Kein Nachfolger mehr 

Mündener Blumenhaus schließt nach fast 100 Jahren

+
Martina und Dieter Wenzel, Inhaber des Blumenhauses.

Zum Ende diesen Monats schließen Martina und Dieter Wenzel ihr gleichnamiges Blumenhaus in Münden für immer. Viele Anwohner wollen das noch gar nicht glauben. 

„Nach jahrelanger vergeblicher Suche nach einem Nachfolger haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen“, sagt dazu Dieter Wenzel. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, das fast 100 Jahre alte Familienunternehmen aufzugeben“, ergänzt Martina Wenzel. Auf der einen Seite bedauern beide, dass sie den Kontakt zu den vielen treuen Kunden aufgeben, auf der anderen Seite freuen sie sich, auf mehr Ruhe in ihrem Leben, auf Wochenenden die sie planen können, wie sie wollen, auf spontane Kurzurlaube und Reisen sowie auf Besuche bei ihren Kindern.

„So kann ich endlich mal mit Freundinnen Kaffee trinken gehen, das habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht“, erzählt Martina Wenzel. Trotz der stark beschnittenen Freizeit möchten sie die Jahre im Geschäft nicht missen.

Da war nicht nur der gute Kontakt mit den Kunden, teilweise wurden Freundschaften daraus. Auch viele Hochzeiten, Konfirmationen, Taufen, Trauerfeiern, Geburtstage, Firmenjubiläen und kulturelle Veranstaltungen wie beispielsweise die Neujahrskonzerte haben die Wenzels mit ihrem Team mit geschmackvollen, teilweise außergewöhnlichen Blumenarrangements ausgestattet. Über die Blumen kamen sie mit vielen Menschen ins Gespräch.

Dazu noch die städtischen Veranstaltungen wie Stapelmahlzeit und Neujahrsempfang sowie die früheren Bälle der Polizeischule, der Pioniere, der Wirtschaftsjunioren und die Gourmetessen in der Rathaushalle. Auch da fand der Blumenschmuck stets Bewunderung.

Grundstein 1924 gelegt 

Beim Rosenfest und beim Bauernmarkt hatte das Unternehmen immer einen großen Stand und lockte damit nicht nur die Mündener an. Es gab kaum eine Veranstaltung in Münden, bei der die Firma Wenzel nicht für blumigen Schmuck gesorgt hat. Auch im sozialen Bereich leisteten sie Unterstützung durch Spenden.

Ihr Können und Wissen haben Martina und Dieter Wenzel gerne weiter gegeben. Viele Lehrlinge wurden als Floristen und Gärtner ausgebildet und mit Urkunden von der Industrie- und Handelskammer honoriert. Dieter Wenzel war jahrelang als Kreisgärtnermeister für Hann.Münden und Göttingen tätig, ebenso als Praxislehrer für die Berufsschule Göttingen. Bei floristischen Wettkämpfen, beispielsweise in Hannover, waren viele Wenzel-Floristinnen erfolgreich beteiligt.

Den Grundstein für das Geschäft legte Gärtnermeister Karl Wenzel, der Großvater von Dieter Wenzel, 1924 mit Mistbeeten und einem kleinen Gewächshaus, in dem er Gemüse anbaute, damit Privatkunden und Hotels belieferte und zum Wochenmarkt ging. Als Betriebsgärtner der Lederfabrik Wentzler brachte er die nötige Erfahrung mit. Mit Eintritt seines Sohnes Ernst Wenzel nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Gemüsepflanzen und Blumen auf dem Wochenmarkt verkauft, ein treuer Kundenstamm bildete sich schnell. Die Gräberbetreuung und Pflege von Firmengrundstücken waren weitere Geschäftszweige.

Herausgeputzt: Mit festlicher Deko wurde damals das 50-jährige Bestehen des Blumenhauses gefeiert. 

Gewächshäuser und ein Laden entstanden. Als Dieter Wenzel den Betrieb 1980 übernommen hat, baute er mit Unterstützung seiner Frau das Unternehmen immer weiter zu einem attraktiven gärtnerischen und vor allem floristischen Betrieb aus. Dies alles wurde jetzt an einen privaten Investor verkauft.

Doch bevor die Türen für immer geschlossen werden, findet ab 20. Juni der Abverkauf des gesamten Sortiments inklusive der Ladeneinrichtung statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.