Finanzielle Not durch niedrige Preise, Schweinepest und Coronapandemie

Landwirte demonstrieren vor dem Aldi-Lager in Hedemünden

21 Traktoren stehen vor dem Zentrallager von Aldi in Hedemünden.
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21 Traktoren aus Südniedersachsen wurden für die Demo vor das Zentrallager von Aldi in Hedemünden gefahren.

Landwirte aus Südniedersachsen haben am Abend des 25.10.2020 mit ihren Traktoren vor dem Aldi Zentrallager in Hedemünden demonstriert, um auf ihre missliche Situation aufmerksam zu machen. Zu Zwischenfällen kam es nicht, auch die Anlieferung des Lagers durch Lkw wurde nicht beeinträchtigt.

Hintergrund der Aktion, die vom vor einem Jahr gegründeten Zusammenschluss „Land schafft Verbindung“ (LsV) organisiert wurde, ist die Vielzahl an Herausforderungen, die die Landwirtschaft zu bewältigen hat. Der Milchpreis stagniere seit Jahren, der Schweinemarkt liege wegen der Corona-Pandemie und Afrikanische Schweinepest (ASP) am Boden, die Erzeugererlöse schrumpften immer weiter, im Gegenzug stiegen die Erzeugungskosten aber unaufhaltsam durch weitere Auflagen, heißt es dazu von den Organisatoren.

In dieser angespannten Lage der Bauern würde der Lebensmitteleinzelhandel noch niedrigere Preismodelle anstreben und die Verarbeiter diese auch anbieten. So funktioniere aber keine nachhaltige Wertschöpfungskette, teilt der Verband mit, der gerade die Vereinsgründung von LsV organisiert. Die Bauern fordern eine zukunftsfähige und nachhaltige Verbesserung der Erlössituation. Das Gegenteil aber sei der Fall: Seit Beginn der Corona-Pandemie seien die Milcherzeugerpreise um bis zu 34 Prozent eingebrochen. Daher habe die Bauernbewegung LsV im Oktober unter knapp 1 750 deutschen Milchviehhaltern eine Online-Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis bestätige die Befürchtungen: 56 Prozent der Betriebe gaben an, aktuell ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen zu können. Und acht Prozent sagten, dass ihr Betrieb innerhalb der nächsten zwölf Monate aufgebe.

Um auf die desaströse Lage der Betriebe aufmerksam zu machen, gingen die Bauern daher mit Treckern auf der Straße. An den Lebensmitteleinzelhandel stellen sie drei Forderungen:

- Es würden zwingend deutlich höhere Erlöse für Schweine, Rinder und Milch benötigt, um die Höfe zu erhalten und wirtschaftlich nachhaltig weiterentwickeln zu können.

- Die Verarbeitungskapazitäten müssten vorrangig inländischen Agrarprodukten vorbehalten werden, solange es in den Schlachtereien – ob ASP- oder coronabedingt – Kapazitätseinschränkungen gebe.

- Es dürfe keine Preissenkungen etwa für Tiere anfallen, die wegen der Kapazitätsbeschränkungen der Schlachthöfe älter und schwerer seien als üblich. Die Landwirte dürften nicht für dieses Problem bestraft werden. Zudem sollten die Sanktionen bei vorübergehender Überbelegung von Ställen ausgesetzt werden. Die Tierhalter dürften die Folgen der Kapazitätsbeschränkungen auf Verarbeiterseite nicht alleine ausbaden müssen.

Es müsse sofort alles dafür getan werden, dass dieses kurzfristig realisierbar ist. Daher seien die Forderungen nicht nur an den Lebensmitteleinzelhandel gerichtet, sondern an alle Entscheidungsträger der Lebensmittel-Wertschöpfungskette, so die Demonstrierenden.

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