Mit Lakritz und weißen Mäusen zur Königin

Nach der Veranstaltung signierte Linda Servakis auf Wunsch ihr Buch, wie hier bei Dr. Uwe Füllgrabe aus Münden. Foto: Siebert

Hann. Münden. Dass Tagesschausprecherinnen nicht nur die Tagesthemen, scheinbar emotionslos sprechen, sondern auch Humor haben und lachen können, bewies Linda Zervakis bei ihrer Lesung in Hann. Münden.

Einem Millionenpublikum als Tagesschausprecherin bekannt, war sie am Mittwochabend Gast in Hann. Münden und las im Café Aegidius Passagen ihrer lustigen und abgründigen Kioskgeschichten aus ihrem Buch „Königin der bunten Tüten“. Mit dem Göttinger Literaturherbst und dem Mündener Kulturring war sie nach Hann. Münden gekommen.

So, wie sie heute in die Wohnzimmer der Nation blickt, hat sie früher aus dem Kiosk ihrer Eltern in Hamburg-Harburg geschaut, in dem sie bis zu ihrem 30. Lebensjahr jeden Sonntag stand.

Als Kinder einer griechischen Gastarbeiterfamilie hatten sie und ihre beiden Brüder es nicht immer leicht. Während ihre Freundinnen in ihrer Freizeit Tennis spielten, stand sie im Kiosk. Besuche bei ihren Schulfreundinnen waren für sie eher unangenehm: „Bei denen zuhause sah es aus wie in der Werbung von Jakobs Krönung“. Alles sei vom Feinsten gewesen. „Unsere Familie hatte schon damals alles in Retro“, erklärte die sympathische Tagesschausprecherin. Ihre Familie habe sich damals gut integriert. Während sie las, wurde den Besuchern Ouzo serviert.

Ihre Natürlichkeit, ihr Charme und ihr Humor brachten ihr schnell die Sympathien der Besucher ein. Mit Anekdoten und Kiosk-Romantik sorgte sie für Heiterkeit im Publikum. Eine Spezialität des Kiosks waren die „bunten Tüten“, gefüllt unter anderem mit süßen und sauren Weingummis in verschiedenen Formen und Farben, weißen Mäusen und Lakritze. Da sie nicht mit coolen Klamotten bekannter Designer glänzen konnte, verschaffte sie sich am Gymnasium die Sympathien von Mitschülern mit den bunten Tüten, sodass sie zur „Königin der bunten Tüte“ wurde. Doch auch Possen aus dem Arbeitermilieu die zum Nachdenken anregten waren dabei. In erquicklicher Art brachte die attraktive Hamburgerin dem Publikum nahe, dass sie sich während der Schulzeit für ihr Aussehen geschämt habe: Trichterbrust, Spreiz-Senkfuß, Zahnspange, Knollennase und eine Frisur á la Mireille Mathieu, für die ihre griechische Mama verantwortlich war. Sie beschrieb sich als hässliches Entlein. Heftiger Applaus am Ende und der Kommentar eines Besuchers: „Wissen Sie, dass Sie sehr sympathisch sind?“, sagten alles über den Abend aus. (zpy)

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