Ruhen der Zulassung angeordnet

Mediziner: Mehr Offenheit nach dem Verkaufsstopp von 80 Medikamenten

Arzneimittel-Produktion: 80 Nachahmerprodukte, so genante Generika, wurden jetzt aus dem Verkehr gezogen. Archivfoto:  dpa

Hann.Münden/Staufenberg/Dransfeld. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat für 80 Arzneimittelzulassungen von 16 pharmazeutischen Unternehmen ein Ruhen der Zulassung angeordnet.

Aktualisiert um 15.40 Uhr

„Diese Präparate sind nicht verkehrsfähig und dürfen ab sofort nicht mehr von pharmazeutischen Unternehmen, Großhändlern und Apotheken abgegeben werden“, teilt die Apothekerkammer Niedersachsen mit. Grund ist, dass bei einer Inspektion eines Arzneimittelherstellers in Indien Mängel und Verstöße bei einer Medikamenten-Studie festgestellt wurden. Nachahmerprodukte Bei den betroffenen Arzneimitteln handelt es sich ausschließlich um Nachahmerprodukte, so genannte Generika. „Wir sind entsetzt über Art und Ausmaß dieser Studienmanipulation. So hätte eine Zulassung nie erteilt werden dürfen“, sagt Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen.

Bei diesen Studien sei erheblich gegen die „gute Klinische Praxis“ verstoßen worden, die in Europa Standard bei der Erstellung von klinischen Studien sei. Linz: „Seit Jahren warnen wir Apotheker davor, die bewährte europäische Handelskette – Hersteller, Großhandel, Apotheken – aufzuweichen und die Arzneimittelproduktion überwiegend in Drittländer auszulagern. Wir wollen, dass jeder Patient sicher sein kann, dass sein Arzneimittel geprüft und von hoher Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist.“ Das könne nur garantiert werden, wenn die Herstellung auch wieder vermehrt in Europa erfolge und nicht weitestgehend in China oder Indien. Nach Angaben des BfArM liegen keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren für Patienten vor. Ein Rückruf der betroffenen Arzneimittel auf Patientenebene sei nicht vorgesehen.

Bei Fragen sollten sich Patienten, die bereits ein betroffenes Medikament erhalten haben, direkt an ihren Apotheker wenden. „Von den bis jetzt veröffentlichten Präparaten spielen glücklicherweise vor Ort nur eine Handvoll eine Rolle“, sagt Dr.Jens Herbort, Inhaber der Rosenapotheke in Münden. Die Apotheken sorgten dafür, „dass die Patienten in jedem Einzelfall mit einem alternativen Präparat versorgt werden, wenn das bisherige Medikament nicht mehr verfügbar ist“. Generell sei es unabhängig von dem vorliegenden Fall wichtig, dass Mediziner und Apotheker vor Ort „bei Medikamenten eine gewisse Entscheidungs- und Handlungsfreiheit haben. Diese geht zunehmend im Vorordnungs -und Bürokratiewahnsinn von Verwaltung und Krankenkassen unter“, so Herbort. Das gehe zu Lasten der Menschen und der Menschlichkeit.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung für den Altkreis Münden und Reinhardshagen, Dr. Achim Echtermeyer, vermisst bei diesem Thema Transparenz. „Ich halte das Thema für intransparent, die Gründe, warum die Medikamente zurückgezogen wurden, sollten offen gelegt werden.“ Es sei derzeit nicht zu verstehen, dass keine Gefahr für Patienten bestehe. (awe)

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