Vereine werden fit für die Zukunft gemacht

Landfrauen in Region entstauben ihr Image: Neues wagen, Altes ehren

Schmuckstücke: Landfrauen machen mehr als leckere Kuchen und schöne Deko-Artikel. Darum geht es bei der Zukunftswerkstatt der Landfrauenvereine in Südniedersachsen.

Hann. Münden/Dransfeld/Staufenberg. "Wir können sehr viel mehr als nur Kuchen backen, aber das können wir auch!" Diese Aussage steht über der Zukunftswerkstatt der Landfrauenvereine in Südniedersachsen.

Sie wird organisiert von der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) und den Demografiebauftragten der Landkreise Göttingen und Northeim.

Die Zielrichtung: Die Landfrauenvereine, mit ihren gewachsenen Strukturen weit verzweigt in der Fläche, richten sich neu aus, um eine wichtige Rolle zu spielen in der Gestaltung des demografischen Wandels. Das kommt ihnen selbst zugute, denn, wie für die meisten Vereine, ist es auch für die Landfrauen nicht einfach, neue Mitglieder zu gewinnen: Sie sind sogar besonders betroffen, da es durch das Höfesterben immer weniger Bäuerinnen, also klassische Landfrauen gibt. Es profitieren aber auch die Ortschaften, wenn das nachbarschaftliche Miteinander gestärkt wird. 

Die Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter und zahlenmäßig kleiner. Dieser Strukturwandel sei keine Katastrophe, aber er müsse gestaltet werden, sagt Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen. Die Landfrauen seien da ganz wichtige Partnerinnen, sie hätten den "Zugang zum gelebten Leben vor Ort, sind Türöffner". Vielerorts haben die Landfrauen bereits nachbarschaftliche Netzwerke aufgebaut, kümmern sich beispielsweise um ältere Menschen, doch sei das oft wenig bekannt.

Das ist der andere Punkt, an dem gearbeitet wird: Die Landfrauen seien der größte Frauenverband in Niedersachsen, so LEB-Regionalleiterin Cornelia Lüer-Hempfing, aber sie würden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen - und wenn, dann würden sie auf ihre beliebten Kuchenbüffets reduziert. Die Landfrauen seien aber auch Gründungsmitglied der LEB und offerierten selbst ein breites Bildungsangebot mit Themen von Integration über Ökologie bis Technik.

Organisiert in über 30 Einheiten

Die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) in Südniedersachsen arbeite mit Landfrauen aus über 30 Vereinen zusammen, so LEB-Regionalleiterin Cornelia Lüer-Hempfing.

Die Kreisverbände der Landfrauen orientieren sich an den Altkreisen - der Kreisverband Hann. Münden umfasst also außer Hann. Münden auch die Samtgemeinde Dransfeld und die Gemeinde Staufenberg. Er hat fünf Mitgliedsvereine. Im Kreisverband Duderstadt sind es vier Vereine, in Göttingen zwei, der Kreisverband Northeim hat zehn Vereine, Osterode sechs und Einbeck drei. Dazu kommen verschiedene Arbeitskreise - wie etwa der Arbeitskreis Junge Landfrauen Oberweser.

Öffnung der Landfrauen

„Die Landfrau, das ist nicht mehr nur die Bäuerin mit dem Kopftuch, Landfrauen sind Frauen, die ganz bewusst auf dem Land leben“, sagt Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen. Längst haben sich viele Landfrauenvereine dementsprechend geöffnet.

Dürften nur Bäuerinnen in den Verein eintreten, „dann hätten wir in Hemeln keine Mitglieder mehr“, sagt Marika Wedekind, Vorsitzende des Arbeitskreises Junge Landfrauen Oberweser.

Mitgliederschwund ist bei den Oberweser Landfrauen nicht direkt das Problem, berichten sowohl Marika Wedekind und Karin Berndt (72), Vorsitzende des Landfrauenvereins Oberweser. Das liege an der Einstellung: Einmal Landfrau, immer Landfrau. Viele blieben tatsächlich bis zu ihrem Tod Vereinsmitglied.

So schrumpfen die Vereine zwar nicht schlagartig, werden aber immer älter.

Auch die „Jungen Landfrauen“ sind inzwischen alle über 40, sagt Wedekind (58). Neue, jüngere Mitglieder zu gewinnen wäre schön, sei aber schwierig. Man habe schon Vorschläge an junge Frauen und Mütter gemacht: Mal einen Kinderarzt zum Vortrag einladen? Einen Bilderbuchvortrag organisieren? Den Durchbruch brachte das noch nicht.

Junge gewinnen, gleichzeitig die Älteren mitnehmen, wertschätzen, was da ist, aber auch Neues zulassen: zwischen diesen beiden Polen müssten die Vereine ihren Weg finden, skizziert es LEB-Regionalleiterin Cornelia Lüer-Hempfing. Und das ist auch das, was die Vereine vor Ort immer wieder versuchen. Der Landfrauenverein Oberweser sei 45 Jahre alt und kümmere sich um seine alt gewordenen Mitglieder, beispielsweise durch Besuche. Mit der Gründung des Arbeitskreises wurde ein Angebot für die Jüngeren geschaffen mit Veranstaltungsangeboten abends statt nachmittags. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen werde schon praktiziert, sagt Karin Berndt. Sie nimmt an der Zukunftswerkstatt teil, um weitere Impulse für ihren Verein zu bekommen, sagt aber auch: „Zeit für den Workshop haben nur die Älteren.“

Doch ob alt oder jung: Nortrud Riemann, selbst Landfrau, aber auch Dorfmoderatorin in Hemeln, bescheinigt den Landfrauen einen guten Einsatz fürs Dorf: Im Dorf-Wettbewerb und als es um die Gründung von Projektgruppen ging, seien die sehr engagiert gewesen.

„Wir haben auch eine Patenschaft übernommen für die Wohngruppe“, ergänzt Marika Wedekind. Die Landfrauen ernteten mit den Kindern Äpfel, buken Kekse und nahmen sie zum Adventskränze-Wickeln mit. 

Zukunftsvision vom leblosen Dorf

Die Kirmes fällt aus, es gibt keinen Lebendigen Adventskalender mehr, keine offenen Gärten, kaum noch Fahrten oder Vorträge, und der Erntedankkranz kommt aus der Gärtnerei. Jeder kümmert sich nur um sich, und wer allein lebt, bleibt allein: Mit diesem Szenario, das im Jahr 2020 spielt, waren die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt ins Thema eingestiegen, berichtet Karin Berndt. Die Fiktion verdeutlicht, warum es sich lohnt, sich für den Erhalt von Vereinen allgemein und der Landfrauen im Besonderen einzusetzen. Denn es wird indirekt klar, was es alles nicht gäbe, würden die Ehrenamtlichen wegfallen.

Drei weitere Werkstatt-Einheiten werden folgen: Der Strukturwandel im ländlichen Raum wird thematisiert, die zukünftige Rolle der „Land“-Frauen und zum Abschluss „Viele Generationen in einem Verein, Chancen und Möglichkeiten“.

Hintergrund: Veranstaltungen sind öffentlich

Wer eine Veranstaltung der Landfrauen besuchen will, muss deswegen nicht Mitglied werden: Die Veranstaltungen sind öffentlich.

Vorträge zur Gesundheit, zu Umweltthemen oder Heimatgeschichte finden sich in den Programmen, aber auch Theaterfahrten, Ausflüge und Bastelnachmittage.

Als nächstes steht beim Arbeitskreis Junge Landfrauen in Hemeln im Dreschschuppen beispielsweise Mooskränze binden und Eierfärben auf dem Plan, Mittwoch, 5. April, 18 Uhr. Die Landfrauen Oberweser haben sich kürzlich mit dem Thema Lebensmittel im Müll befasst und laden für 16. März zu einem Vortrag zum Thema Pflege ein, 14.30 Uhr, Hotel Freizeit Auefeld, Gimte.

LEB in Zahlen

Die Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachsen ist eine Einrichtung des Landes, 1951 als Verein gegründet unter Federführung des Landvolkverbandes und mit Beteiligung anderer landwirtschaftlicher Verbände, auch der Landfrauen.

9 hauptberuflich verantwortete Regionen strukturieen das Gebiet. Das Regionalbüro Südniedersachsen befindet sich in Göttingen, Groner Landstraße 27, Tel.: 0551/82079-0.

36 ehrenamtlich geleitete Kreisarbeitsgemeinschaften gibt es in der LEB.

500 pädagogische Mitarbeiter, Dozenten und Verwaltungskräfte entwickeln Projekte und Angebote.

2500 Ehrenamtliche werden durch diese Mitarbeiter unterstützt, wenn diese Bildungsveranstaltungen anbieten.

270.000 Unterrichtsstunden werden so pro Jahr angeboten.

Kontakt

Die Ansprechpartnerinnen für die Landfrauen im Altkreis Münden sind:

  • Landfrauenverein Oberweser: Karin Berndt, Tel.: 05544/7666
  • Arbeitskreis Junge Landfrauen Oberweser: Marika Wedekind, Tel.: 05544/ 74 75.
  • Landfrauenverein Hoher Hagen: Hella Scheidemann, 05545 /1791.
  • Landfrauenverein Untergericht: Hildegard Kleinhans 05502/1573.
  • Landfrauenverein Obergericht: Elfriede Haldorn 05543/1637.
  • Landfrauenverein Werratal: Bärbel Metje 05545 / 777.

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