Schulalltag im Lockdown

Mündener Achtklässler Amer Gracic berichtet über seine Erfahrungen im Homeschooling

Schüler Amer Gracic im Homeschooling
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Amer Gracic (14) erledigt seine Schulaufgaben an seinem neuen Tablet.

Schule im Lockdown: Für den 14-jährigen Amer Gracic aus Hann. Münden bedeutet das Homeschooling. Er berichtet, wie sein Alltag zwischen Videokonferenzen und Hausaufgaben aussieht.

Hann. Münden – „Es klappt jetzt besser als im ersten Lockdown“, sagt Amer in dem Gespräch mit unserer Zeitung, das coronabedingt per Video stattgefunden hat. Er habe sich schnell an seinen neuen Schulalltag gewöhnt.

Seine Zeit kann er sich größtenteils selbst einteilen: Meistens gibt es vormittags Videokonferenzen, seine Aufgaben erledigt Amer dann am Nachmittag – oft auch am Wochenende, um unter der Woche noch etwas Freizeit zu haben.

„Es ist auf gleicher Ebene anstrengend.“

Im Homeschooling arbeitet er genau so viele Stunden wie in der Schule, nur verteilt auf den ganzen Tag, sagt er. „Es ist auf gleicher Ebene anstrengend.“ Durch die Abgabetermine, die eingehalten werden müssen, muss Amer seinen Schultag gut takten. Zum Glück hat der Schüler sein eigenes Zimmer mit eigenem Schreibtisch. So hat er genug Ruhe für seine Aufgaben.

Technisch hat der 14-Jährige erst vor Kurzem aufgerüstet: Er hat von seinen Eltern ein neues Tablet bekommen, mit dem er am Online-Unterricht teilnehmen kann. Von der Schule habe es keine Unterstützung gegeben.

Der Kontakt zwischen Schülern und Lehrern fehlt.

„Viele Schüler nutzen auch ihr Handy für die Videokonferenzen oder um ihre fertigen Aufgaben abzufotografieren und einzuschicken“, sagt Amers Klassenlehrerin, Marie-Lena Wichmann, die ebenfalls per Video zugeschaltet war. Auch sie habe sich erst einmal in ihren neuen Alltag hineinfinden müssen. Inzwischen laufe es aber recht reibungslos, sagt die Lehrerin für Englisch und Französisch. Trotzdem fehle ihr der direkte Kontakt zu den Schülern.

„Vor der Kamera zu sitzen und in das Mikrofon zu sprechen, ist für die jüngeren Schüler kein Problem, die älteren sind da etwas schüchterner“, sagt die Lehrerin. Rückmeldungen seien jedoch wichtig, denn die Situation ist auch für die Lehrer neu.

Schüler sollen Fragen stellen.

Wenn die Schüler nicht reagieren, falle es schwer, einzuschätzen, ob sie alles verstanden haben. Für Fragen stehe Marie-Lena Wichmann aber jederzeit zur Verfügung. Oft versuchen sie, sich aber erst mal gegenseitig zu helfen und Probleme und Fragen untereinander zu klären. Amer fragt manchmal auch seine ältere Schwester oder seine Eltern um Rat.

Probleme mit der Technik gebe es kaum, sagt Amer – zumindest seitens der Schüler. Die Jugendlichen sind mit Computern, Handys und Tablets groß geworden und wissen damit umzugehen. Vor allem im ersten Lockdown sei es manchmal vorgekommen, dass sich die Lehrer bei technischen Problemen an die Schüler gewandt haben.

Inzwischen habe sich jedoch alles eingespielt. „Komplett ersetzt werden, kann der Präsenzunterricht aber nicht“, sagt Marie-Lena Wichmann.

Kein Sportunterricht und keine Klassenarbeiten

Vor allem der Sportunterricht komme im Homeschooling zu kurz. Zwar hat der Sportlehrer ein Trainings-Video geschickt, das die Schüler freiwillig absolvieren können, motivieren konnte sich Amer dazu aber bisher nicht. Ihm fehle momentan der sportliche Ausgleich. Vor dem Lockdown hat der 14-Jährige Fußball gespielt. Das ist derzeit nicht möglich, da alle Plätze und Hallen gesperrt sind.

Auch Klassenarbeiten gibt es während des Homeschoolings nicht. „Die Schüler könnten sich im Internet Hilfe suchen. So würde ich kein repräsentatives Ergebnis ihrer Leistungen bekommen“, sagt die Englisch- und Französisch-Lehrerin.

Obwohl Amer sich gut an die derzeitige Situation gewöhnen konnte, sei er froh, wenn er wieder zur Schule gehen darf. Am meisten vermisse er die schulische Atmosphäre und den Kontakt mit Lehrern und Schülern. (Lea-Sophie Mollus)

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