Sadik-Malak begleitet Menschen in ihren letzten Lebensstunden.

Ein Leben mit dem Tod: Hospiz-Pflegerin erfüllt letzte Wünsche

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Ein Lächeln für alle: Fatma Sadik-Malak kümmert sich im Awo-Hospiz um die Bewohner und deren Angehörige.

Fatma Sadik-Malak arbeitet im Hann. Mündener Awo-Hospiz. Meistens kommt sie mit den Herausforderungen ihres Berufs klar. Doch es gibt Ausnahmen. 

Fatma Sadik-Malak hat keine Angst vor dem Tod. „Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht liegt es wirklich an meinem Job.“ Die 27-Jährige arbeitet seit einem Jahr im Hann. Mündener Awo-Hospiz. In Deutschland ist heute Hospiztag.

Die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin hat täglich mit dem Tod zu tun. Sadik-Malak begleitet Menschen in ihren letzten Lebensstunden. Sie wäscht und versorgt ihre „Gäste“. Das Wort Patienten benutzt sie nicht – bewusst: Das klinge ihr zu beruflich, zu klinisch. „Mit vielen Sterbenden pflege ich einen sehr persönlichen Umgang“, sagt die verheiratete Mutter. 

Fatma Sadik-Malak will Schmerzen lindern

Im Hospiz wohnen fast ausschließlich Krebskranke. Den meisten verbleiben nur wenige Wochen Lebenszeit. Deswegen will Sadik-Malak vor allem eines: Die Schmerzen ihrer Gäste lindern. „Sie sollen sich nicht quälen.“ Die Pflegerin verabreicht Medikamente gegen Schmerzen, Ängste, Unruhe und Schlaflosigkeit.

Sie selbst könne in den meisten Nächten gut schlafen. „Ich versuche, meine Arbeit gedanklich nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Meistens funktioniere das. Aber nicht immer. „An meinem ersten Arbeitstag im Hospiz starb ein Mensch in meinen Armen. Das war sehr hart für mich.“

Dennoch: Sadik-Malak scheint für ihre alltägliche Arbeit berufen zu sein. Schon als kleines Kind träumte sie von einem Job als Pflegerin – damals noch in einem Krankenhaus. Als Zwölfjährige war sie mit ihren Eltern in deren Heimat Griechenland. Eine blinde Frau stürzte in einem Nachbarhaus auf dem Weg zur Dusche. Sadik-Malak hörte die Schreie und eilte zur Hilfe. „Meine Mutter sagte damals zu mir: Du wolltest deinen Mitmenschen schon immer helfen“, erinnert sie sich mit einem Lächeln. Als Schülerin habe sie später ihren Großvater gepflegt – und zwar als „Laie.“

Sie will später nicht gegen ihr bevorstehendes Ende kämpfen

Heute will Sadik-Malak den Hospizbewohnern ihre letzten Wünsche erfüllen – selbst wenn das nur ein mitternächtliches Thunfisch-Sandwich ist. Zuletzt wünschte sich ein Vater einen letzten Reitausflug mit seiner siebenjährigen Tochter. Sadik-Malak verbringt viel Zeit mit den Angehörigen. Die Pflegerin tröstet sie, nimmt sie in den Arm und ist für sie da. Manchmal muss die junge Mutter auch Überzeugungsarbeit leisten. „Die meisten Sterbenden wollen in der letzten Phase nicht mehr essen. Angehörige verstehen das oft nicht.“ Der geringe Appetit gehöre zum Sterbensprozess dazu – genauso wie der Tod zum Leben.

Falls Sadik-Malak ihre letzten Tage in einem Hospiz erleben wird, will sie Shisha rauchen und ihre Lieblingsfilme schauen. Gegen das bevorstehende Ende will sie nicht kämpfen. „Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Tage zu schenken, sondern den Tagen mehr Leben.“

Gäste desFlux biohotels Werratal haben jetzt eine ganz einfache Möglichkeit bekommen, nicht nur die Umwelt zu schonen, sondern auch das Hospiz zu unterstützen.

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