Neue EU-Bedingungen 

Landwirte fürchten um Zuckerrübenanbau in der Region

Wartende LKW vor der Zuckerfabrik Nordstemmen der Nordzucker AG Foto: Jelinek

Altkreis Münden. Die Zuckerrübenernte dieses Jahres wird die letzte unter den bisherigen Bedingungen und mit feststehenden Preisen und Lieferquoten sein: Die Europäische Zuckerrübenordnung endet nächstes Jahr. Dann macht der Markt den Preis.

Künftig wird sich der Anbau von Zuckerrüben in einem mehrstufigen Verfahren nicht mehr nach den bisherigen Lieferquoten richten, sondern vor allem danach, wie viele Aktienanteile der Landwirt am jeweiligen zuckerverarbeitenden Unternehmen besitzt.

Das Unternehmen Nordzucker AG begünstigt damit zunächst seine Eigentümer. Viele der Landwirte gehen dabei leer aus, da sie historisch bedingt nie oder nur wenig Kapital an den Zuckergesellschaften besessen haben und somit über diesen Weg nicht ausreichend zum Rübenanbau berechtigt sind.

Da jedoch nicht alle Anteilseigner Zuckerrüben anbauen - weil sie keine Landwirte mehr sind oder weil sie mit dem im Frühjahr diesen Jahres feststehenden Preisen nicht einverstanden sind - , ergibt sich eine so genannte „freie Menge“, die von den Zuckerunternehmen weiter auf die anbauwilligen Landwirte verteilt wird. Dabei spielen die Frachtentfernungen eine große Rolle, der von den Fabriken Schladen, Clauen und Nordstemmen weit entfernte Landkreis Göttingen ist in einer Außenseiterposition. Die freie Menge kann jährlich schwanken und hängt auch davon ab, wie groß die weltweite Nachfrage nach Zucker ist.

Das große Interesse an dem Thema zeigte sich gestern in Lütgenrode (Landkreis Northeim) bei einer Infoveranstaltung des Zuckerrübenanbauerverbandes (ZAV) Südniedersachsen. Rund 200 Landwirte ließen sich von Vorstand und Geschäftsführung des ZAV über die bevorstehenden Änderungen informieren, fragten und kritisierten.

„Wir haben jahrelang für die gute Auslastung der Zuckerfabriken gesorgt, wir haben auf die Rübe gebaut und jetzt fallen wir hinten runter“, schimpft der Sudheimer Landwirt Herbert Elsner. Die Region werde beim Zuckerrübenanbau regelrecht abgehängt. Ein Drittel, maximal die Hälfte der bisherigen Zuckerrübenfläche, werde es künftig noch in der Region geben, prognostiziert er.

Dirk Wollenweber, Geschäftsführer beim ZAV, machte den Rübenanbauern der Region Mut. Er wolle nichts schön malen, aber die Region Südniedersachsen gehörten mit zu den besten Zuckerrübenanbaugebieten. Die Nordzuckerwerke würden bei ihrer 120 Tage dauernden Kampagne auch künftig Rüben aus der Region benötigen. Die Zuckerrübenfabriken Lage Nordstemmen, Clauen, Schladen und Kleinwanzleben seien wie auf einer Ost-West-Linie ausgerichtet, das jeweilige Einzugsgebiet werde sich auch aus diesem Grund weit in Nord-Süd-Richtung und damit auch bis nach Südniedersachsen erstrecken.

HINTERGRUND:

Am 30. September 2017 endet die so genannte Europäische Zuckermarktordnung. Das 1968 eingeführte Regelwerk, dessen Herzstück die Regulierung der Mengen sowie der Rübenmindestpreis ist, sollte die heimische Zuckerproduktion aus Zuckerrüben sichern.

Das bedeutet, dass sich der Preis, den die Landwirte erzielen, am Weltmarktpreis für Zucker orientiert - es sei denn, es entwickelt sich aufgrund einer großen Binnennachfrage ein höherer innereuropäischer Zuckerpreis.

Mit dem Auslaufen der Zuckermarktordnung wird damit der letzte regulierte europäische Agrarmarkt liberalisiert und globalisiert. (phl)

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