Pelzerhaken

Lutterbergerin zeigt ihre Fotos vom Schullandheim aus 1957

Ursel Gerhardt zeigt stolz ihre Fotoausrüstung und ein Album mit Urlaubsfotos.
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Ursel Gerhardt zeigt stolz ihre Fotoausrüstung und ein Album mit Urlaubsfotos.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Christian Mühlhausen hat Zeitzeugen getroffen, die wir in loser Folge vorstellen.

Lutterberg/Pelzerhaken – Was wäre heute ein Urlaub ohne Fotos, die man in den sozialen Netzwerken posten oder zu Hause zeigen könnte? Für viele unvorstellbar, denn offenbar gilt heute nur das als tatsächlich erlebt, was auch im Bild festgehalten wurde.

Urlaubsfotos haben eine lange Tradition und auch im Rahmen unserer Pelzerhaken-Serie haben uns zahlreiche Leser ihre fotografischen Eindrücke aus dem Ostseebad zukommen lassen und damit eine längst vergangene Zeit konserviert.

Wenn auch die Qualität der Bilder mitunter nicht immer die beste war, es an Schärfe fehlte oder sich im Laufe der Jahrzehnte auf dem Farbabzug die Farben veränderten, so darf man doch nicht vergessen: Das Fotografieren war früher teuer und längst nicht so einfach und komfortabel wie heute in einer Zeit, in der Digitalkameras und Smartphones nahezu in jeder Situation – und dazu kostenlos – passable Fotos hervorbringen, ohne eine manuelle Einstellung der Empfindlichkeit, Verschlusszeit und Blende.

Umso mehr muss an dieser Stelle die fotografische Arbeit von Ursel Gerhardt aus Lutterberg gewürdigt werden, die 1957 als 18-Jährige mit einer für damaligen Verhältnisse aufwendigen AGFA-Kamera ein eindrucksvolles Fotoalbum von ihrem Pelzerhaken-Aufenthalt anfertigte.

Noch heute hütet sie das Album mit scharfen, gekonnt komponierten und perfekt belichteten Fotos sowie die Kamera wie einen Schatz. „Ich war zum ersten Mal allein im Urlaub“, erinnert sich die Lutterbergerin. Ab Hann. Münden ging es per Sonderzug ins Ostseebad Pelzerhaken.

Zelte statt feste Gebäude: So wie Ursel Gerhardt erinnern sich viele aus dem Altkreis Münden an ihren Aufenthalt in Pelzerhaken.

Ein Landschulheim mit festen Gebäuden gab es damals noch nicht, stattdessen zeigt Gerhardt eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotografien eine lange Reihe an Zelten. Auf einem Bild sieht man im Hintergrund das „Haus am Meer“, das später fürs Landschulheim genutzt und erst vor ein paar Jahren für den Bau von Ferienappartements weggerissen wurde.

Ursel Gerhardt war es das erste Mal an der See. Die harten Nachkriegsjahre waren in Deutschland gerade überstanden, Urlaub damals längst nicht so selbstverständlich wie heute. „Nach der Ankunft wollte ich gleich an die Ostsee und dort einen Seestern anfassen, der dort lag. Ich hatte aber keine Ahnung, dass die wegschwappende Welle gleich wieder zurückkommt. Das Ergebnis waren nasse Füße“, berichtet sie amüsiert von ihrem ersten Kontakt mit dem Meer.

Zu dritt wurden die Zelte bezogen, die mit Holzfußboden ausgestattet waren, als Kleiderschrank diente eine Schnur in der Zeltmitte. „Es war einfach, aber eine schöne Zeit – und auch das Wetter hat mitgespielt.“

Wie auch die anderen Pelzerhakenbesucher war Ursel Gerhardt am Marinedenkmal in Laboe, auf der 5-Seen-Rundfahrt ab Malente, in Großenbrode und Oldenburg in Holstein, in Lübeck und Travemünde. Zu den Orten gefahren wurden sie mit einem Bus des Landkreises Münden, Gruppenleiter war Herr Abel.

Besonders in Erinnerung bleibt ihr ein Spaziergang mit einer Gruppe am Steilufer entlang in die Innenstadt von Neustadt. „Alle hatten Appetit auf eine Kochwurst.“ Die Inhaberin einer Metzgerei am Markt lud sie ein, ihre Kochwurst am großen Tisch in der guten Stube der Familie zu essen. „Allen hat es geschmeckt. Beim Verlassen der Fleischerei haben wir erst gemerkt, dass wir Pferdekochwurst gegessen haben und dann ging es mit viel Gelächter und Trapp-trapp wieder ins Lager.“

50 Mark gaben ihr ihre Eltern für den Urlaub mit, investiert wurde das Geld unter anderem in einen täglichen Mars-Schokoriegel. Zudem gab es reichlich Essen im Lager. „Das Ergebnis war, dass das graue Kostüm mit engem Rock, in dem ich angereist bin, auf der Rückfahrt nicht mehr zuging. Aber es war ein schöner Urlaub.“ (Christian Mühlhausen)

Generationen von Menschen aus dem Landkreis Göttingen waren in Pelzerhaken. Wir sammeln ihre Geschichten. Von geklauten Mercedes-Sternen, über Strandpommes, einem gruseligen Fund, Kohlrabi und Liebesromane, bis zum Koch, der für Schüler kochte.

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