Denkmalpflege

Altstadtspaziergang mit Hann. Mündens neuer Denkmalpflegerin Sabine Momm

Sabine Momm, Denkmalpflegerin der Stadt Hann. Münden, auf der historischen Werra-brücke. Im Hintergrund die Altstadt mit dem Welfenschloss.
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Sabine Momm, Denkmalpflegerin der Stadt Hann. Münden, auf der historischen Werrabrücke. Im Hintergrund die Altstadt mit dem Welfenschloss.

Um sie vorzustellen, haben wir uns mit Hann. Mündens neuer Denkmalpflegerin Sabine Momm zu einem Rundgang durch die Altstadt verabredet.

Hann. Münden – „Ich möchte, dass die Altstadt liebens- und lebenswert bleibt“, sagt Sabine Momm. Seit Anfang des Jahres ist sie Denkmalpflegerin der Stadt Hann. Münden, Nachfolgerin von Burkhard Klapp, der das Amt 30 Jahre innehatte und zum Jahresende in den Ruhestand gegangen ist.

Zu den Besonderheiten der Stadt Hann. Münden gehört, dass die gesamte Altstadt als Flächenensemble unter Denkmalschutz steht. „Aber“, sagt Sabine Momm, „die Altstadt ist keine Puppenstube, sondern ein Ort, in dem Menschen leben und arbeiten“. Und das ist für sie auch die Herausforderung.

Altes und Neues müsse verbunden werden, im historischen Fachwerk Wohnungen entstehen, die dem heutigen Standard und Wünschen etwa nach Barrierefreiheit entsprechen. „Dafür möchte ich die Eigentümer sensibilisieren“, sagt die 55-jährige Architektin. „Gut sanierte Altstadtwohnungen werden gesucht.“ Seit 2015 arbeitet Sabine Momm für die Stadt. Zunächst in Teilzeit, damals hatte sie noch ein eigenes Architekturbüro, später fest angestellt. Bis zum Jahresende fiel die Bauaufsicht in ihren Zuständigkeitsbereich, und wenn es um Fachwerkhäuser ging, hat sie eng mit Burkhard Klapp zusammengearbeitet. Denkmalschutzfragen sind für sie kein Neuland.

Wir haben uns zu einem kleinen Rundgang durch die Altstadt verabredet. Treffpunkt war die historische Werra-brücke. Von dort geht es über den Dielengraben die Werra entlang. Die 2014 im Zuge der Altstadtsanierung fertiggestellte Uferpromenade mit Blick auf das Welfenschloss, gehört zu den Lieblingsplätzen von Denkmalpflegerin Sabine Momm.

Seit 2008 lebt die aus Mühlheim an der Ruhr stammende Architektin in Hann. Münden. Richtig kennen und schätzen gelernt habe sie die Stadt 2013 durch das Denkmal-Kunst-Festival und das Projekt 9mal24, bei dem es darum ging, ein altes Haus in der Speckstraße in nur 9 Tagen mit ehrenamtlicher Hilfe zu sanieren. Es war das erste Projekt der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt. Sabine Momm gehört seit 2013 zum Vorstand.

Damals sei ihr richtig bewusst geworden, „was für fantastische Gebäude hier stehen.“ Für jemanden, der aus dem Ruhrgebiet kommt, wo es kaum alte Häuser gebe, seien die Jahrhunderte alten Gebäude faszinierend.

Schlossplatz

Wir verlassen den Dielengraben, gehen entlang des Gerichtsflügels des Schlosses und betreten durch den historisch Torbogen den Schlossplatz. Ohne die parkenden Autos ein Anblick wie im Mittelalter. Viele Mündener wünschen sich, dass aus dem Parkplatz ein attraktiver Schlossplatz wird, der seinem Namen alle Ehren macht. Ideen gibt es längst und 2014 hat die Stadt mit einem Workshop auch die Bürger zu Wort kommen lassen. Die Stadt hat die Neugestaltung zugunsten der Sanierung der Schlagden aber zurückgestellt.

Burgstraße

Über den Schlossplatz gehen wir weiter Richtung Burgstraße und dann vorbei an seit Jahren leer stehenden Gebäuden, in denen ein Stoffgeschäft früher seine Räume hatte. „Ein trauriger Anblick“, sagt Sabine Momm. „Wir bemühen uns, die Eigentümer zu motivieren, ihre leer stehenden Häuser zu sanieren und wieder zu nutzen.“ Aber man könne sie dazu nicht zwingen.

Rosenstraße

Als wir in die Rosenstraße einbiegen, sagt die Denkmalpflegerin ganz spontan: „Lassen Sie uns einen anderen Weg nehmen. Jedes Mal, wenn ich hier vorüber gehe, kommt mir wieder der Abend in den Sinn.“ Gemeint ist der Abend des 6. November, als in der Rosenstraße im Schuhhaus Rösel ein Feuer ausbrach, das drei historische Fachwerkhäuser zerstörte. Sabine Momm hat die Sirenen gehört und von ihrer Wohnung am Rand der Altstadt den Feuerschein gesehen. „Dann bin ich los“, sagt sie. Heute klafft dort eine große Lücke. Die drei Gebäude sind abgerissen. „Es ist ganz fürchterlich, was da passiert ist, aber jetzt muss man es auch als Chance sehen“, sagt sie mit Blick auf den Wiedaufbau und verweist auf ein Projekt der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim.

Fünf Studierende entwickeln in ihren Bachelor- und Masterarbeiten mögliche Wohn- und Arbeitsformen, die an dem Ort entstehen könnten. Betreut wird es von Birgit Franz, Professorin für Denkmalpflege.

Aegidiiplatz

Wir sind dann doch durch die Rosenstraße gegangen und weiter an den Aegidiiplatz, wo ein weiteres Großfeuer am Morgen des 23. Januar mehrere Gebäude schwer beschädigt hat, darunter die Postscheune, ein Geschäft für Blumenschmuck und Wohnaccessoires. Die Gebäude sind inzwischen gesichert. Die beiden Brandstätten werden in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren auch die neue Denkmalpflegerin intensiv beschäftigen.

Lange Straße

Über die Lange Straße, Hann. Mündens Hauptgeschäftsmeile, geht es zurück. „Ist das nicht fantastisch, wenn man in die Straße hineinguckt. Jedes Haus ist anders.“ Wir bleiben vor der Hausnummer 92 stehen. Es ist ein Neubau, entstanden an der Stelle, wo ein Großbrand am 4. Mai 2008 ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1546 so schwer beschädigt hat, dass es abgerissen werden musste.

Bei der Fassadengestaltung hat das Nachbarhaus Lange Straße 90 Pate gestanden, das ebenfalls bei dem Großfeuer beschädigt wurde, aber saniert werden konnte. 2011, drei Jahre nach dem Brand, war der Neubau fertig. Für Sabine Momm ist Nummer 92 ein gutes Beispiel, wie sich ein modernes Gebäude in ein historisches Fachwerkensemble einfügen kann. (Ekkehard Maass)

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