Mehrere Hundert Teilnehmer bei Trauerzug für Fachwerkhäuser

Trauerkränze für sterbende Fachwerkhäuser: Protestzug in der Mündener Altstadt. Foto: Siebert

Sie kamen schwarz gekleidet und sie kamen zahlreich: Mehrere hundert Menschen folgten am Samstagvormittag dem Aufruf der Bürgerinitiative Denkmalaktivisten in Hann. Münden.

Sie nahmen an einem Trauermarsch für sterbende Fachwerkhäuser teil. Die sieben Häuser gehören der Kokon GmbH in Bad Orb, Firma der Familie Haas, die die Häuser verfallen lässt. Das wollen die Denkmalaktivisten nicht mehr länger stumm hinnehmen: Nicht nur Häuser seien diese Gebäude, sondern ein Stück Geschichte und Zeugen hoher Handwerkskunst, machten die Redner vor den jeweiligen Adressen deutlich.

Alle Gebäude stehen unter Denkmalschutz, stehen leer und verfallen zusehends. Haas verlangt einen Kaufpreis (1,5 Millionen Euro), der astronomisch über dem Marktwert liegt.

Die Aktivisten verurteilten diese Spekulationen, und skizzierten sehr persönlich und anschaulich, mit wieviel Können, Arbeit und Anstrengung, die Fachwerkhäuser einst errichtet wurden, wie sie Hochwasser, Kriege und Feuer überstanden und immer wieder von ihren Besitzern und Bewohnern instand gesetzt und mit Leben gefüllt wurden - bis der Investor Haas kam, der allerdings nicht investiert.

Aus Solidarität trugen mehrere Ladenbesitzer in der unteren Langen Straße ebenfalls Schwarz - schließlich sind sie, mit gleich mehreren verfallenden Immobilien in ihrer Nachbarschaft, besonders stark betroffen. Die Aktivisten verteilten Postkarten, adressiert an Herbert Haas, mit denen er aufgefordert wird, sich zum weiteren Vorgehen zu äußern. „Wir fordern eine Lösung und die Erhaltung des denkmalgeschützten Fachwerkbestandes, da dieser von größter Bedeutung für Tourismus, Investitionen, Lebensqualität und die Zukunft der Stadt ist“, heißt es darauf.

Rechtlich, so machte Rednerin Diana Wetzestein eingangs deutlich, könne die Stadt dem Hauseigentümer kaum beikommen. Sie zitierte aber auch das Grundgesetz (Artikel 14): „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Die denkmalgeschützten Häuser im Fachwerkensemble der Mündener Altstadt seien Kulturgut, machten alle Redner deutlich, Kulturgut, das Respekt verdiene. (zpy/tns)

Trauerzug für Fachwerkhäuser

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