Mit dem Fahrstuhl ins Standesamt

Hann. Münden: Sanierung des Historischen Rathauses im Kreis Göttingen geht weiter

Geben Einblicke in die sanierten Räume: Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener (links) und Jürgen Stieler vom Fachdienst Hochbau im Historischen Rathaus der Stadt.
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Geben Einblicke in die sanierten Räume: Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener (links) und Jürgen Stieler vom Fachdienst Hochbau im Historischen Rathaus der Stadt.

Wo sich früher triste Büros schlauchförmig aneinanderreihten, öffnen sich heute große und helle Räume im bereits sanierten Bereich des Historischen Rathauses der Stadt Hann. Münden.

Hann. Münden – Schnell wird klar: Die denkmalschutzgerechte Renovierung ist deutlich vorangeschritten. Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener und Jürgen Stieler vom Fachdienst Hochbau begrüßten, dass sich der Rat dazu entschlossen habe, die Arbeiten im kompletten Bereich der Lotzestraße weiterzuführen. Allein der Rückbau eines provisorischen Bauabschlusses hätte mit 75 000 Euro zu Buche geschlagen, so Stieler. Es dürfe nicht sein, dass die Stadt nachfolgenden Generationen wieder nur ein Provisorium überlasse. Das sei bereits in den Jahrhunderten zuvor schief gegangen.

Für den kürzlich beschlossenen Weiterbau des derzeitigen Abschnitts waren 1,5 Millionen Euro zusätzlich in den Haushalt der Stadt eingestellt worden (wir berichteten). Bislang waren dort 1,8 Millionen Euro aus KIP-Mitteln (Kommunalinvestitionsprogramm des Landes) verbaut worden. „Ich werde für den Weiterbau noch mit der Kommunalaufsicht sprechen“, erklärte Wegener.

Im bereits fertiggestellten Teil des aktuellen Bauabschnitts wird die ganze Pracht des Gebäudes aus der Weserrenaissance deutlich: Die Deckenbalken, die sich zuvor unter einem dicken schwarzen Anstrich verbargen, leuchten nun rot. Die Maserung des Holzes und Verzierungen sind wieder zum Vorschein getreten.

Im Raum, in dem später die Touristik untergebracht werden soll, ist alles für die Verlegung der neuen, drei Zentimeter starken Dielen vorbereitet. „Sie sehen, wir setzen hier auf Qualität“, sagt Jürgen Stieler. „Ich freue mich sehr, dass wir etwas schaffen können für die Zukunft“, ergänzt Harald Wegener. Das neue Rathaus solle Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte halten. Der Raum für die Touristik ist groß, lichtdurchflutet, er hat einen deutlich repräsentativen Charakter.

Repräsentativ: Hier soll ein großer und heller Raum für die Touristik entstehen. Im Hintergrund sind bereits die Fußbodendielen zu sehen.

Später sollen hier auch historische Möbelstücke stehen, die derzeit noch im Rathaus eingelagert sind, etwa ein alter, massiver Holztisch. In dem sanierten Bereich entlang der Lotzestraße sollen unter anderem Rathauswache, Standesamt, Touristik und sogar das Einwohnermeldeamt, das sich derzeit noch im Verwaltungsgebäude in der Böttcherstraße befindet, Platz finden. Für eine Übergangszeit müsse die Touristik innerhalb des Rathauses umziehen, so Bürgermeister Wegener.

Der Fahrstuhl, der später die Barrierefreiheit ermöglichen soll, ist laut Projektleiter Jürgen Stieler bereits zu 90 Prozent fertiggestellt. „Es fehlt nur noch die Abnahme“, so Stieler. Auch eine neue Treppe, die aus Brandschutzgründen als Betontreppe angelegt werden musste, aber mit Holz belegt werden soll, steht bereits. Alle Geschosse seien somit gut erreichbar. Dank des Fahrstuhls könnten künftig auch Rollstuhlfarbe leicht ins Trauzimmer nach oben gelangen.

Alt neben neu: Der alte Kaminsims (links) und rechts daneben der moderne Fahrstuhl im Historischen Rathaus der Stadt Hann. Münden.

Im Bereich des Standesamtes zeigt sich eine besondere Symbiose aus alt und neu: Der gläserne Fahrstuhlschacht steht dort direkt neben einem Kaminsims, auf dem das Jahr 1605 vermerkt ist.

Zurück ins Erdgeschoss: Hier sind die Toiletten bereits weitgehend fertiggestellt, die Wände gefliest. In der Damentoilette ist sogar noch ein Teil der alten Mauer in den Raum integriert. Im Flur sollen später Schränke aufgestellt werden, in dem die Stadtbesucher persönliche Gegenstände einschließen können. Die Baufortschritte sind deutlich sichtbar und dass, trotz einiger Probleme: So habe auch dieses Projekt derzeit mit Baustoffmangel zu kämpfen. Es fehlen derzeit Nägel. Außerdem müssten die Arbeiter wegen der Coronakrise in kleineren, festen Kohorten arbeiten, um Kontakte zu reduzieren. „Wir finden immer innovative Lösungen und dieser Bau macht mir nach wie vor viel Freude“, betont Projektleiter Stieler – eine Leidenschaft, die man ihm ansieht. (Thomas Schlenz)

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