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Mündener Ortsbrandmeister Eike Schucht sagt Tschüss

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Im Einsatz beim Altstadtbrand 2008: Ortsbrandmeister Eike Schucht in der Langen Straße am 7. Mai 2008. Archivfoto NorberT Burkhardt
Im Einsatz beim Altstadtbrand 2008: Ortsbrandmeister Eike Schucht in der Langen Straße am 7. Mai 2008. © Archivfoto: Norbert Burkhardt

Eike Schucht hat das Amt des Mündener Ortsbrandmeisters niedergelegt. Es seien persönliche Gründe gewesen, die ihn bewogen haben, zum 31. Mai zurückzutreten. 

Hann.Münden – 14 Jahre stand Eike Schucht an der Spitze der Mündener Ortswehr. Jetzt hat er sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt. Mit den vier Jahren als stellvertretender Ortsbrandmeister hat er sogar 18 Jahre Verantwortung für die Kernstadtwehr getragen. Rund 3600 Einsätze seien es in dieser Zeit gewesen, sagt Schucht.

„Die Feuerwehr ist für mich eine Berufung. Ich bin eingetreten, um anderen Menschen zu helfen“, sagt der 50-Jährige. Und das aus „tiefster Überzeugung“. Damals war er 14 Jahre alt, und seine erste Station war die Jugendwehr in Bühren in der Samtgemeinde Dransfeld. Zwei Jahre später wechselte in den aktiven Dienst.

Seit 1997 ist er bei den Brandschützern in Hann. Münden, nun wieder als „einfacher“ Feuerwehrmann, ohne die große Verantwortung für über 70 Frauen und Männer. 2004 rückt er in die Führung der Wehr auf, zunächst als stellvertretender Ortsbrandmeister. Damals hatte die Einsatzabteilung noch rund 40 Mitglieder. Vier Jahre später steht er ganz an der Spitze.

Er war gerade einmal vier Wochen im Amt. Da musste er sich bereits der wohl größten Herausforderung seiner gesamten Amtszeit stellen: dem großen Brand in der Mündener Altstadt am Sonntag, 4. Mai. Um kurz nach 4 Uhr ging bei der Feuerwehr der Alarm ein. An zwei Stellen in der Mündener Altstadt brannte es.

Die „Bastille“, eine ehemalige Disco an der Mühlenstraße, Ecke Bremer Schlagd, stand in Flammen und das mehrstöckige Wohnhaus Haus Lange Straße 92. Die „Bastille“ war unbewohnt, aber in der Langen Straße kam es zu dramatischen Szenen. In dem Haus waren Menschen im Schlaf vom Feuer überrascht worden, die Feuerwehr musste sie über die Drehleiter retten, darunter eine junge Mutter und ihre beiden Kinder. Niemand wurde damals schwer verletzt. Die Flammen griffen aber auf benachbarte Häuser über. Es dauerte mehrere Tage, bis das Feuer dort gelöscht war. Über 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz, hinzu kamen Helfer von Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk.

Die Einsatzleitung hatte Stadtbrandmeister Thomas Schelp, aber auch Schucht war als Ortsbrandmeister an vorderster Front dabei und übernahm teilweise auch die Leitung. Am Mittwoch, 7. Mai, kam um 14.10 Uhr die Meldung: „Feuer aus“. Ein Moment der Erleichterung. Endlich.

Bei der Schlussbesprechung der Feuerwehr schossen Schucht die Tränen in die Augen. „Ich könnte Euch alle nur in den Arm nehmen“, sagte er damals zu seinen Leuten. Zwar musste die Feuerwehr in der Nacht noch einmal ausrücken, weil wieder Flammen loderten, aber die große Schlacht war geschlagen. In der Jahresversammlung der Mündener Feuerwehr sagte er einige Monate später mit Blick auf seine Kameraden: „Ohne Euch wäre ich in der Anfangsphase meines Amtes kläglich gescheitert. Ihr habt Menschenleben gerettet, Euch dem Feuer entgegengestellt und zu jeder Zeit ruhig, sachlich und fachlich gehandelt.“ Der Großbrand von 2008 blieb nicht der einzige in der Altstadt, dem Schucht sich als Ortsbrandmeister stellen musste, aber er wirkt bis heute nach und habe ihn als Feuerwehrmann geprägt, sagt Schucht. Die Polizei vermutete damals Brandstiftung, aber einen Täter konnte sie nicht ermitteln.

Er habe, sagt Schucht, bei diesem aber auch bei späteren Einsätzen große Wertschätzung und Dankbarkeit von den Menschen für die Arbeit der Feuerwehr erfahren, zum Teil ganz persönlich, auch von Menschen, bei denen es gerade gebrannt hatte. „So mancher hat mich nach dem Einsatz in den Arm genommen und Danke gesagt“, sagt Schucht. „Die Mündener sind stolz auf ihre Feuerwehr.“ Das habe ihn über die Jahre auch getragen. Er blicke auf „überwiegend tolle 14 Jahre als Ortsbrandmeister“ zurück und danke seinen Kameraden, „die Überdurchschnittliches für unsere Feuerwehr leisten“. Sein Herzensanliegen für die Zukunft der Feuerwehr sei, dass sowohl die Kinder- und Jugendwehr, als auch die Altersabteilung weiter die gebührende Beachtung erfahren. Die einen seien die Zukunft der Wehr, die anderen hätten über Jahrzehnte ihren Dienst geleistet. (Von Ekkehard Maass)

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