Großes Interesse an Jagdscheinkurs bei Jägerschaft Münden

Hann. Münden: Mehr Frauen auf der Pirsch

Haben die Jägerei schätzen gelernt: Karina Henze mit Jagdhündin Leni, Fredrike Buhse und Melanie Schmidt (von links).
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Haben die Jägerei schätzen gelernt: Karina Henze mit Jagdhündin Leni, Fredrike Buhse und Melanie Schmidt (von links).

Aufregende Tierbeobachtungen in der freien Natur, eine starke Gemeinschaft und die Tiefkühltruhe voll mit gutem Fleisch: Immer mehr Frauen begeistern sich für die Jagd.

Lutterberg – Ihr Anteil unter den Jagdschein-Kursteilnehmern bei der 500 Mitglieder starken Jägerschaft Münden liegt mittlerweile bei 50 Prozent. „Seit ich jage, kaufe ich Fleisch viel bewusster ein als früher“, sagt Frederike Buhse aus Lutterberg. Ihre Ansprüche seien gestiegen.

Das Wild in Wald und Flur lebe artgerecht, ernähre sich gesund und sterbe im Idealfall ohne Schmerzen. Wer Reh und Wildschwein selbst schieße, sei zudem ehrlich mit sich selbst. Er blende nicht aus, dass für das Fleisch auf dem Teller ein Tier sterben müsse. „Wir verwerten alles von den Tieren, die wir zur Strecke bringen“, ergänzt Jägerin Karina Henze aus Wiershausen. Sie und ihr Mann, auch er sei Jäger, verarbeiteten das Wildbret zu Schnitzeln, Steaks und Rippchen, Schinken und Stracke. Die Innereien und die ausgekochten Knochen bekomme Leni, ihre Bayerische Gebirgsschweißhündin.

„Das Schießen ist jedoch nur ein kleiner Teil des Jagdwesens“, betont die Wiershäuserin. Jäger verbrächten viele Stunden auf dem Hochsitz, bevor sie zum Schuss kämen.

Auch während der Schonzeit säßen sie manche Vollmondnacht dort oben, um ihre Tierbestandslisten aktuell zu halten. Viele schöne Dinge gebe es zu sehen, im Frühjahr etwa den Waldkindergarten. „Das entschleunigt, ich kann wunderbar entspannen“, ergänzt Jägerin Melanie Schmidt aus Hann. Münden. „Wir kümmern uns auch um die Hege der Tiere“, berichtet Henze.

Immer mal wieder brächten ihr zum Beispiel Spaziergänger Fundtiere vorbei. Kranke Frischlinge würden zum Beispiel von den Bachen verstoßen. Jungfüchse liefen vertrauensselig auf Menschen zu und ließen sich fangen. Sie bringe die Tiere wieder zurück. Sie fänden den Weg zum Bau alleine.

Derzeit ziehe sie einen kleinen Waldkauz auf. Eigentlich könnten die jungen Vögel mit ihren großen Krallen spielend auf die Bäume klettern, von denen sie gefallen seien. Der kleine Kauz habe aber verloren auf dem Weg gesessen.

„Zu unseren Aufgaben zählt es, die Hochstände in Ordnung zu halten“, sagt Buhse. Diese seien Wind und Wetter ausgesetzt. Teilweise würden auch Jagdfeinde sich an ihnen zu schaffen machen. Jäger würden zudem Waldbesitzern beim Bau von Gattern helfen, um Rehe von frisch gepflanzten Jungbäumen fernzuhalten.

„Mich fasziniert das Brauchtum, das Jäger pflegen“, bekennt Schmidt aus Hann. Münden. Sie ist über das Jagdhornblasen zur Jagd gekommen. Die Hörner erklingen, wenn nach einer Jagd geschossenen Tieren die letzte Ehrung erwiesen wird, aber auch bei Hubertusmessen, auf Bauernmärkten oder Jagdhochzeiten.

„Viele spricht der starke Zusammenhalt an, der unter Jägern herrscht“, sagt Henze. Wer nachts ein 60 Kilogramm schweres Tier geschossen habe und es ins Auto kriegen müsse, bekomme auf einen Hilferuf bei WhatsApp innerhalb von Minuten Unterstützung angeboten. (Michael Caspar)

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