MÜNDENER ANSICHTEN Planungschaos bei Staustufen

Planungschaos bei Staustufen in Hann. Münden: Am Abriss vorbeigeschrammt

Im Frühjahr 1894 entstand diese Aufnahme von Hann. Münden.
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Im Frühjahr 1894 entstand diese Aufnahme von Hann. Münden.

Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Schifffahrt auf der Fulda einen Boom. Auch Hann. Münden wollte davon profitieren. In der kleinen Stadt begann ein Großprojekt.

Hann. Münden – Am 1. August 1895 begann für die Fuldaschifffahrt ein neues Kapitel, der Kasseler Hafen wurde in Betrieb genommen. Kassel war eine Stadt im Aufbruch, deren Bevölkerung von rund 82 000 Einwohnern 1895 auf etwa 120 000 Einwohner bis 1905 hochschoss.

Sieben Staustufen von Hann. Münden bis Kassel

Großstadt und Industrie träumten von einem zeitgemäßen Anschluss an das deutsche Wasserstraßennetz. Doch ab der Fulda in Münden wurde es kompliziert. Ohne Staustufen und Schleusenkammern war eine regelmäßige Befahrbarkeit nicht gegeben. Sieben Staustufen bis Kassel, als Nadelwehre ausgebildet, waren zu bauen.

Ein hartes Stück planerischer Arbeit stand in Münden an. 1890 wurde im Preußischen Abgeordnetenhaus die Idee der Fuldakanalisierung erörtert und finanziell abgesichert. Der Bremer Oberbaudirektor Ludwig Franzius, eine Kapazität bezüglich der Schiffbarmachung der Unterweser, stellte seine Planungen vor.

Eisenbahn und Flussschifffahrt sollten verbunden werden

Er plante, die Eisenbahn mit der Flussschifffahrt zu verbinden und ein Anschlussgleis von der Halle-Kasseler Eisenbahn im Bereich von Schulzenrode stadteinwärts über den Werraweg zu verlegen. Haarscharf am Schloss vorbei, hätte man die nördliche Bebauung der Sydekumstraße und Speckstraße abgerissen und dazu beide Packhöfe, um einen Gleisbogen zur Fuldaschlagd zu ermöglichen.

Die Mündersche Mühle hätte, wie auch Teile der Wentzlerschen Lederfabrik weichen müssen. Als Auszugsgleis wäre die Trasse zum Ortsausgang Münden in Richtung Kassel gelaufen.

Eine Weiche und eine Brücke an der südlichen Tanzwerderspitze hätte die Gleise auf den Tanzwerder geführt, entlang einer umfassenden Kaimauer, die bis zur Nordspitze in Höhe des später errichteten Wesersteins gereicht hätte. In Höhe der heutigen Hängebrücke war ein Stauwehr geplant. Auf der „kleinen“ Weser, unterhalb der Schlagdspitze, eine Kammerschleuse.

Geländeverlust am Tanzwerder in Hann. Münden

Bürgermeister Dr. Carl Schulze gab diese Planung in Auftrag um eine westliche Umfahrung des Tanzwerders zu vermeiden. „Es könne doch nicht angehen, dass der Schiffsverkehr an der Stadt vorbeifahre. Hätte sich der Magistrat durchgesetzt, wäre von der heutigen wasserseitigen Stadtansicht nicht viel übrig geblieben.

Vergeben wir ihnen als Personen ungehemmten Fortschrittglaubens. Das Projekt hätte über die Entschädigung und dem Abriss zahlreicher Gebäude, insbesondere der Münderschen Mühlenwerke Unsummen verschlungen. Die von der Stadt angedachten 40 000 Mark, hätten nie gereicht. 1892 wurde von diesem Plan zugunsten der „Durchstechung“ des Tanzwerders abgewichen. Der neue Bürgermeister Wilhelm Funck bat wegen vollkommener Aussichtslosigkeit, von den bisherigen Planungen abzusehen. 1894 nahm die Stadt eine Entschädigung für den Geländeverlust auf dem Tanzwerder von 10 000 Mark durch den Fiskus an. (Stefan Schäfer)

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