Kinder aus Tschernobyl: Sie lieben die Zeit in Speele

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Dank für die Gastfreundschaft: Mädchen und Jungen aus Weißrussland, aus der Region um Tschernobyl, gaben in der St. Blasius-Kirche gemeinsam mit ihren Betreuern ein Konzert.

Hann.Münden. Kinder aus der Region Tschernobyl verbringen Ferien im Haus Waldfried bei Speele. Als Dank für die Gastfreundschaft gaben sie ein Konzert in der St. Blasius-Kirche.

„In Speele geschehen Wunder“ sind sich die Kinder, die zur Zeit einen Erholungsaufenthalt im Haus Waldfried in Speele verbringen, einig. Am Freitagabend gaben sie ihr Konzert in der St. Blasius Kirche in Hann. Münden und sangen unter anderem auch wieder ihr Speele-Lied. Eine Lobeshymne auf Ingrid Rathgeber und ihren Verein „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“, dem sie so viel verdanken.

„Speele ist ein kleines Land, in dem Menschen sind mit viel Liebe. Hier gibt es nichts Böses und nichts Schlechtes. Speele ist unser zweites Zuhause, wenn wir wieder in der Heimat sind, werden wir von Speele träumen…“ , heißt es unter anderem in dem Lied, das vor fünf Jahren die 15-jährige Inna nach ihrem Aufenthalt in Speele geschrieben hat.

Die Musik

Zusammen mit den Musikern Susanne Schulz und Jho Kaufmann aus Berlin hatten die Kinder an zwei Tagen ihr Konzert einstudiert. Mit dem Pastorenehepaar, das die Kinder nach Deutschland begleitet hat, Zhanna und Nicolai Patsukevich sangen sie im Haus Waldfried seit ihrer Ankunft vor fast drei Wochen jeden Tag. Jedes Kind bringt ein besonderes Talent mit. Die beiden elfjährigen Andrej und Arseni sind Virtuosen auf dem Cello. Sofia spielt das Zimbal, ein in Weißrussland sehr verbreitetes Saiteninstrument in Hackbrettform, mit so viel Gefühl, als würde sie nie etwas anderes tun. Tatsächlich hat das achtjährige Mädchen erst vor einem Jahr angefangen zu lernen.

Milana begleitete das Konzert auf ihrer Geige und die beiden Jungen Kyrill und Schura sangen ein ergreifendes Duett, das vielen Zuschauern die Tränen in die Augen trieb. Das Schicksal der Kinder berührt und ihr Gesang erfreute und ergriff die Zuschauer gleichermaßen. Der Chor, der nur wenig Zeit zum Üben hatte, erfüllte die St. Blasius-Kirche mit so vielen schönen Stimmen, fröhlichen aber auch nachdenklich gestimmten Liedern, Freude und Applaus.

Die Kinder sangen nicht nur russische kirchliche Lieder und Volkslieder, sondern hatten auch ein kleines Theaterstück einstudiert, das sie zeigten.

Das Theaterstück

Es gab eine Geburtstagsfeier im Tierreich, mit einem schlauen Raben, einer frechen Katze und einer versalzenen Torte zu sehen. Andrej und Arseni spielten eine schnelle, vergnügte Polka, die alle zum Lächeln brachte und zusammen mit dem Publikum sangen die Kinder „Happy Day“.

Eindrücke aus Region

Ingrid Rathgeber erzählte den Gästen von ihren jüngsten Erlebnissen in Weißrussland. Im März hatte sie die Heimat der Kinder besucht und mit Hilfe vor Ort ausgewählt, wer in diesem Jahr nach Speele kommen darf.

Rathgeber erzählt von Feldern, die bis vor wenigen Jahren noch wegen Verseuchung des Bodens gesperrt waren und jetzt wieder frei gegeben sind.

Die Kühe, die dort grasen, bringen kranke Kälber zur Welt und werden selber krank. Trotzdem werden ihre Milch und ihr Fleisch im ganzen Land verkauft. „Die Verhältnisse bessern sich nicht, die Menschen bekommen gar keine Gelegenheit gesund zu werden, es ist schrecklich“, erzählt Ingrid Rathgeber. Um so wichtiger sei es, den Mädchen und Jungen die Chance auf vier Wochen Erholung und einer sauberen Umgebung und in gesunder Luft zu geben. Der Erlös des wunderbaren Konzerts kommt dem Verein und damit den Kindern zu Gute.

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