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Mündener Tafel: Fast Verdopplung der Kundenanzahl - Spendenmenge unverändert

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Von: Hannah Köllen

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Gemüse, Obst, Backwaren und vieles mehr: Die Mündener Tafel bietet ihren Kunden eine große Auswahl an verschiedenen Lebensmitteln an. Aktuell erhalten dort 287 Menschen Unterstützung.
Gemüse, Obst, Backwaren und vieles mehr: Die Mündener Tafel bietet ihren Kunden eine große Auswahl an verschiedenen Lebensmitteln an. Aktuell erhalten dort 287 Menschen Unterstützung. © Maurice Morth (Archivfoto)

Bei der Tafel in Hann. Münden hat sich die Anzahl der Kunden seit März fast verdoppelt. Während im März noch 149 Menschen einen Berechtigungsschein hatten, sind es aktuell bereits 287 Menschen, die auf die Lebensmittelspenden der Ehrenamtsorganisation angewiesen sind.

Hann. Münden - „Früher haben wir 80 Tüten mit Lebensmitteln an zwei Ausgabetagen verteilt. Heute sind es 80 Tüten pro Ausgabetag“, sagt Peter Martin, Erster Vorsitzender der Mündener Tafel. Nicht alle Kunden kämen jede Woche, besonders am Monatsende sei immer viel los an der Ausgabestelle im Geschwister-Scholl-Haus in Hann. Münden.

Im März waren 86 der Tafel-Kunden in Münden Geringverdiener oder Arbeitslose, heute ist diese Gruppe mit 113 Personen vertreten. Unter den Rentnern sei die Kundenanzahl bei der Mündener Tafel um zehn Prozent gestiegen. Bei 105 Tafel-Kunden handelt es sich um Geflüchtete aus der Ukraine. Am 21. März sei der erste Ukrainer zur Tafel in Münden gekommen, sagt Martin.

Ein Aufnahmestopp für potenzielle Neukunden sei in Münden zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant. Anders sieht es bei der Ehrenamtsorganisation in anderen Städten aus: „32 Prozent der Tafeln mussten bereits einen Aufnahmestopp einführen“, heißt es in einer Mitteilung von Tafel Deutschland.

Abholhäufigkeit in Münden reduziert

17 Prozent der Tafeln hätten ihre Abholhäufigkeit reduziert, Kunden können nun also nicht mehr so häufig wie früher Lebensmittel abholen. Diesen Schritt ist auch die Mündener Tafel bereits gegangen. Dort können Kunden seit Mai nur noch einmal wöchentlich einkaufen, nicht wie zuvor zweimal pro Woche.

Zu den aktuellen größten Herausforderungen vieler Tafeln gehört neben der gestiegenen Kundenanzahl auch der Rückgang an Lebensmittelspenden, das ergab eine aktuelle Tafel-Umfrage aus diesem Jahr.

Zumindest letzteres treffe nicht auf die Tafel in Hann. Münden zu, sagt Martin. „Die Spendenmenge für unsere Tafel in Hann. Münden ist gleichgeblieben.“

40 Helfer bei Mündener Tafel

Die Mündener Tafel besteht bereits seit dem Jahr 2005. Peter Martin, Erster Vorsitzender der Tafel in Hann. Münden, unterstützt die Organisation von Beginn an als Ehrenamtlicher. Insgesamt sind bei der Mündener Tafel 40 Mitarbeiter ehrenamtlich im Einsatz. Die Lebensmittelausgaben finden zweimal wöchentlich im Geschwister-Scholl-Haus in Hann. Münden statt. Die Tafel-Kunden müssen sich mit 0,50 Euro an ihrem Einkauf beteiligen.

Eindrücke von der Lebensmittelausgabe in Münden

Bei der Lebensmittelausgabe der Mündener Tafel herrscht reges Treiben. In einem großen Saal im Geschwister-Scholl-Haus in Hann. Münden sind mehrere Tische aufgestellt, zwischen denen zehn Helfer herumwuseln. Auf den Tischen stehen große Körbe mit allerhand Lebensmitteln: Die Auswahl reicht von frischem Obst und Gemüse über Milchprodukte, Backwaren, bis hin zu Keksen und Wurst. Sogar einige vegane und vegetarische Produkte sind dabei. Und frische Schnittblumen.

„Davon hätten wir noch mehr haben können. Aber wir konnten sie nicht mitnehmen, weil unser Transporter komplett voll war“, sagt Peter Martin. Er ist von Beginn an dabei, als die Mündener Tafel im Jahr 2005 gegründet wurde. Die Räume im Geschwister-Scholl-Haus, in denen die Lebensmittelausgaben stattfinden, hat die Stadt Hann. Münden der Tafel kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Spendenmenge gleich geblieben

Anders als andere Tafeln hat die Mündener keine Probleme mit zu wenigen Lebensmittelspenden. Alle Supermärkte in Hann. Münden und der Umgebung unterstützten die Tafel regelmäßig mit Lebensmittelspenden, sagt Martin.

Obwohl die Spendenmenge aus den Supermärkten nicht zurückgegangen sei, würden die Lebensmittel knapper. Das liege vor allem daran, dass die Zahl der Kunden gestiegen sei, sagt Martin. Allein die Tafel in Hann. Münden versorge aktuell 69 Rentner, 113 Bedürftige wie Arbeitslose und Geringverdiener und 105 Flüchtlinge aus der Ukraine.

Jeder Kunde der Mündener Tafel wird mit dem Faktor 2,5 multipliziert, weil die meisten Kunden nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Familie mit den Lebensmitteln versorgen müssten. Dass ein Kunde am Ende der Ausgabe ohne Lebensmittel nach Hause geschickt wird, sei schon vorgekommen, „ist aber wirklich selten der Fall“, betont Martin. Die 40 ehrenamtlich aktiven Helfer der Mündener Tafel würden eine faire Einteilung gewährleisten, was gar nicht so leicht sei, weil man nie wisse, wie viele Kunden zur Ausgabe kommen werden. Wenn am Ende der Ausgabe noch Lebensmittel übrig sind, werden diese an die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) weitergegeben.

Februar ist schlimmster Monat

Besonders am Monatsende sei die Ausgabestelle im Geschwister-Scholl-Haus stark besucht. „Man merkt ganz deutlich, dass zum Ende des Monats hin mehr Kunden kommen. Der schlimmste Monat ist immer der Februar, weil da die ganzen Abrechnungen für Heizung und Strom vom vergangenen Jahr anstehen“, sagt Martin.

Die Lebensmittelausgaben finden jede Woche Montag und Donnerstag statt. Kunden der Mündener Tafel müssen 0,50 Euro für ihren Einkauf bezahlen, unabhängig davon, für wie viele Personen sie Lebensmittel benötigen. Früher konnten sie sich an beiden Ausgabetagen Lebensmittel abholen. Seit Mai darf jeder Kunde nur noch einmal wöchentlich kommen. So will die Mündener Tafel gewährleisten, dass alle Kunden zumindest einmal wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt würden, sagt Martin.

15 Helfer pro Ausgabetag

Die länger haltbaren Lebensmittelspenden wie Nudeln, Mehl und Zucker sammelt die Tafel in ihrem Lager in Volkmarshausen. Frische Ware wird am Tag der Ausgabe in den umliegenden Supermärkten eingesammelt. Pro Ausgabetag sind bis zu 15 Helfer tätig.

Trotz der erhöhten Kundenanzahl sei zum jetzigen Zeitpunkt kein Aufnahmestopp bei der Mündener Tafel geplant. Auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel sei die aktuelle Situation nicht leicht: „Manchmal gibt es schon ein Stimmungstief unter den Helfern. Aber trotz allem machen wir weiter“, sagt Martin. Viele Helfer seien bereits seit Jahren und aus tiefster Überzeugung dabei. Trotz des erhöhten Arbeitsaufwands sei man aktuell nicht auf der Suche nach weiteren Helfern.

Zwei Millionen benötigen Unterstützung

Aktuell erreichen die Tafeln in Deutschland so viele Bedürftige wie nie zuvor, heißt es in einer Mitteilung von Tafel Deutschland. Auf die Unterstützung sind Geflüchtete aus der Ukraine, Erwerbslose, Geringverdiener sowie Rentner angewiesen. In den über 960 Mitglieds-Tafeln in ganz Deutschland werden mittlerweile über zwei Millionen armutsbetroffene Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Rund 60 000 Ehrenamtliche kümmern sich um die Bedürftigen.

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