Begegnungszentrum

Landkreis Göttingen hat 10 Millionen Euro investiert: Haus der Nationen eröffnet

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Das Haus der Nationen in Hann. Münden wurde Mitte Oktober 2019 feierlich eingeweiht.

Das Haus der Nationen wurde nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Kostenpunkt: 10 Millionen Euro. Die neue Einrichtung ist mehr als ein Begegnungszentrum. 

Rund 10 Millionen Euro hat der Landkreis Göttingen in den Kauf und den Umbau des ehemaligen Mündener Vereinskrankenhauses investiert. Nach rund dreijähriger Bauzeit ist dort eine Flüchtlingsunterkunft mit integriertem Begegnungszentrum entstanden. Am Mittwoch wurde das „Haus der Nationen“ feierlich eröffnet.

„Was lange währt, wird endlich gut“, begann Kreisrat Marcel Riethig seine Rede und warf einen Blick zurück auf die Geschichte dieses „größten Einzelprojektes des Landkreises seit vielen Jahren“. Angefangen habe alles bereits 2012 mit der Fusion der beiden Mündener Krankenhäuser am Klinik-Standort am Vogelsang, durch die das Vereinskrankenhaus plötzlich leer stand. 

Landkreis hatte das ehemalige Vereinskrankenhaus für 1,4 Millionen Euro verkauft

Um anschließend nach der Insolvenz des Klinikbetreibers die krankenhausärztliche Versorgung in der Dreiflüssestadt dauerhaft zu sichern und einen entscheidenden Beitrag zum Verkauf des Krankenhauses am Vogelsang zu leisten, habe der Landkreis für 1,4 Millionen Euro das ehemalige Vereinskrankenhaus gekauft.

„Ohne diesen Kauf wäre wohl nicht nur die Insolvenz anders ausgegangen, sondern hätte diese große Liegenschaft in Neumünden auch zu einem städtebaulichen Problemfall werden können“, betonte Riethig. „Insofern hätten wir uns manchmal gewünscht, dass das Engagement des Landkreises seitens der örtlichen Politik ein Stück weit mehr gewürdigt wird“, übte er auch offen Kritik.

Im neuen Begegnungszentrum, dem Herzstück des Hauses der Nationen, hielt Kreisrat Marcel Riethig die Eröffnungsrede.

„Uns allen war von vornherein klar: Wenn wie das ehemalige Vereinskrankenhaus kaufen und dort Geflüchtete unterbringen wollen, dann muss das auch eine Erfolgsgeschichte werden“, betonte Riethig. „Dann darf das keine Massenunterkunft werden, die den dort wohnenden Geflüchteten und den teils seit Jahrzehnten hier in Neumünden lebenden Menschen nicht gerecht wird.“

Man habe sich daher das Ziel gesetzt, eine Einrichtung zu schaffen, die den Stadtteil Neumünden sogar noch aufwertet. Und genau das scheint gelungen zu sein, hieß es bei der feierlichen Eröffnung. 

Das am Mittwoch feierlich eingeweihte Haus der Nationen bietet viel Platz für Flüchtlinge in der Dreiflüssestadt. Neben 22 Wohnungen für insgesamt 60 Geflüchtete, die in Hann. Münden eine neue Heimat finden, bietet das Haus der Nationen unter anderem einen großen Kinderspielplatz für die Allgemeinheit, tägliche Hausaufgabenbetreuung für alle, ein Begegnungszentrum mit zahlreichen Aktivitäten, Berufsförderungsmaßnahmen und ab Anfang kommenden Jahres auch ein Stadteilcafé für Hausbewohner und Nachbarschaft. 

Aus Not wurde Tugend

„Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und einen echten Mehrwert für Neumünden geschaffen“, freute sich Kreisrat Riethig und dankte allen an dem Projekt Beteiligten – allen voran der kreiseigenen Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB), dem Deutschen Roten Kreuz und Bonveno, dem Zusammenschluss Göttinger Wohlfahrtsverbände zur Betreuung von Geflüchteten, „die von Anfang an bereit gewesen waren, sich in dem Projekt zu engagieren“. 

„Der Landkreis hat das richtig gut gemacht und wird damit seiner sozialen Verantwortung vollauf gerecht“, lobte der Landtagsabgeordnete Gerd Hujahn (SPD). „In Hann. Münden wird Integration seit Jahren gelebt und dazu tragen Projekte wie dieses maßgeblich bei.“ Auch Mündens Bürgermeister Harald Wegener (BFMÜ) freute sich. „Die ist ein besonderer Moment“, sagte er. 

Kreisrat Marcel Riethig

Das Haus der Nationen sei nicht nur für die Menschen in Neumünden ein Gewinn, sondern für die ganze Stadt. „Ich freue mich schon darauf, wenn die Menschen hier das Miteinander in vielfältigen Projekten erleben werden“, sagte Wegener. Er sei „glücklich darüber, dass der Landkreis diese Investition zu Ende geführt hat“.

Das Haus der Nationen in Hann. Münden wurde als integrierte Flüchtlingsunterkunft mit einem Begegnungszentrum geplant. Die 22 Wohnungen haben jeweils zwei bis vier Zimmer und eine Küche bzw. eine Kochnische. In der Ebene 0 und 1 ist die Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Im Frühjahr hatte der Wirtschaftsausschuss des Landkreises Mehrkosten in Höhe von rund 860 000 Euro bemängelt.

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