Nach 60 Jahren: Befund Asbestose

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Asbestfasern. Foto:  obs/Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin/ATW GmbH/nh

Landkreis Göttingen. Willibald Elsner, 78 Jahre, hat Asbestose, eine durch Asbest verursachte Lungenkrankheit. Nach 60 Jahren brach die Krankheit aus. Elsner will eine Selbsthilfegruppe für Betroffene gründen.

Der Göttinger Willibald Elsner hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Krankheit Asbestose beschäftigt. Das hat seinen Grund. Bei dem 78-jährigen pensionierten Polizeibeamten stellte die Ärztin im Brustzentrum in Göttingen im Jahr 2013 diese Erkrankung fest. Vor 60 Jahren, als 18-Jähriger, hatte Willibald Elsner ein Jahr lang in einer Fabrik in Wunstorf bei Hannover gearbeitet und war dort mit Asbest in Berührung gekommen. Die Fasern setzten sich in seiner Lunge fest. „Ich habe zerkleinerten Asbest in Mischmaschinen geschaufelt“, erinnert sich Elsner.

Willibald Elsner.

Er habe bei seinen Recherchen festgestellt, dass noch zu wenig über die Asbestose bekannt ist und darüber, was Betroffene tun müssen, damit die Berufsgenossenschaften die Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen. Deshalb will Willibald Elsner eine Selbsthilfegruppe für die Bereiche Göttingen, Northeim und Osterode ins Leben rufen.  Selbsthilfe sei nötig, ist Elsner überzeugt, weil Asbestose und deren Folgen oft nicht rechtzeitig erkannt würden; die Beschwerden würden auf andere Ursachen zurückgeführt.

Bei ihm fing es 2008 an, da bekam er eine doppelseitige Lungenentzündung, die nach medizinischer Behandlung wieder abklang. 2011 folgte erneut eine doppelseitige Lungenentzündung; im Jahr 2013 schließlich litt er unter Atemnot und suchte das Brustzentrum aufgesucht. Die Ärztin habe ihn untersucht und danach gefragt, ob er je in seinem Leben mit Asbest in Kontakt gekommen sei. Ja, das war er, ein Jahr in der Asbestfabrik.

Rentenversicherungskarte 

Die Ärztin, berichtet Elsner, habe nach der Diagnose sofort alle notwendigen Schritte eingeleitet, damit die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird. Zu seinem Glück hatte Willibald Elsner noch eine alte Rentenversicherungskarte im Original gefunden, aus der hervorging, dass er im Zeitraum 1953/54 in der Asbestfabrik arbeitete.

Elsner stellte bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie den Antrag auf Anerkennung der Asbestose als Berufskrankheit. Nach Einholung eines ärztlichen Gutachtens erkannte die Berufsgenossenschaft bei dem Göttinger Asbestose als Berufskrankheit zwar an, allerdings mit der Einschränkung, dass damit keine Leistung durch die Berufsgenossenschaft verbunden sei.

Elsner legte Widerspruch gegen den Bescheid ein, dem die Berufsgenossenschaft nicht stattgab. Daraufhin reichte er beim Sozialgericht in Hildesheim Klage ein, über die noch nicht entschieden ist.

Elsner hat bereits Kontakte geknüpft zu Einrichtungen, die ihm bei der Gründung der Selbsthilfe helfen wollen, wie zum Beispiel KIBIS. Das ist die Abkürzung für die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich im Gesundheitszentrum Göttingen e.V. Koordinatorin Annemarie Schnee hat mit Willibald Elsner gesprochen und bietet Hilfe an, damit Betroffene sich zum Erfahrungsaustausch zusammenfinden können. Elsner: „Die Selbsthilfegruppe kann und soll Lösungen für persönliche Probleme und Alltagsbewältigung im Zusammenhang mit der Krankheit finden“.

Kontakt: Willibald Elsner, Tel. 0551/794938 oder KIBIS im Gesundheitszentrum Göttingen, Albanikirchhof (Sprechzeiten montags und donnerstags 10 bis 13 Uhr, mittwochs 14 bis 18 Uhr; Tel. 0551/486766).

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