Zeit vor dem Einmarsch der U.S. Army schließlich auch die Eisenbahnbrücken über der Werra.

Diese letzte Zeitung erreichte Münden nicht mehr. Gauleiter Lauterbacher forderte Treue bis zum Tod, lebte bis 1988. Nach einigen Jahren des Untertauchens im Ausland baute er den deutschen Geheimdienst „Organisation Gehlen“ wieder auf und war bis 1963 Referatsleiter im Bundesnachrichtendienst.

Nichtsdestotrotz bewegten sich am 6. April Teile des 273. US-Infanterie-Regiments auf Hann. Münden zu, ursprünglich mit dem Ziel, die strategisch wichtige Autobahnbrücke zu erreichen. Da diese gesprengt war, nahm man Kurs auf die alte Werrabrücke, die als letzter Rückzugsweg verschont worden war. Die letzten Reste von versprengten Kompanien und des „Volkssturms“ versuchten, den Vormarsch der Truppen zu verhindern. Das 273. US-Infanterie-Regiment, das 777. US-Panzer-Bataillon, das 661. US-Panzer-Jäger-Bataillon und das 69. US Infanterie-Bataillon bahnten sich aber dennoch am Morgen des 7. April einen Weg von Süden in Richtung Stadt. Zeitgleich bildeten die Amerikaner von Reinhardshagen aus einen Brückenkopf auf dem rechten Weserufer, und schufen einen Flussübergang, ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu stoßen. Aus Staufenberg durch den Wald kommend schob sich das 69. US-Infanterie-Bataillon in Richtung Galgenberg vor, da die Kasseler Straße vermint worden war und Geröll und Steine des Bahndammes vor dem Bahnübergang bei Bonaforth nach einer Sprengung die Straße versperrten.

Zwischen den Königshöfer Eichen und dem Amselpfad stießen die amerikanischen Soldaten auf das fanatische Himmelfahrtskommando aus Kindern, alten Männern und übrig gebliebenen deutschen Soldaten. Es kam zu einem Infanteriegefecht. Den amerikanischen Truppen hoffnungslos unterlegen, forderte dieses letzte Aufbäumen eine hohe Opferzahl auf deutscher Seite, bis es am Nachmittag zu einer Feuerpause kam. Diese kurze Ruhephase nutzten dann einige Widerständler, um den amerikanischen Truppen mit weißen Fahnen entgegenzugehen, um noch eine friedliche Übergabe der Stadt zu erwirken. Dempewolf und Reinschmidt waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in Hann. Münden. Sie befanden sich für zu wertvoll, als den „Heldentod“ zu sterben und reisten Richtung Harz. Dempewolf wurde später gefasst und zunächst in das SS-Internierungslager Sandbostel bei Bremervörde gebracht, später dann saß er im Strafgefangenenlager Esterwegen ein.

VON SARAH SCHNIEDER

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