Integrations- und Bildungszentrum geplant

Landkreis will Mündens Krankenhaus kaufen

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Das Krankenhaus Hann. Münden: Der Landkreis plant, dort ein Integrations-, Bildungs- und Qualifikationszentrum einzurichten sowie bis zu 250 Flüchtlinge unterzubringen.

Hann. Münden. Der Landkreis Göttingen plant im Gebäude des Mündener Krankenhauses ein Integrations- und Bildungszentrum. Zudem sollen dort Flüchtlinge untergebracht werden.

Der Landkreis will das Krankenhaus Hann. Münden (KHM) in der Burckardtstraße kaufen, wenn der Umzug der Belegschaft in das Nephrologische Zentrum Niedersachsen abgeschlossen ist. Der Pressesprecher des Landkreises, Ulrich Lottmann, bestätigte auf Nachfrage der HNA eine entsprechende Information der Gewerkschaft Ver.di in Göttingen. Gewerkschaftssekretärin Julia Niekamp teilte mit, der Finanzausschuss habe vorigen Freitag beschlossen, die Immobilie zu kaufen, um dort Flüchtlinge unterzubringen.

Landkreis-Sprecher Lottmann bestätigte, der Ausschuss habe dem Kreistag empfohlen, Landrat Bernhard Reuter den Auftrag zu geben, ein Kaufgebot abzugeben. Die Kreisverwaltung, gestern Abend auch vom Kreistag beauftragt, will ihre Pläne für eine Nutzung des Krankenhauses als Integrations-, Bildungs- und Qualifikationszentrum vorantreiben. Eigentümerin des Krankenhauses ist die insolvente Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste. Dass ein Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro vereinbart worden sei, wie Ver.di-Sekretärin Niekamp berichtete, bestätigte Lottmann nicht.

Fakt ist: Der Landkreis hat im Haushalt 2016 eine Million Euro für den Kauf einer Immobilie vorgesehen. Ver.di-Sekretärin Niekamp fordert, dass die AWO GSD den Verkauferlös den von Arbeitsplatzverlust bedrohten Beschäftigten beider Krankenhäuser zugutekommen lassen soll. Kreissprecher Lottmann weist darauf hin, dass nicht schon ab 1. Januar 2016 Flüchtlinge im KHM untergebracht würden.

Der Kauf sei vorsorglich, um Wohnraum zu haben, wenn die dezentrale Unterbringung erschöpft sei. Um das Krankenhaus nutzen zu können, werde es umgebaut; die Pläne dazu würden den Mündener Bürgern vorgestellt. Es gebe Überlegungen, in dem Gebäude auch ein Begegnungszentrum einzurichten mit Angeboten zur Bildung und beruflichen Qualifizierung.

Fragen und Antworten

Was plant der Landkreis im Krankenhaus Hann. Münden nach dessen Umzug? Dazu gibt der Landkreis-Pressesprecher Ulrich Lottmann Auskunft.

Was ist im Krankenhaus geplant, wenn der Umzug abgeschlossen ist?

In den nach dem Umzug freiwerdenden Gebäudeteilen in der Burkhardstraße will der Landkreis eine integrative Flüchtlingsunterbringung und ein Begegnungszentrum einrichten. Dort sollen neben Maßnahmen zur Integration auch Qualifizierung und Bildung stattfinden nicht nur für Flüchtlinge.

Der Cateringbetrieb werde in der Burkhardtstraße bleiben und die Küche nutzen, um das Essen der Patienten und Mitarbeiter im Nephrologischen Zentrum Niedersachsen sicherzustellen.

Was bedeutet Begegnungszentrum?

Das Zentrum soll im Krankenhausgebäude entstehen. Im Vordergrund steht neben der Flüchtlingsunterbringung ein qualitativ gutes Angebot sozialer Dienstleistungen am Standort zu entwickeln. Der Auftrag, dazu ein Konzept zu erarbeiten, umfasst zudem die Schaffung von Sozialwohnungen im Gebäude, die als finanziell günstiger Wohnraum in Münden zur Verfügung stünden.

Was wird aus dem Schwesternwohnheim auf dem Gelände des Krankenhauses Hann. Münden?

Der Landkreis will die Immobilie einschließlich des Schwesternwohnheims kaufen. Beabsichtigt sei jedoch, so Lottmann, das Wohnheim an die Wohnungsgenossenschaft Bauverein Hann. Münden weiter zu veräußern. Das Schwesternwohnheim soll den Mietern weiter zur Verfügung stehen, die Bewohner seien von den Plänen für die Flüchtlingsunterbringung und das Begegnungszentrum nicht betroffen, sagte der Kreis-Sprecher.

Wie ist der Stand der Planung?

Das Vorhaben werde in enger Abstimmung mit der Stadt Hann. Münden geplant. Ein Planungsbüro sei mit einer Studie über ein Nutzungs-, Betriebs- und Sanierungskonzept beauftragt. Regionale Akteure würden einbezogen, so Lottmann. Mündener Vereine, die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung, das Deutsche Jugendherbergswerk, die Volkshochschule Göttingen Osterode und die Sozialpartner werden nach Angaben des Landkreissprechers im Januar zu einem Workshop eingeladen.

Das Konzept werde Ende März in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt.

Warum kauft der Landkreis das Krankenhaus?

Der Landkreis erwartet vom Land eine Zuweisung von rund 1500 Flüchtlingen im nächsten Jahr. Damit stoße der Grundsatz dezentraler Unterbringung voraussichtliche Ende 2016 an seine Grenzen. Um Vorsorge zu leisten, sei das Krankenhausgebäude eine Option. Dort sei Platz für bis zu 250 Menschen. Damit, so Lottmann, werde weiterhin vermieden, dass Sporthallen, Dorfgemeinschaftshäuser oder auch Gemeindehäuser von Kirchen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Anspruch genommen werden müssen.

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