Streitpunkt Rote Gebiete

Landwirte kritisieren Regeln für das Düngen in der Region

Weniger Düngung, weil Hameln Probleme hat: Timo Schäfer, Wasserschutzberater Carsten Drewes und Karsten Trauschke (v.l.) können es nicht fassen.
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Weniger Düngung, weil Hameln Probleme hat: Timo Schäfer, Wasserschutzberater Carsten Drewes und Karsten Trauschke (v.l.) können es nicht fassen.

Die beiden Landwirte Timo Schäfer und Karsten Trauschke sind sauer. Und mit ihnen viele Landwirte in der Region, die vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen arbeiten, unter denen Trinkwasser gewonnen wird.

Dankelshausen – Obwohl das Trinkwasser in Ordnung ist, die Messwerte für Nitrat deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen, die Landwirte zudem seit Jahren in einer Kooperation mit den Wasserversorgern an einem Tisch sitzen und freiwillig wasserfördernde Maßnahmen umsetzen, müssen sie in diesem Jahr erhebliche Einschränkungen bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen dulden – und dadurch herbe Ertragsverluste akzeptieren. Und das alles, weil in den zuständigen Landesbehörden die Arbeit nicht rechtzeitig erledigt wurde, sagen sie.

Denn: „Das Trinkwasser in den Gewinnungsgebieten in der Samtgemeinde Dransfeld ist sehr gut“, sagt Carsten Drewes, Wasserschutzberater beim Ingenieurbüro Geries, das die Landwirte in der Region betreut und berät. Das Wasser ist auch deshalb so gut, auch weil die Landwirte seit zum Teil 1993 in der so genannten „Kooperation Obere Weser“ auf über 1500 Hektar Fläche mit den Wasserversorgern Versorgungsbetriebe Hann. Münden (Klus) sowie Wasserverband Peine (Bramwald, Scheden, Speele, Nienhagen, Uschlag) erfolgreich zusammenarbeiten.

Und doch gibt es seit Dezember 2020 ein Problem - und das heißt Bodenwerder bei Hameln. Dort liegt eine Trinkwassermessstelle, die den zulässigen Trinkwasser-Grenzwert überschreitet. Nun ist Hameln weit weg, Luftlinie etwa 65 Kilometer. Aber: Es gehört als Grundwasserkörper „Vogler-Solling-Bramwald“ zum gleichen Gebiet wie etwa Dankelshausen, Mielenhausen und Bühren, es macht damit nördlich des Schedetals alles zum sogenannten „Roten Gebiet“, in dem die Landwirte die Düngung um 20 Prozent einschränken müssen.

Die in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit stark diskutierten „Roten Gebiete“ haben als Grundsatz das Verursacherprinzip, also: Dort, wo Probleme im Trinkwasser auftauchen, sollen sie auch behoben werden und sich die Landwirte bei der Düngung einschränken. So weit, so gut. Doch Drewes, Schäfer und Trauschke sind sich einig: Der Hamelner Messstelle helfe es nicht im Geringsten, wenn in Dankelshausen weniger gedüngt werde. Die Einschränkungen seien also für die Katz und die Landwirte werden ihre Pflanzen in diesem Jahr nicht so mit Dünger versorgen können, wie sie es benötigen würden für einen guten Ertrag.

Dazu komme weiterer Schaden, ergänzt Drewes: Weil die Landwirte in dieser Saison per Gesetz weniger düngen dürften, könne ihnen der freiwillige Verzicht auf Düngung auch nicht vergütet werden, rund 150 Euro pro Hektar fehlen dadurch.

Auch die Planungsunsicherheit komme hinzu. Denn auch in Hannover hat man offenbar erkannt, dass diese groß gefassten Gebiete – von Hameln bis Hann. Münden – nicht zielführend sind und der Wasserschutz auf die lokale Ebene, auf so genannte „Feldblöcke“ heruntergebrochen werden muss. Das sollte eigentlich zu Beginn der diesjährigen Düngesaison im März passieren, ist aber bis heute nicht geschehen. Nach Angaben Drewes ist Niedersachsen das einzige Bundesland, das seine Hausaufgaben in diesem Bereich noch nicht gemacht hat.

Sehr zum Leidwesen der Landwirte: „Über viele Jahre haben wir uns in der Kooperation freiwillig für mehr Wasserschutz engagiert, haben beste Werte beim Trinkwasser – und bekommen jetzt so eine unsinnige Regelung übergestülpt, weil eine Messstelle auffällig ist, für die wir gar nichts können“, sagt Trauschke gefrustet. (Christian Mühlhausen)

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