Kunst und Fachwerk

Künstler Alfred Hesse hinterließ Spuren in der Altstadt von Hann. Münden

Alfred Hesse steht im weißen Kittel vor einer Staffelei und hinter einem Tisch voller Papiere
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Künstler Alfred Hesse malte zahlreiche Stadtansichten Mündens und setzte sich für den Erhalt von Fachwerkhäusern ein.

Alfred Hesse kennen viele als Künstler. Der gebürtige Mündener war aber mehr als das.

Hann. Münden – Vielen ist Alfred Hesse als Künstler bekannt, der zahlreiche Stadtansichten Mündens gemalt hat. Wenngleich die Malerei eine große Leidenschaft Hesses war, so hatte er noch einige andere. Ob als Grafiker, Zeichner, Restaurator oder Ortsheimatpfleger – Hesse hat Eindruck hinterlassen, der noch heute nachwirkt.

Alfred Hesse ist gebürtiger Mündener gewesen. Am 5. Oktober 1889 kam er als Sohn von Heinrich Bernhard und Maria Magdalena Hesse zur Welt. Die väterliche Seite von Hesses Familie kam Mitte des 19. Jahrhunderts nach Münden. Großvater Hesse war Schneidermeister, betrieb aber auch ab 1859 die Gaststätte „Bärenkammer“ beim Schloss. Heinrich Hesse hingegen eröffnete eine Kohlenhandlung.

Alfred Hesse: Mutter stammte aus der Schweiz

Hesses Mutter stammte aus der Schweiz. Auch sein Cousin mütterlicherseits, Fritz Pauli, wurde ein bekannter Maler und Radierer. Als Alfred Hesse zehn Jahre alt war, starb seine Mutter, ein Jahr später sein Vater. Daraufhin zogen ihn seine Großmutter sowie ein Onkel in der Schweiz groß.

1906, nachdem er die Schule beendet hatte, kehrte er nach Münden zurück und begann sofort seine Grafiker-Ausbildung an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Kassel und erlernte zudem den Malerberuf bei Friedrich Tetzer. Damit hatte er einen Grundstock an Theorie und Technik erarbeitet. Mit einem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf stellte er dann endgültig die Weichen in Richtung Kunst – bis der Erste Weltkrieg kam.

Alfred Hesse: Kunst ließ ihn nicht los

Hesse musste an die Front und wurde schwer verwundet. Für seine Einsätze erhielt er das Eisernen Kreuz Erster Klasse. Aber die Kunst lies ihn nicht los, also setzte er sein Studium nach dem Krieg fort.

Im Zweiten Weltkrieg musste er nicht mehr an die Front. Er leitete in dieser Zeit eine Druckerei und lebte mit Ehefrau Elsa, die er 1920 geheiratet hatte, in Hannover. Allerdings verloren sie bei einem Bombenangriff im Oktober 1943 ihr Haus und wurden evakuiert. 1946 kehrte er ein weiteres Mal nach Münden zurück – und dieses Mal blieb er.

Die Rückkehr in seine Heimatstadt versorgte ihn mit vielen neuen Motiven, die er in verschiedenen Maltechniken umsetzte – Aquarell, Öl, Feder, Kohle Bleistift, Hesse verewigte Münden auf viele Arten. Er engagierte sich im Kulturring und im Künstlerkreis, aber vor allem als Ortsheimatpfleger. Seine Liebe galt der städtischen Baukultur und dem Fachwerk, so konnte er viele Hausbesitzer davon abhalten, Fachwerkhäuser abzureißen.

Alfred Hesse: Als Ortsheimatpfleger setzte er sich für Fachwerk ein

Im 19. Jahrhundert war es gängige Praxis, Fachwerk zu verputzen oder mit Brettern zu verkleiden. Hesse überzeugte zahlreiche Eigentümer davon, dass es für die Bausubstanz besser sei, das Fachwerk wieder freizulegen. So sorgte Hesse dafür, dass in den ersten Nachkriegsjahren rund 60 Häuser von Putz und Holzverkleidung befreit und insgesamt etwa 260 Häuser restauriert wurden.

Am 13. April 1955 starb Alfred Hesse. Sein Werk zum Erhalt der Fachwerkhäuser setzte Nachfolger Heinz Hartung fort. Die Stadt benannte als Anerkennung einen Parallelweg zum Questenbergweg nach dem Künstler und verdienten Ortsheimatpfleger. Von Sarah Schnieder

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