Kirche zieht um: Weihnachten in der Scheune - wie zur Geburt Jesu

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Die Scheune im Hintergrund verwandelt sich am 24. Dezember in einen Kirchenraum. Von links: Kevin Nolte, Greetje Klesser-Hujahn, Gesa Hujahn und Gerd Hujahn.

Lippoldshausen. Die Kirche in Lippoldshausen wird saniert, kein Gottesdienst möglich. Aber die Lippoldshäuser retten das Fest und verlegen den Heiligabend in eine Scheune.

Für die Besucher des besinnlichen Adventsnachmittages Anfang Dezember im Saal des Landgasthauses Zur Brücke in Lippoldshausen war es eine traurige Nachricht, die Pastor Dr. Andreas Ohlemacher überbringen musste: Die seit Monaten andauernde Sanierung der Kirche könne nicht bis Weihnachten abgeschlossen werden, deshalb könne dort auch nicht der alljährliche Gottesdienst am Heiligen Abend stattfinden.

Da der Kirchenvorstand das eher nüchterne Dorfgemeinschaftshaus als Ausweichmöglichkeit für einen stimmungsvollen Gottesdienst für nicht geeignet hält, bat Pastor Ohlemacher die Gäste, stattdessen die Gottesdienste in den Nachbarorten Wiershausen und Hedemünden zu nutzen.

Die Nachricht verbreitete sich am Folgetag beim Weihnachtsbaumverkauf des Fördervereins Lippoldshausen schnell. Auch, wenn man zu den Nachbarorten ein gutes Verhältnis pflegt, so richtig glücklich war mit der Alternative angesichts meist voller Kirchen am Heiligabend niemand. „In dieser Diskussion wurde schnell eine Idee entwickelt: Jesus wurde im Stall geboren - warum halten wir keinen Gottesdienst in dieser Umgebung, sprich in einer Scheune ab?“, berichtet Ortsbürgermeister Gerd Hujahn. Zunächst nur eine Schnapsidee, wurde der Gedanke von seiner Frau Gesa Hujahn weiterentwickelt und nahm Gestalt an.

Spontan haben Tochter Greetje Klesser-Hujahn und Kevin Nolte, frischgebackene neue Eigentümer von Lindners Hof in der Raiffeisenstraße 26, dafür ihre Scheune zur Verfügung gestellt.

Noch am gleichen am Nachmittag fuhren sie gemeinsam mit dem Kirchenvorstand zur Ortsbesichtigung und befanden das Objekt für geeignet. Auch Pastor Dr. Andreas Ohlemacher fand den Vorschlag gut und erklärte sich sofort bereit, den Gottesdienst dort abzuhalten. „Einen solchen Gottesdienst wird es sicher kein zweites Mal geben, so dass wir hoffen, dass viele Menschen daran teilnehmen“, sagt Gerd Hujahn. Die beim Weihnachtsbaumverkauf zufällig anwesende Organistin Susanne Herbst sagte zu, in der Scheune Orgel zu spielen.

Unterstützung gab es auch von Ortsbrandmeister Christian Bolse mit der Freiwilligen Feuerwehr Lippoldshausen sowie Ortsheimatpfleger Hans-Jürgen Pielok.

15 Kinder aus dem Ort haben eifrig das Krippenspiel eingeübt, das während des Gottesdienstes aufgeführt werden soll. Durch eine professionelle Beleuchtung soll in die Scheune, wo vor Jahren noch Stroh lagerte und Rinder lebten, eine stimmungsvolle Atmosphäre gezaubert werden.

Los geht der Gottesdienst am 24. Dezember um 16 Uhr, die Scheune ist nicht geheizt. „Das ist ein tolles Gefühl, dass wir das zusammen auf die Beine stellen und was bewegen können. Und das zeichnet Lippoldshausen aus, dass eine Idee geboren wird und alle packen mit an“, so Hujahn. 

(phl)

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