Trotz des Fachkräftemangels

Kroatin möchte arbeiten und kämpft mit den Hürden der Bürokratie

Bürokratie legt Hürden in den Weg: Seit mittlerweile vier Monaten versuchen Heinz-Günther Richter, Pflegedienstleiter der Sozialstation Hann. Münden, Staufenberg, Dransfeld, und die aus Kroatien stammende Dijana Spoljar vergeblich, Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) für die 38-Jährige zu beantragen. Die Agentur für Arbeit stellt immer wieder neue Anforderungen. Foto:  Bülau

Hann. Münden. Dijana Spoljar ist 38 Jahre alt und Kroatin. Im Februar 2014 kam sie aus ihrem Heimatland nach Hann. Münden, um in der Altenpflege zu arbeiten.

Anderthalb Jahre später ist sie ihrem Ziel zwar ein Stück näher gekommen, auf Hilfe vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit warte sie aber vergeblich. Im Gegenteil: Die Behörden würden ihr immer wieder Hürden in den Weg legen - trotz des Fachkräftemangels.

Dabei habe sie zwei Tage nach ihrer Ankunft einen Deutschkurs belegt. Sie habe Deutsch lernen wollen. Den Kurs musste sie aber abbrechen, da sie die Kosten selbst hätte tragen müssen - über 200 Euro. Das Geld habe sie nicht gehabt.

Sie habe sich beim Jobcenter und der Agentur für Arbeit gemeldet, von dieser Seite aber nie Hilfe erhalten. Nachdem Spoljar privat eine ältere Frau gepflegt hatte, musste sie sich einen Job in der Gastronomie suchen, um sich über Wasser zu halten. „Ich möchte kein Geld von den Behörden, ich möchte in der Pflege arbeiten“, sagt die Kroatin.

Hilfe von der Sozialstation 

Unterstützung bekommt Spoljar mittlerweile von Heinz-Günther Richter von der Sozialstation Münden. Die Sozialstation bietet pro Jahr einen Ausbildungsplatz in der Pflege an. Ab September ist Spoljar dort Auszubildende. Die Ausbildung wird zwar vergütet, das Geld reiche zum Leben aber nicht aus, sagt die 38- Jährige. Deswegen hat sie bei der Agentur für Arbeit Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragt - vor vier Monaten. Bis heute ist der Antrag nicht genehmigt worden, da immer wieder neue Anforderungen gestellt werden.

Richter spricht von einer wahren Odyssee und kann die Stunden mittlerweile nicht mehr zählen, in denen sie gemeinsam die Papiere durchgearbeitet haben. „Alleine wäre sie aufgeschmissen gewesen. Wir versuchen, so viel wie möglich auszubilden, da der Bedarf da ist. Aber ich bin nicht bereit, noch einmal nach jemandem zu suchen. Der ganze Verwaltungsakt ist gar nicht vorbereitet“, schimpft Richter.

Post kommt zurück 

Die Berufsausbildungsbeihilfe muss Spoljar bei der zuständigen Stelle der Agentur für Arbeit in Braunschweig beantragen. Ihre Post sei jetzt schon sechsmal zurückgekommen. Mal müsse sie die Einkünfte ihrer Eltern in Kroatien nachweisen, dann müssten diese noch einmal unterschreiben - was notwendig für den Antrag sei, habe man ihr nie mitgeteilt.

„Ich möchte einfach nur eine qualifizierte Ausbildung. Aber man muss es sich gut überlegen, wenn man aus anderen Ländern nach Deutschland zum Arbeiten kommen will“, sagt Spoljar.

Heinz-Günther Richter ist enttäuscht: „Man hätte auf diesem Weg viele Pflegekräfte finden können. Aber die Behörden sind abgestumpft. Einzelne Schicksale interessieren da nicht und ob die Fachkraft in Deutschland bleibt. Es fehlt eine Qualitätskontrolle.“

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