Edelfische werden verdrängt

Mündener Fischer in Sorge: Invasive Art bedroht heimische Arten

Schwarzmund-Grundel, Fisch
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Der Schwarzmund-Grundel hat sich an den Flüssen im Raum Hann. Münden angesiedelt und bedroht heimische Fischarten.

Fischer im Raum Hann. Münden in Sorge: Eine invasive Art hat sich dort in den Flüssen Werra, Weser und Fulda angesiedelt. Die Rede ist von der Schwarzmund-Grundel.

Hann. Münden – Die Raubfische Quappe und Zander sollen in Weser, Werra und Fulda die Ausbreitung der Schwarzmund-Grundel stoppen. Das berichtet Ronald Schminke, der Vorsitzende des Fischereigenossenschaft Münden. Er fürchtet, dass der Eindringling aus der Schwarzmeerregion Edelfische verdrängt.

„Vor fünf Jahren ist mir die Schwarzmund-Grundel das erste Mal aufgefallen“, berichtet Genossenschaftsmitglied Ronald Ellermeyer, der in Oedelsheim mit Reusen Aale fischt. Mittlerweile machten die Grundeln ein Drittel des Fangs aus, erzählt der Fischer.

Die Schwarzmeer-Zuwanderer, die gut 20 Zentimeter groß werden könnten, wären bei ihm nicht einmal halb so groß. Zwei gebürtige Ostpreußen machten sich „die Heidenarbeit“, die Winzlinge auszunehmen und zu räuchern.

Sie schmeckten wie Kieler Sprotten. „Sie lassen sich auch – gesalzen, gepfeffert und in Mehl gewälzt – braten“, ergänzt Schminke.

Eine invasive Art hat sich in Hann. Münden in den Flüssen Werra, Weser und Fulda angesiedelt. Ronald Schminke, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Münden, fürchtet, dass der Fisch die heimischen Edelfische verdrängt.

„Die invasive Art, die bis zu fünf Mal im Jahr Eier legt und sich entsprechend rasant vermehrt, ist als blinder Passagier im Ballastwasser von Frachtschiffen aus dem Schwarzmeerraum nach Deutschland gelangt“, weiß Ellermeyer. „Die Tiere saugen sich aber auch an Schiffrümpfen fest oder legen dort ihren Laich ab“, sagt Hans-Hermann Arzbach, der für Südniedersachsens Binnenfischerei zuständige Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). 2012 sei die Art erstmals bei Bremen beobachtet worden.

Edelfische könnten durch das aggressive Verhalten der Schwarzmund-Grundeln verdrängt werden

Die Fischereigenossenschaft fürchtet, dass die Grundeln durch ihre schiere Zahl und ihr aggressives Verhalten Edelfische verdrängen. Diese stehen ohnehin unter Druck. Sie werden von Kormoranen gejagt. Die Kaliindustrie leitet salzhaltige Abwässer in die Werra. Mit dem Klimawandel steigt die Wassertemperatur, was Fische wie den Aal verpilzen lässt. Abhilfe sollen die natürlichen Feinde der Grundel schaffen.

„Gemeinsam mit dem Fischereiverband Niedersachsen haben wir vor zwei Jahren ein Projekt zur Ansiedelung der Quappe gestartet“, sagt der Vorsitzende der Genossenschaft. Die in Deutschland stark gefährdete Art, die am Boden der Flüsse lebt, fühlt sich auf dem kiesigen und sandigen Grund von Fulda, Werra und Weser wohl. Dort geht der Fisch nachts auf Jagd.

Zudem hat Schminke im Gebiet seiner Genossenschaft eine Schonzeit für den Zander durchgesetzt. Anfangs sträubten sich die zehn Angelvereine, denen die Fischereigenossen 77 Kilometer Flusslauf verpachten, dagegen. Die Angler schätzen den 50 Zentimeter großen Zander als schmackhaften Speisefisch. „Zander und Quappe werden sich wegen der vielen Grundeln gut entwickeln, deren Bestand aber nicht nennenswert vermindern“, gibt Laves-Mitarbeiter Arzbach zu bedenken.

Er setzt stärker auf die Renaturierung der Flüsse, die der Gesetzgeber als Ziel vorgegeben hat.

Die Steinschüttungen, mit denen die Ufer gegen Wellenschlag geschützt würden, müssten verschwinden. Sie böten den Grundeln ideale Lebensbedingungen, sagt Arzbach. (Michael Caspar)

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