Alte Postkarte auf Weltreise 

Mündener Grüße aus Australien

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Nach über 80 Jahren: Die Ansichtskarte mit der Werra-Brücke als Motiv wurde 1936 in Hann. Münden gedruckt. Sie landete in Australien. Eisenbahnfan Günther Klebes ersteigerte sie im Internet. 

Hann.Münden/Erlangen. Wie ein Eisenbahn-Fan aus Erlangen eine historische Mündener Postkarte aus Australien bekam.

Im Zeitalter der sozialen Medien, von E-Mails und MMS-Nachrichten scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein.

Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 69-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer, solche mit historischen Eisenbahnmotiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansicht der Werrabrücke der ehemaligen Hannoverschen Südbahn in Hann. Münden. Angeboten wurde sie als „Railway-Bridge of Germany“. Klebes kannte bis dahin nur eine ähnliche Brücke, nämlich die Kragenhöfer. „Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ,Ansicht einer mir unbekannten Brücke, die muss ich haben’“, sagt der Rentner, der in Erlangen zu Hause ist.

Postkarten, die andere Bahnen in der Region zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Aber die Ansicht mit diesem ihm unbekannten Objekt musste her. Versandt wurde das Stückchen Fotopapier nie und war 1936 in Hann. Münden gedruckt worden, wie ein Aufdruck auf der Rückseite verrät. Die Brücke selbst war um 1855 gebaut worden, der eiserne Steg kam als Fußgängerbrücke in den 1890ern dazu. „Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Australien hatte“, erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal zwei Euro erwerben.

„Das ist eigentlich viel zu billig“, so der Käufer. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben; denn es war eine selten angebotene Karte. Diesen Preis zahlte er aber dann auch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden. Wie das gute Stück von Hann. Münden nach Australien gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weitervermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes.

Er hat sogar schon Karten aus Israel, Kanada und Südafrika erworben. Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten“, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten. 

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