Flockdown

Massen an Schnee: Räumdienste sind am Limit im Raum Hann. Münden

Das Räumen der Schneemassen in Scheden (Samtgemeinde Dransfeld).
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Das Räumen der Schneemassen in Scheden (Samtgemeinde Dransfeld).

Der zweite Tag im sogenannten „Flockdown“. Auch am Montag hatten die Räumdienste im Altkreis Münden alle Hände voll zu tun. Es wird auch am Dienstag noch zu Einschränkungen kommen.

Altkreis Münden – „Wir wünschen uns eine Pause von dem Schneefall“, berichtet Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers von der Samtgemeinde Dransfeld. Auch am Montag (8.2.2021) hielten die starken Schneefälle den Altkreis Münden weiter im Griff. Am Sonntag kam es zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen im Altkreis.

Nicht die Menge, sondern die Geschwindigkeit als Problem

Das Problem sei nicht die absolute Schneemenge, so Eilers, sondern dass so viel in so kurzer Zeit gefallen sei. Der Räumdienst der Samtgemeinde und die Vertragspartner arbeiteten „rund um die Uhr“, um die Straßen freizubekommen. Priorität hätten die Hauptverkehrsachsen, andere Strecken würden nach und nach geräumt, sagte Eilers weiter. Das Problem sei allerdings, dass zahlreiche Nebenstrecken aufgrund der Breite nur einspurig geräumt werden könnten. In der Samtgemeinde blieben am Wochenende und am Montag zahlreiche Autos liegen, manche mussten mit schwerem Gerät geborgen werden.

Auch in Hann. Münden und den Ortsteilen hatten die Räumdienste der Kommunalen Dienste alle Hände voll zutun. „Sie fahren, fahren, fahren“, sagte Stadtsprecherin Julia Bytom. Priorität hätte am Montagvormittag die Räumung des Vogelsangs gehabt und damit auch die Zufahrt zum Krankenhaus. „Hier hat es Probleme gegeben“, berichtete Bytom. Alle Straßen, die im Laufe des Wochenendes gesperrt wurden, blieben auch gestern gesperrt. Dazu zählen zum Beispiel die Haarthstraße. Die Einwohner werden gebeten, sich an die Sperrungen zu halten, hieß es von der Stadt.

Staufenberg: Räumdienst im Dauereinsatz

Auch der Räumdienst des Staufenberger Gemeindeservice (SGS) war am Sonntag und gestern mit seinem ganzen Personal im Einsatz, um die Straßen von den Schneemassen zu befreien. Vom Radlader, über Lastwagen und Trecker bis zu hin zum Rasenmäher mit Schneeschaufeln seien alle Fahrzeuge auf den Straßen gewesen, sagt Stefan Müller, Leiter des SGS.

Mit Treckern werden auf dem Dorf die Straßen geräumt, wie es hier Dietmar Koch in Landwehrhagen tut.

Gegen 4 Uhr sei der Räumdienst am Sonntag und auch am Montag zum ersten Mal ausgerückt. „Es ist schon eine starke Belastung“, sagt Müller. So viel Schnee sei seit Jahren nicht mehr gefallen. In Landwehrhagen seien es bis Montag etwa vierzig Zentimeter gewesen, in höher gelegenen Staufenberger Dörfern wie Lutterberg und Escherode sei es sicherlich noch mehr gewesen. In Speele und Landwehrhagen unterstützten Trupps der Ortswehren die Räumarbeiten.

Blechschäden bei vielen Unfällen im Altkreis

Die Polizeiinspektion Göttingen meldete einen schweren Unfall mit vier verletzten Personen und zahlreiche Unfälle mit Blechschäden. Gegen Montagmittag waren auch die Bundesstraßen in und um Münden weitestgehend frei, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

Dr. Eisenbarth im Schneekleid am Mündener Doktorwerder. Im Hintergrund kann man die frisch renovierte Wanfrieder Schlagd sehen.

Die Autobahn 7 (A7) war im Bereich Drammetal bis Hedemünden in Richtung Süden ab etwa 3.45 Uhr voll gesperrt. Der Verkehr wurde über die Autobahn 38 abgeleitet, Umgehungsstrecken waren ausgeschildert. Auch in Richtung Norden kam es zu Behinderungen, so die Polizei. Erst gegen 9.30 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben.

Im Landkreis Göttingen fällt auch am Dienste der Präsenzunterricht aus

Der Präsenzunterricht an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen im Landkreis Göttingen fällt am Dienstag aufgrund der anhaltenden Schneefälle aus, teilt Kreissprecher Ulrich Lottmann in einer Pressemitteilung mit. Das gilt auch für die Notbetreuung. Der Distanzunterricht bzw. das Homeschooling in den Szenarien B und C finden statt.

In Scheden (Dransfeld) halfen Landwirte beim Räumen

„Alles, was heute eine geeignete Motorisierung hat, ist unterwegs, um zu räumen. Wir haben bereits unten bei der Feuerwehr alles frei gemacht und jetzt kommen die Straßen dran. Das ist doch selbstverständlich“, sagt Robert Herbst. Mit „wir“ sind zahlreiche Schedener mit geeigneten Traktoren gemeint. Sie haben gestern gemeinsam die Straßen vom hohen Schnee befreit.

Nachdem Robert Herbst große Berge in Vorgärten aufgehäuft hat, sagte er feixend zu der Anwohnerin der zweiten Etage: „Heute Abend schaue ich zu deinem Fenster herein“. Die durch steten Schneefall zunehmende Masse der weißen Pracht wurde von vielen mit Humor oder Schulterzucken genommen. Nachbarschaftshilfe war angesagt. Wie selbstverständlich wurden von vielen auch gleich die Höfe der Nachbarn geräumt.

Ein Durchkommen auf den Bürgersteigen war am frühen Vormittag in Scheden nahezu unmöglich, denn der Schnee lag teilweise über kniehoch. Besser als jedes Fitnessstudio, doch auch gefährlich, da sich unter der dicken Schneeschicht Eis gebildet hatte. So versagten einige Autos bereits bei leichten Steigungen der Anliegerstraßen ihren Dienst.

In Hann. Münden wurde auch fleißig geschaufelt

Ein ähnliches Bild lieferten auch die Gehwege und Straßen in Hann. Münden. Wer sein Grundstück zu Fuß oder mit dem Auto verlassen wollte, musste sich schon am frühen Morgen den Weg vor der Haustür freischaufeln.

Schneeidyll: Die Kirche in Landwehrhagen und der Dorfteich

Die Hauptstraßen durch die Stadt waren bis zum Mittag geräumt, auch in der Stadt waren Traktoren mit großen Schaufeln zu sehen. Sowie kleine Räumfahrzeuge der Stadt und von Gärtnereien. Das Salz hinterließ Schneematsch auf den Fahrspuren, am Rand türmte sich bis zu einem Meter hoch der Schnee. Die Bürgersteige wurden an vielen Stellen fleißig mit Handschaufeln geräumt, an anderen Stellen versanken die Fußgänger im kniehohen Schnee oder mussten auf die weniger befahrenen Straßen ausweichen. Das Winterwetter zog Familien mit Schlitten und Spaziergänger mit Hunden vor die Tür.

Dienstag: Auch dann sind Einschränkungen möglich

Die Regionalbusse fuhren in Südniedersachsen nicht. Zudem gab es keine Stadtbusse in Northeim, Einbeck, Holzminden und Hann. Münden. Wer am Dienstag mit dem Bus unterwegs sein will, der sollte sich auf alle Fälle vor Fahrtantritt unter vsninfo.de oder über die VSN-App informieren.

Im Bereich des Schienenverkehrs gab es zumindest teilweise Lichtblicke: Die Metronom-Eisenbahngesellschaft schaffte es auch am Morgen, vereinzelt Züge auf die Strecke zwischen Göttingen und Hannover zu bringen. Im Laufe des Vormittags normalisierte sich der Verkehr auf dieser wichtigen Nord-Süd-Linie weitgehend. Ansonsten fielen auch im Nahverkehr viele Züge aus.

Eine geschlossene Schneedecke bildete sich auf vielen Hauptstraßen Göttingens , wie hier auf der Robert-Koch-Straße.

Ausfälle und Verspätungen bei der Bahn am Dienstag

Die Deutsche Bahn hatte ihren Fernverkehr über Göttingen bis zum Mittag eingestellt. Erst im Laufe des Nachmittags gab es wieder Zugverbindungen – zunächst aber nur ganz vereinzelt. Wer am Dienstag auf Zugfahrten angewiesen ist, sollte sich unter bahn.de oder über die Navigator-App der Bahn informieren. Die Aebllio Verkehrsgesellschaft meldete auch, dass es am Dienstag noch zu Einschränkungen kommen kann. Reisende sollen sich vor Fahrantritt auf ihrer Internetseite erkundigen. (Jens Döll, Ekkehard Maaß, Bernd Schlegel, Silke Kuri, Lea-Sophie Mollus, Kim Henneking)

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