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Mit dem Mündener Ausflugsschiff Weserstein auf der Fulda unterwegs

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Von: Kira Müller

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Die MS Weserstein fährt auf der Fulda
Die MS Weserstein ist mit einigen Herausforderungen in die Saison gestartet, denn bereits nach der ersten Fahrt stand der Motor am Wochenende schon wieder still. © Ekkehard Maaß

Die Sonne scheint immer öfter und damit ist auch die MS Weserstein in Hann. Münden wieder in die Saison gestartet. Volontärin Kira Müller war bei der ersten Fahrt des Jahres dabei.

Hann. Münden – Das Wasser plätschert vor sich hin, der Himmel ist von Wolken verhangen und die Luft ist kalt. Es ist kurz vor 11 Uhr und der Holzsteg, der zur MS Weserstein führt, die in der Nähe des Tanzwerder auf der Fulda liegt, wackelt ein wenig, sobald der Fuß die knarzenden Dielen berührt.

Einen großen Schritt braucht es vom Steg hinunter auf die Schwelle des Schiffes. Drei mit grauem Teppich überzogene Stufen führen in den Rumpf des Schiffes. Dort stehen Inhaber Mike und Nadine Förster schon zum Empfang bereit. Vorne sitzen bereits einige Gäste und unterhalten sich angeregt.

Durch einen schmalen Gang an braunen Holztischen, Stühlen und Bänken mit maritimen Kissen entlang geht es eine steile Treppe hinter einer rustikalen Schiebetür nach oben. Bänke an den Wänden des Schiffes bieten noch mehr Sitzplätze – heute sind sie allerdings leer.

Ausblick auf der Außenterrasse

Weiter vorne im Schiff, am Kapitän vorbei, durch eine weitere schwere Tür, geht es auf die Außenterrasse. Schon weht ein kalter Wind um die Nase. Stühle und Tische laden zum Hinsetzen ein, und, obwohl der Himmel grau und die Sonne hinter den Wolken versteckt liegt, sitzt ein Ehepaar an der vordersten Ecke des Schiffes und genießt den Ausblick.

Peter Engel, im Hintergrund die Fulda
Peter Engel - Fahrgast bei der MS Weserstein © Kira Müller

„Wir sind so gerne auf dem Wasser“, sagt Peter Engel aus Siegen, dem die Kälte nichts auszumachen scheint. Seiner Frau scheint hingegen etwas kalt zu sein – eingewickelt in zwei Wolldecken sitzt sie mit einem Tee in der Hand und Kapuze auf dem Kopf auf ihrem Stuhl und lässt den Blick über das Ufer der Fulda schweifen.

Keine zehn Minuten nachdem das Schiff gestartet ist, kommt die MS Weserstein an der Fulda-Schleuse an. Der Motor wird still, das Schiff kommt zum Stehen. So richtig merkt man nicht, dass das Wasser unter dem Bug des Schiffes steigt und sich dem knapp 2,80 Meter hohen Wasser hinter der Schleuse angleicht – rund 80 Zentimeter muss das Schiff nach oben gebracht werden.

Die 1892 gebaute Fulda-Schleuse durchquert die MS Weserstein innerhalb weniger Minuten.
Die 1892 gebaute Fulda-Schleuse durchquert die MS Weserstein innerhalb weniger Minuten. © Kira Müller

Wie bei einem Whirlpool im Schwimmbad blubbert das Wasser vor dem Schiff und eine gute Weile später, öffnet sich die Schleuse wieder. Der Weg ist frei.

Wasser der Fulda war zu hoch

„Jetzt beginnt das heutige Unterhaltungsprogramm“, verkündet Mike Förster und lacht. Hinter ihm der Matrose und Maschinenwart, der an Board nur Marwan genannt wird, bereit den Masten, der vorne am Schiff befestigt ist, abzubauen.

Außendeck auf dem der Masten abgebaut wird, um unter der Brücke durchzufahren.
Da das Wasser der Fulda bei der Fahrt so hoch war, wie seit Jahren nicht mehr, musste der Mast abgebaut werden, um unter der Pionierbrücke durchfahren zu können. © Kira Müller

Der Grund: Das Wasser in der Fulda war an diesem Tag zu hoch. In den vergangenen Tagen hatte es viel geregnet und aus dem Edersee wurde gleichzeitig Wasser abgelassen – 80 Kubikmeter pro Sekunde. Und „das kommt 24 Stunden später dann hier in der Fulda an“, erklärt Mike Förster.

„Der Wasserpegel ist ungewöhnlich hoch im Moment – das hatten wir schon drei Jahre nicht mehr.“ Durch den hohen Wasserpegel passt das Schiff mit dem Masten nicht mehr unter der Pionierbrücke durch. Doch das ist kein Problem. Sobald das Schiff die Brücke passiert hat und der Masten wieder aufgebaut ist, gleitet das Schiff weiter auf dem Wasser der Fulda entlang.

Biberrutschen und die Bonaforther Schleuse

Förster beginnt über die Fulda und das umliegende Land zu erzählen. Er zeigt den Gästen die Biberrutschen an der Böschung und auch, wo die Biberburgen sind, weiß der Naturliebhaber. Ab und zu schauen auch andere Gäste auf dem Deck vorbei, genießen die Aussicht, gehen aber dann doch lieber zurück ins Warme.

Für diese Fahrt ist die Bonaforther Schleuse noch geschlossen, daher dreht das Schiff vor der Schleuse um. Nun geht es den gleichen Weg zurück.

Ein lautes Rauschen unterbricht die Stille der Fulda – das Schiff driftete Richtung Ufer ab. Das stetige Brummen des Motors unter den Füßen wurde lauter und nach nur einem kurzen Augenblick der Hektik war es auch schon wieder vorbei. „Die Strömung war so stark, dass wir nicht mehr gegenlenken konnten“, erklärt Mike Förster. „Aber unser Kapitän ist erfahren, also gab es keinen Grund zur Sorge.“

Das Team der MS Weserstein mit Inhaber Nadine (zweite v.l.) und Mike Förster (rechts), sorgt für einen schönen Aufenthalt an Bord.
Sie schmeißen den Laden: Das Team der MS Weserstein mit Inhaber Nadine (zweite v.l.) und Mike Förster (rechts), sorgt für einen schönen Aufenthalt an Bord. © Kira Müller

Der Rest der Fahrt, so auch die Schleusendurchfahrt, verläuft reibungslos und ruhig. Zurück am Anlegeplatz die nächste Herausforderung: Das Wasser ist weiter gestiegen und es ist sichtlich keine leichte Aufgabe das Schiff am Steg anzukoppeln – aber es gelingt.

Gut einen halben Meter müssen die Fahrgäste nach oben steigen, um auf den Steg zu kommen – für die Senioren an Board eine Herausforderung.

Nachdem aber alle Gäste wieder sicher an Land sind, wird geputzt und aufgeräumt. Ausruhen kann sich das Team nicht, denn in einer Stunde würde die nächste Fahrt starten.

Doch durch den hohen Wasserstand sind die nächsten Fahrten ausgefallen. Für das Wochenende stand der Motor still, doch jetzt fährt das Schiff wieder seinen normalen Weg – nun auch eine längere Route durch die Bonaforther-Schleuse.

Ursprünglich als „Allernixe“ gebaut

2 Jahre – seit dem 30. Mai 2020 – bieten Nadine und Mike Förster mit dem Fahrgastschiff Rund-, Charter-, und Eventfahrten auf der Fulda und der Weser in Hann. Münden an.

27 Meter lang und 4,60 Meter breit ist die MS Weserstein. Außerdem hat sie einen Tiefgang von 90 Zentimetern.

150 Personen finden in einem Salon (75 Personen) und zwei Oberdecks (75 Personen) auf dem Fahrgastschiff Platz.

1969 wurde das Schiff als Allernixe von der Schiffswerft Leendert Cornelius de Groot in Arkel (Niederlanden) gebaut. kir

Infos: weserstein-touristik.de

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