Sie war das Kind seiner damaligen Freundin

Elfjährige in Hann. Münden missbraucht: Bewährung für 56-Jährigen

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Grauenhafte Zeit: Eine heute 24-Jährige wurde im Alter von elf Jahren mehrfach sexuell in Hann. Münden missbraucht. Der Mann wurde nun vom Landgericht Göttingen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Opfer hatte laut Gericht sehr unter den Übergriffen des Mannes zu leiden, der damals mit der Mutter des Opfers zusammen war. In der Schule stürzte das Mädchen offenbar ab.

Hann. Münden. Das Landgericht Göttingen hat einen 56-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Gefängnis gefordert.

Die Kammer sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Angeklagte zwischen 2005 und 2007 die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in deren Wohnung in Hann. Münden fünfmal sexuell missbraucht hatte. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Trotz der schwerwiegenden Tatvorwürfe setzten die Richter die Strafe zur Bewährung aus.

Dies sei eine sehr schwierige Entscheidung gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Die Kammer sei aber zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte aufgrund der Besonderheit des Falles noch eine Chance verdient habe.

Der Angeklagte hatte in der Verhandlung nicht nur ein rückhaltloses Geständnis abgelegt und Reue gezeigt, sondern sich auch in einem zivilrechtlichen Vergleich dazu verpflichtet, 5000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zu zahlen. Ein solches Nachtatverhalten und ein solcher Vergleich seien nicht alltäglich, sagte der Richter. 

Das Gericht blieb mit diesem Strafmaß deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert hatte. Die Anwältin der heute 24 Jahre alten Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, hatte dagegen auf eine deutlich mildere Strafe von zwei Jahren auf Bewährung plädiert. Die Verteidigung hatte ebenfalls eine Bewährungsstrafe beantragt.

Missbrauchsopfer ist jetzt 24 Jahre alt

Für die Kammer waren nicht zuletzt die Interessen der Nebenklägerin maßgeblich. Die 24-Jährige hatte in dem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Dabei habe sie deutlich gemacht, was ihr am wichtigsten sei, sagte der Vorsitzende Richter: „Dass der Angeklagte seine Taten einräumt und zu diesen Taten steht“. Dies habe der 56-Jährige getan und es damit der Nebenklägerin erspart, über Details sprechen zu müssen.     

Zu seinen Lasten wertete das Gericht vor allem die schwerwiegenden Folgen seiner Taten. Die Betroffene war bei dem ersten sexuellen Übergriff erst elf Jahre alt. Der Angeklagte habe dabei das besondere Vertrauensverhältnis ausgenutzt, sagte Kalde. Die „sehr massiven“ Taten hätten sich über einen längeren Zeitraum hingezogen und erhebliche Auswirkungen auf die schulische und berufliche Laufbahn der Nebenklägerin gehabt. In der Verhandlung sei aber auch deutlich geworden, wie sehr ihm seine damaligen Taten heute zusetzten. Seine Reue sei nicht aufgesetzt. 

Zu seinen Gunsten wertete es die Kammer, dass er weder vorher noch hinterher jemals straffällig geworden war, was für eine günstige Sozialprognose spreche.    Als Bewährungsauflage muss der 56-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Außerdem muss er alle drei Monate nachweisen, dass er seinen Verpflichtungen zur Zahlung des Schmerzensgeldes nachkommt.

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