Offener Brief

Geschichtsvereine wehren sich gegen vorgeschlagene Sparpläne

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Geschichte, Aktionen und Leseförderung: Aktionen wie Goldprägungen richten die Aufmerksamkeit aufs Städtische Museum.

Hann. Münden. Die Vorsitzenden aller drei Mündener Geschichtsvereine wenden sich in einem offenen Brief gegen die jüngst im Gesellschaftsausschuss des Hann. Mündener Rates vorgeschlagenen Sparpläne für Bücherei, Museum und Archiv.

Vertreter aller drei Vereine hatten als Zuhörer an der Sitzung des Gesellschaftsausschusses teilgenommen.

Im Stadtarchiv das Magistratsprotokoll von 1933, das den Beschluss enthält, die Lange Straße in Adolf-Hitler-Straße umzubenennen und Hitler zum Ehrenbürger zu ernennen.

Wulf Richter, Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden, Julia Bytom, Verein Erinnerung und Mahnung, sowie Karin Gille-Linne, Arbeitergeschichtsverein, befürchten ein Ende des Kulturzentrums Welfenschloss: „Die hier vorgeschlagene pauschale Kostenreduzierung um 50 Prozent gefährdet den Bestand dieser für die Bürger und Touristen wichtigen Einrichtungen und ist für die Geschichtsvereine nicht hinnehmbar.“

Beim „Ein-Mann-Betrieb“ Stadtarchiv könnten weder Arbeitsbereiche gestrichen werden, noch könne hier ein „modernes Konzept“, wie im Ausschuss gefordert, eine Kostenminimierung bringen. Der Stadtarchivar nimmt zugleich die Aufgaben des Personalratsvorsitzenden wahr. Laut niedersächsischem Archivgesetz sei die Stadt verpflichtet, ihr Archivgut zu sichern, erinnern die drei Vereinsvorsitzenden, es handele sich also nicht um eine freiwillige Aufgabe.

Derzeit werde diese Pflichtaufgabe durch den Archivar „nach unserer Ansicht vorbildlich und außerordentlich verantwortungsbewusst“ erfüllt. Auch die derzeit 25 Wochenstunden, die für die Leitung des Städtischen Museums zur Verfügung stünden, könnten nicht dezimiert werden, ohne den gesamten Betrieb der Einrichtung zu gefährden.

Zwar seien es die publikumswirksamen Dauer- und Sonderausstellungen, die dem Museum öffentliche Wertschätzung einbrächten, doch verberge sich dahinter viel Arbeit, die meisten öffentlich nicht wahrgenommen werde: Das Sammeln, Bewahren und Forschen. Die Vereine würdigen indes die Absicht der Stadt, trotz der prekären Haushaltssituation die Trägerschaft des Museums weiter zu übernehmen.

Literatur für junge Leser in der Bücherei.

In puncto Bücherei verweisen Richter, Bytom und Gille-Linne darauf, dass immer mehr Kinder Probleme mit Sprache und Lesen haben. Das und die veränderte Mediennutzung insgesamt erforderten eine teilweise Neuausrichtung der Bibliotheksarbeit - etwa mit Schwerpunkt der Leseförderung für Kindergartenkinder. Für die vom Ausschuss geforderten modernen Bibliothekskonzepte würde man „fundierte Bedarfs- und Umfeldanalysen und Orientierung an den von der Stadt noch zu formulierenden konkreten Aufgabenstellungen und Zielen“ benötigen, was Zeit erfordere.

Alle diese Aspekte, darum bitten die drei Vorsitzenden, müssten vor der endgültigen Beschlussfassung im Rat der Stadt nochmals eingehend bewertet werden.

Die drei Mündener Geschichtsvereine hätten in der Vergangenheit die Arbeit von Archiv, Museum und Bücherei unterstützt und gefördert. Außerdem stünden sie gemeinsam für die Stadtgeschichte ein: Sie haben durch Mitgliederbeschluss Mittel in Höhe von 12.000 Euro für ein Bündnis der Geschichtsvereine mit der Stadt Hann. Münden zur Aufarbeitung der Zeit der NS-Diktatur zur Verfügung gestellt.

Weiter heißt es: „Ein wichtiger Impuls kam mit dem Aufdecken der NS-Vergangenheit des Heimatforschers Dr. Karl Brethauer, dessen frühere Ehrung mit dem Ehrenring der Stadt Hann. Münden durch Ratsbeschluss vom 15. März 2012 postum zurückgenommen wurde.

In gleicher Sitzung wurde die Aufarbeitung der NS-Geschichte, insbesondere der Trägerinnen und Träger von Ehrenringen, Ehrenplaketten sowie der Ehrenbürger von Hann. Münden durch geeignete wissenschaftliche Fachkräfte gefordert.

Die Vereine, die ihren Teil gern übernehmen, gehen davon aus, dass auch der Rat der Stadt zu seinem Beschluss steht.“ (tns)

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