Mickriger Milchpreis bereitet Bauern auch in Hann. Münden Sorgen

Altkreis Münden. Die Preise von landwirtschaftlichen Produkten sind im Keller. Das ist bei Schweinefleisch schon länger der Fall, seit kurzem auch bei der Milch.

25 Cent kostet der Liter aktuell. „Zu wenig", sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Landvolk Göttingen. Seit Juli 2014 sei ein kontinuierlicher Preisverfall zu beobachten. Als Gründe führt Hübner das Einfuhrverbot in Russland und die schwache Nachfrage in China an.

Das bestätigt Milchbauer Christian Ilse aus Jühnde. „Der Preis ist eine absolute Katastrophe“, sagt er. Zwei Teilzeitkräfte arbeiten zusammen mit ihm in seinem 125 Kühe umfassenden Familienbetrieb. „Derzeit rackern wir für nichts.“ Um von der Arbeit leben zu können, ohne Kredite aufzunehmen, müsste der Liter Milch laut Ilse dauerhaft 34 Cent kosten.

„Wegen des anhaltenden Preisverfalls aber bräuchten wir jetzt schon um die 40 Cent wie Ende 2013, um das Minus, das zuletzt entstanden ist, auszugleichen.“ Doch das sei wegen des Russland-Embargos und des geringen Absatzes in China bis Jahresende nicht realistisch. „Und die Discounter machen sich die missliche Lage noch zu Nutze und drücken unsere Preise runter, obwohl sich nie ein Verbraucher beschwert hat“, sagt der Bauer. Die Situation könne auf Dauer einige Betriebe in Existenznöte bringen. „Bei uns als Familienunternehmen hält sich das in Grenzen, aber wo anders werden monatlich Löhne fällig“, sagt Christian Ilse.

Die Aussage belegen Zahlen vom Kreisbauernverband. 1999 gab es im Landkreis Göttingen 1320 Bauernhöfe, heute sind es noch 780, in 130 davon wird gemolken. „Der Markt muss sich nun selbst regulieren. Gute wäre, wenn die EU ihre Auflagen für Landwirte zurückfahren würde. Diesen Forderungen nachzukommen, ist aktuell besonders schwer“, sagt Achim Hübner. Die Verluste wegen des niedrigeren Preises lägen dieses Jahr bei einem Hof mit 100 Kühen ohnehin schon im sechsstelligen Bereich.

Rubriklistenbild: © dpa

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