Letztes Läuten der Glocken im Video

Mündener Kirche St. Matthäus steht vor dem Abriss

Hann. Münden. Mehrere Jahre hat die evangelische Kirche vergeblich versucht, eine Lösung für das sanierungsbedürftige Gotteshaus zu finden. Nun droht der Abriss.

Die Glocken der St.-Matthäus-Kirche in Hermannshagen werden am Mittwoch ausgebaut: Um 16 Uhr werden sie zum letzten Mal in dem Mündener Stadtteil zu hören sein. Sie gehen an eine Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern.

Mit dem Verklingen des letzten Läutens schwindet auch der Optimismus, das Kirchengebäude noch retten zu können. Der Kirchenvorstand leite jetzt den Abriss in die Wege, sagte für das Gremium Dr. Ralph Voß. Das Abrissunternehmen sei noch nicht bestellt, aber die Meinungsfindung abgeschlossen. Jetzt werden Kostenvoranschläge eingeholt. In diesem Jahr werden die Abrissbagger vermutlich noch nicht kommen, das wäre zu kurzfristig, aber im nächsten Jahr, wenn sich nicht noch unerwartet ein Käufer findet.

Reihe von ernsthaften Interessenten

Der Kirchenvorstand hatte der Suche nach einer Nachfolgenutzung eine Frist bis zum 30. April gesetzt, die längst verstrichen ist. Es habe eine Reihe von ernsthaften Interessenten gegeben, die sich das Haus auch anschauten, berichtet Dr. Voß weiter, aber die einen hatten den Sanierungsbedarf unterschätzt, die anderen nicht an den Denkmalschutz gedacht. Einige Gespräche sind noch nicht ganz abgeschlossen, berichtet Pastor Andreas Risse. Voß hat aber wenig Hoffnung, dass jetzt kurz vor Toresschluss noch jemand wirklich zugreift.

Von den Glocken trenne man sich jetzt, um nachher nicht unter Zeitdruck zu geraten. Drei zentnerschwere Kirchenglocken wird man nicht von einem Tag auf den anderen los. Und „uns war es wichtig, dass sie weiterklingen“, sagt Pastor Andreas Risse.

Die gleiche Vorgehensweise gilt für das neun mal drei Meter große Gemälde „Die Bergpredigt“ des Malers Heinrich Pforr. Die Idee, das Bild in der Heimat des Malers, Laudenbach bei Großalmerode, unterzubringen, wird wohl nicht verwirklicht werden können. Die Kirchengemeinde wünscht sich, dass das Bild öffentlich zugänglich bleibt und nicht eingelagert werden muss. 

Keine neue Nutzung gefunden

Die Stadtkirchengemeinde hat mehrere Jahre lang versucht, eine neue Nutzung für die 2011 entwidmete St.-Matthäus-Kirche in Hermannshagen zu finden. Große Hoffnung barg die Idee, dort ein Kolumbarium einzurichten, eine Urnengräberstätte, aber zu wenige Gemeindemitglieder bekundeten Interesse an dieser Form der Bestattung.

Aufgrund einer Sonderregel (Loccumer Vertrag) darf die Kirche ihre eigenen Gebäude abreißen, auch wenn diese unter Denkmalschutz stehen. Dieses Recht kann nicht an einen Käufer übertragen werden. 

Rubriklistenbild: © Sangerhausen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.