Kostüm-Führung durch die Stadt

Mündener Stadtführer beginnen ihre Saison

Vom Mittelalter bis in die Moderne: Mitglieder der Stadtführergilde haben mit einer gemeinsamen Kostüm-Führung ihre diesjährige Touristensaison eröffnet.

Hann. Münden – Rund 30 Interessierte aus Nah und Fern ließen sich diese „Schmankerl“ nicht entgehen, von denen wir nachfolgend einige vorstellen.

Ganz begeistert waren Anke und Axel Papmeyer aus Hannover. „Wir machen gerade mit unserem Wohnmobil in Hann. Münden Station und sind durch Zufall in die Stadtführung hineingeraten“, verriet der Hannoveraner mit leuchtenden Augen. Er freute sich nicht nur über die interessanten Geschichten über die Stadt, die die Stadtführer immer wieder mit humorvollen Anekdoten anreicherten, sondern auch über die kleinen Snacks, die die Gilde vorbereitet hatte.

Dabei handelte sich um Blutwurst, die den Teilnehmern zum Kosten vor dem Restaurant Marktstube, besser bekannt als „Ritter der Rotwurst“, serviert wurde. „Sehr lecker“, lobte Axel Papmeyer.

Dazu berichtete Eleonore Siefert im Kostüm eines Knechts über das Leben im stattlichsten Fachwerkhauses Mündens, dem Mattenberghaus an der Langen Straße 29, das 1554 erbaut wurde. „Wir hatten allein 15 Gesindezimmer im Haus“, sagte sie und verwies dabei auf die sichtbaren Zeichen des Wohlstands der Erbauer, die 160 sogenannten „Schiffskehlen“, mit denen der Prachtbau verziert ist.

Authentisch: Anne Langefeld als „Fischers Jule“.

Sabine Lohmann alias Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510-1558), die in der Region die Reformation durchsetzte, hatte vor sich eine kleine Galerie von Puppen in historischen Kostümen der Zeit aufgebaut.

„Die benutze ich gerne für Kinderführungen“, sagte sie. Mit einem kleinen Strauß von frischem Bärlauch verband sie einen Ratschlag. „Das Kraut schützt vor Schadenszauber.“

Einen ganz besonderen, mittelalterlichen Ratschlag hatte Ute Fellenberg als „Fischers Jule“ für die Gäste parat, als sie von den 30 Familien berichtete, die einst von der Fischerei in Fulda, Werra und Weser lebten. „Aalfett hilft bei Glatzköpfigkeit.“ Wer es glaubt, sollte es vielleicht mal ausprobieren.

Ohne den 1727 in Hann. Münden gestorbenen Wanderarzt Dr. Eisenbart vergeht natürlich keine Führung. Marie Anne Langefeld räumte dabei mit einigen Legenden über den Mann auf, über den Göttinger Studenten einst ein Spottlied verfasst hatten, das über die Grenzen Deutschlands hinaus gesungen wurde: „Ich bin der Doktor Eisenbart, widewidewitt, bum, bum, kurier’ die Leut’ auf meine Art, …“

Ganz modern wurde es, als Wilma Schmitt über das Projekt „Wasserspuren“ berichtete, das in Hann. Münden zur EXPO 2000 in Hannover gestaltet wurde. Isabell Rüter und Daniel Becker aus Göttingen probierten dann auch gleich selbst aus, wie es ist, mit einer Platte Wellen auf dem Wasserteppich zwischen Rathaus und St. Blasius-Kirche zu erzeugen.

Die Zeit verging wie im Flug und da störte selbst der zwischendurch fallende Regen nicht: Zu sehr fesselten die Geschichten, von denen noch viele aufs Erzählen warten.

Wer jetzt neugierig geworden ist, mehr über die Historie der Drei-Flüsse-Stadt zu erfahren, dem seien die mit viel Herzblut gestalteten Stadtführungen empfohlen. Sie finden täglich ab 10 Uhr und 14.30 Uhr statt und beginnen am Historischen Rathaus (Touristeninformation).

Führungen in Kostümen finden immer samstags ab 20.30 Uhr und sonntags ab 14.30 Uhr von der Touristeninformation ausgehend statt. Eine Anmeldung wird empfohlen. Außerdem können Gruppen extra Führungen buchen.

Rubriklistenbild: © Hans-Peter Niesen

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