Bau sei abzulehnen

Nabu zu Windkraftplänen im Reinhardswald: „Eingriff in Natur zu stark“

Hann. Münden / Simualtion Windräder im Reinhardswald / Darstellung vom RP Kassel

Hann.Münden. Windkraftanlagen im Reinhardswald oberhalb von Hann. Münden lehnt der Naturschutzbund (Nabu) Altkreis Münden ab.

Das machen die Naturschützer in einer Stellungnahme deutlich, die sie dem Regierungspräsidium Kassel zum Teilregionalplan Nordhessen zugeschickt haben.

Den Plan will die Regionalversammlung Nordhessen neu aufstellen, zurzeit läuft die zweite Anhörung und die Offenlegung der Pläne. In diesem Fall geht es um die Festlegung eines Vorrangebietes KS 26, das liegt im Reinhardswald.

Der Vorsitzende des Nabu Altkreis Münden, Stefan Schäfer, führt für die Ablehnung der nordhessischen Windkraftpläne im Reinhardswald mehrere Argumente an. Die wirtschaftlichen Interessen der Stadt Hann. Münden, für die der Tourismus von entscheidender Bedeutung sei, würden mit Windkraftanlagen oberhalb der Stadt massiv beeinträchtigt. Mit erheblichen finanziellen Verlusten in der Tourismusbranche durch Wegbleiben von Gästen wäre zu rechnen, wenn Rotoren das Landschaftsbild verschandelten. Auch Wertverluste der Immobilien seien zu erwarten und eine Schwächung des Wohnungsmarktes, sollten die Windenergiepläne umgesetzt werden.

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Der Naturschutzbund, so Schäfer, sorge sich vor allem um den Interessenausgleich zwischen Mensch und Natur mit dem Augenmerk auf dem Naturschutz. Schäfer schätzt den Beitrag der Windenergie zum Klimaschutz als marginal ein, die Investitionen seien sehr hoch. Es entstehe ein gravierendes Missverhältnis zwischen den anerkennungswürdigen Klimaschutzzielen und dem tatsächlichen Beitrag von Windkraftanlagen, diesen Zielen gerecht zu werden. Es sei Aufgabe der Politik, meint der Nabu-Vorsitzende, „hier steuernd anzusetzen und dabei auch eine Politik zu machen, die an den Grenzen eines Landes nicht aufhört, die das Wohl einer Region und seiner Menschen im Auge hat.“

Er habe den Eindruck, so Schäfer, „dass hier in erster Linie die Interessen einer Lobbygruppe bedient werden, die im Umfeld einer teilweise von ihr gestalteten Förderungspolitik auf kurzfristige Renditen schaut.“ Die Verbraucher seien die Leidtragenden, denn solange der Strom aus Windenergie nicht gespeichert werden könne, werde jede neu hinzugewonnene Megawattstunde teurer.

Zum Naturschutzaspekt meint Schäfer, der Reinhardswald werde durch Baumaßnahmen während des Betriebs und der Laufzeit, aber auch beim Rückbau der Anlagen beeinträchtigt. Die Windkraft werde auch dem Vogelschutz schaden, im Frühjahr und Herbst passierten Zehntausende von Kraninchen das Flussdreieck; Kollisionsrisiken mit den Anlagen seien nicht ausgeschlossen.

Ebenso, betont der Nabu-Vorsitzender in der Stellungnahme, müssten die Wirkungen der Windkraft auf Menschen berücksichtigt. Infraschall, Schlagschatten, Diskoeffekte durch Blinklichter und Eisschlaggefahr seien Beeinträchtigungen, „die weit über eine rein ästhetische Fragestellung hinausgehen.“

Fazit Schäfers: „In Abwägung der Interessen des Klimaschutzes im Verhältnis zu den Eingriffen in Natur und Landschaft ist der Bau der Windkraftanlagen im Vorranggebiet KS 26 abzulehnen.“ 

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